exakt am 21.06.2017 Zoff im Garagenland

"Willst Du Bürgermeister bleiben, darfst Du uns hier nicht vertreiben!" steht an einer Garagen-Wand in Osterburg. Einige Bürger der Stadt befürchten, dass ihre liebgewonnenen Garagen einem Discounter weichen sollen.

Die Garagengemeinschaft ist ein Ost-Phänomen. Über eine Million DDR-Bürger bauten einen eigenen Unterstand für ihr Auto. Doch dabei blieb es oft nicht. Vieles, was im Plattenbau keinen Platz hatte, wurde in die Garage ausgelagert. So gibt es in den Garagensiedlungen auch voll ausgestattete Werkstätten und manches Sammlerstück.

Wenn Du jetzt überlegst, was hier alles in den Garagen drin ist und das sollte von heute auf morgen abgerissen werden. Da kann ich ja gern mal mit dem Bürgermeister alles hinstellen. Oder bei ihm zuhause. Mal sehen, was er dann sagt.

Jürgen Kluge, Garagenbesitzer

Schreibtisch, Sitzecke und eine komplette Heimwerkerausstattung hat Jürgen Kluge in seiner Garage. Nur ein Auto passt beim besten Willen nicht mehr rein. Auch wenn das Gebäude Jürgen Kluge gehört, der Grund und Boden ist Eigentum der Stadt.

Bauprojekt bedroht Garagen-Siedlung

Garagen-Siedlung
Der Garagenkomplex III in Osterburg in der Altmark. Auf diesem Grundstück will ein Lebensmitteldiscounter eine Filiale bauen. Grund und Boden ist Eigentum der Stadt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Garagen-Siedlung
Der Garagenkomplex III in Osterburg in der Altmark. Auf diesem Grundstück will ein Lebensmitteldiscounter eine Filiale bauen. Grund und Boden ist Eigentum der Stadt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Garagen-Siedlung
Jürgen Kluge und die anderen Nutzer der Garagen fürchten um ihr Domizil. Die Garagen sind für sie mehr als nur ein Unterstellplatz für Autos. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Werkzeugbank in einer Garage
Jeder Fleck in der Garage wird genutzt, u.a. für die gut ausgestattete Werkbank. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Garagen-Siedlung
Der ehemalige Baumaschinenfahrer Konrad Uryzaj ist stolz auf seinen Maschinenpark. Ein Lieblingsstück ist die Ständerbohrmaschine mit zwei Gängen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Garagen-Siedlung
Vieles, was z.B. im Plattenbau keinen Platz hat, wird in die Garage ausgelagert. So findet sich hier auch manches Sammlerstück. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Garagen-Siedlung
Klaus Harke pflegt seinen nagelneuen Traumwagen. Der Rentner hat die Garagen einst mit aufgebaut. Selbst die Betonplatten wurden dabei in Eigenregie gegossen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Garagen-Siedlung
Auch die Fahrrad-Werkstatt ist in die Garage integriert. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Garagen-Siedlung
Sollte es tatsächlich zum Abriss kommen, droht den Garagenfreunden der Verlust ihres Freizeit-Idylls. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Garagen-Siedlung
Die Garagenfreunde haben ihre Drohung klar plakatiert. Fast 300 Familien sind betroffen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Garagenanlage in Osterburg
Die Garagen aus DDR-Zeiten waren nach der Wende erst einmal geschützt. So stand es im Einigungsvertrag. Aber nur bis Ende 2006. Danach wurde geregelt, dass alles an den Eigentümer übergeht. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Garagen-Siedlung
Noch ist nicht geklärt, ob der Discounter an dieser Stelle gebaut wird. Bürgermeister Nico Schulz versucht zu beschwichtigen. Man stehe noch am Anfang des Entscheidungsprozesses. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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In den frühen 80er-Jahren wurde der Garagenkomplex aufgebaut. Die Stadt hatte das Grundstück zur Verfügung gestellt. Konrad Uryzaj zeigt uns den alten Vertrag von 1983.

Der hat damals genehmigt. Alles was sich eine Garage bauen will, kann da bauen und bezahlt dann 24 Mark.

Konrad Uryzaj, Garagenbesitzer

Die Garagen aus DDR-Zeiten waren nach der Wende erst einmal geschützt. So stand es im Einigungsvertrag. Aber nur bis Ende 2006. Danach wurde geregelt, dass alles an den Eigentümer übergeht. Nun bedrohen Bauprojekte die Freizeitidylle. An vielen Orten wurden die Garagenkomplexe schon abgerissen.

In Osterburg stehen sie noch und wenn es nach ihren Besitzern geht, dann soll das auch so bleiben. Zu einer Informationsveranstaltung mit dem Bürgermeister kommen über 300 aufgebrachte Osterburger.

Zwei Stunden später: viele ratlose Gesichter. Obwohl der Discounter schon konkrete Baupläne vorgelegt hat, sei noch nichts entschieden. Bürgermeister Nico Schulz gibt sich nach der Aufregung viel Mühe zu beschwichtigen.

Die Wahrheit wird am Ende einer Stadtratsdiskussion irgendwann ein Ergebnis herbeiführen, ob das Grundstück an ALDI verkauft wird oder nicht verkauft wird. Wir befinden uns jetzt gerade am Anfang des gesamten Diskussions- und Entscheidungsprozesses.

Nico Schulz, Bürgermeister Osterburg, CDU

Für Jürgen Kluge ist dagegen jetzt schon klar, was er von seinem Bürgermeister erwartet.

Wir haben den gewählt, deshalb heißt der Bürgermeister und nicht ALDI-Meister.

Jürgen Kluge, Garagenbesitzer

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2017, 17:55 Uhr

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