exakt | 15.11.2017 Generation 25 – Alexej packt an

Alexej ist ein ehrgeiziger 25-Jähriger. Er weiß, wer sich etwas leisten will, muss hart dafür arbeiten. Seine Kindheit in Russland ist für ihn Motivation.

Alexej ist das Gegenmodell zum üblichen Vorurteil: Junge Leute seien faul und verwöhnt. Er arbeitet viel, bildet sich weiter, sorgt für die Zukunft vor.

Alexej ist der Handwerker der Familie, baut und repariert nahezu alles. Sogar eine Sauna hat er für das Haus seiner Mutter selbst gebaut. In ihrer alten Heimat in Nordrussland konnte die Familie davon nur träumen. Ihre Wohnung in Workuta hatte nur 55 Quadratmeter. 2002 wagten sie den Neuanfang in Deutschland. Ihr Motto: Zusammen schaffen wir alles.

Seine Kindheit verbringt Alexej im russischen Wortuka. Dort geht er zur Schule. Weil seine Großmutter deutsche Wurzeln hat, wird die ganze Familie als Spätaussiedler anerkannt. Alexej kommt, ohne ein Wort Deutsch sprechen zu können, hier in die Schule. Er lernt schnell. Macht seinen Realschulabschluss. Geht dann als IT-Soldat zur Bundeswehr. Jetzt hat er dazu noch einen Nebenjob. Und jeden Tag lernt er, denn er hat ein klares Ziel: Er möchte sein Abitur nachholen, um dann Bauwesen studieren zu können.

Studieren und Karriere machen - so wie viele aus seinem Jahrgang. Laut unserer nicht repräsentativen Onlineumfrage studieren 54 Prozent der 25-Jährigen. 30 Prozent davon an Universitäten, 24 Prozent besuchen eine Fachhochschule. Noch gehört Alexej zu den 37 Prozent der jungen Erwachsenen mit einer Berufsausbildung. Nur neun Prozent der 25-Jährigen haben keinen Abschluss.

Alexejs Wohnung in einem unsanierten Plattenbau ist spartanisch eingerichtet. Er zahlt nur 220 Euro Miete, das so Ersparte wird investiert. Wie sieht er sich selbst? Alexej meint, seine Zielstrebigkeit habe mit seiner Herkunft zu tun. Es sei nicht einfach gewesen in Russland und seine Eltern haben ihm gezeigt, dass es auch anders geht. Sie haben vor fünf Jahren ein Haus gekauft. Eine eigene Immobilie zu kaufen, sei auch Teil seines Zukunftsplans.

Alexej Marin
Als Alexej nach Deutschland kam, konnte er kein Wort Deutsch. Nun lernt er, um sein Abitur nachzuholen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Heute besichtigt er ein Reihenhaus in Magdeburg-Rothensee. Alexej ist für die Maklerin ein untypischer Kunde. 25-Jährige Kaufinteressenten haben für gewöhnlich geerbt oder großzügige Eltern. Natürlich meint sie, das Objekt sei goldrichtig für Alexej. Bei der Besichtigung wird klar: Dieses Haus wäre ein sehr zeitaufwändiges Großprojekt für den Hobbyhandwerker, denn das Gebäude wurde 2013 vom Hochwasser stark in Mitleidenschaft gezogen. Für den Hochwasserschaden kann die Maklerin Alexej 5.000 Euro Preisnachlass gewähren. Die Immobilie würde dann noch 110.000 Euro kosten. Das Geld könnte Alexej aufbringen – er ist fest angestellt, verdient 2.500 Euro brutto, hat noch einen Nebenjob und natürlich - Gespartes.

Die Mehrheit der Generation der 25-Jährigen lebt übrigens unabhängig von Eltern und Staat. 81 Prozent beziehen Geld aus eigener Erwerbstätigkeit, BaföG hingegen bekommen nur 7 Prozent. Eine Minderheit wird von ihren Eltern oder ihrem Partner unterstützt.

Was das Haus betrifft, berät sich Alexej noch einmal mit seiner Mutter: Und entscheidet sich schließlich dagegen. Zu viel Zeit würde für die Renovierung drauf gehen. Zeit, die er zum Lernen braucht.

Ich habe zwar keine Lust jeden Tag Fernschule zu machen, aber ich muss. Weil mein Bruder hat das jetzt geschafft, warum sollte ich es nicht schaffen.

Alexej

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 15.11.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. November 2017, 21:10 Uhr

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