exakt exklusiv | 11.10.2017 Über 30 Minuten bis zum Krankenhaus

Das Krankenhaus Genthin ist geschlossen worden. Die Anwohner müssen nun lange Fahrtwege in Kauf nehmen. Der Sozialverband Deutschland sieht durch die Krankenhausschließung die Versorgung der Bevölkerung gefährdet.

Nach der Schließung des Genthiner Krankenhauses im September hat MDR exakt die unmittelbaren Auswirkungen der Klinikschließung auf die Bevölkerung berechnet. So benötigen die Menschen aus Genthin und Umgebung zukünftig zwischen 32 und 47 Minuten, um bei durchschnittlichem Verkehr in eines der nächsten Krankenhäuser in Stendal, Burg oder Brandenburg an der Havel (Brandenburg) zu gelangen.

Krankenhaus Genthin
Das Krankenhaus in Genthin Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Das kritisiert der Sozialverband Deutschland SoVD. "Sobald Fahrtzeiten von mehr als 30 Minuten aufgewendet werden müssen, ist die gebotene adäquate Versorgung der Patientinnen und Patienten gefährdet", sagte SoVD-Bundessprecher Benedikt Dederichs. Auch in strukturschwachen Regionen müssten Krankenhäuser und Notfallversorgung für die Menschen zugänglich sein.

Das Sozialministerium Sachsen-Anhalt verteidigte die Schließung auf schriftliche Nachfrage. Das Ministerium teilte mit, Sachsen-Anhalt habe auch nach der Schließung des Krankenhaus-Standortes Genthin "eine Krankenhausstruktur, die ortsnahe Versorgung ermöglicht." Die Versorgung sei durch die umliegenden Krankenhäuser gesichert.

Sorge um adäquate Versorgung der Patienten

Die Landesregierung hatte schon 2004 in Abstimmung mit den Johannitern als Betreiber des Genthiner Krankenhauses entschieden, dass der Standort geschlossen werden soll, weil man davon ausging, dass wegen des demografischen Wandels das Krankenhaus Genthin sich auf lange Sicht nicht rentiert. Die Johanniter wollen zukünftig in den Ausbau eines anderen Standortes investieren. Das Krankenhaus in Stendal soll für 35 Millionen Euro ausgebaut werden, elf Millionen Euro davon kommen vom Land Sachsen-Anhalt.

Genthins Bürgermeister Thomas Barz (parteilos) kritisiert, dass bei der Entscheidung über die Schließung das Finanzielle wichtiger genommen werde, als die Bedürfnisse der Bevölkerung. "Kindergärten, Schulen, ärztliche Versorgung. Das sind Dinge, die bei uns nur noch aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Das darf nicht sein."

Die Klinikschließung wurde vom Betreiber, den Johannitern, mit jährlichen Verlusten in Höhe von rund eine Million Euro begründet.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 11.10.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 22:47 Uhr

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