exakt | 11.10.2017 Der Fall Albakr

Bis heute ist die Radikalisierung von Jaber Albakr nicht vollständig geklärt. Der syrische Flüchtling plante einen Sprengstoffanschlag. Jetzt sprechen erstmals seine Eltern über seine Zeit in Deutschland.

Albakr
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"Wir haben unmittelbar vor einem Terroranschlag gestanden", sagt der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen. Das war im Oktober 2016. Die Sicherheitsdienste waren in höchster Alarmbereitschaft. Ein bis dahin unbekannter Täter plante einen Sprengstoffanschlag. Das zeigen seine Bestelllisten im Internet. Mögliches Angriffsziel: ein Flughafen in Berlin. Ein Anschlag der wohl zu vielen, vielen Toten geführt hätte.

In den Fokus der Ermittlungen gerät ein junger Flüchtling aus Syrien: Jaber Albakr. Seine Radikalisierung ist bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Jetzt sprechen zum ersten Mal seine Eltern über dessen Zeit in Deutschland. "Seine Telefonate waren immer kurz. Man konnte merken, dass er Heimweh hatte und dass er gerne zurück nach Syrien kommen würde", sagt der Vater. Ihr Sohn habe großes Heimweh gehabt und sei bei den Telefonaten oft in Tränen ausgebrochen.

Seine Mutter hat ihn immer beruhigt und sagte ihm, er sollte lieber dort bleiben. Er wollte aber zurück.

Vater von Jaber Albakr

Doch unbemerkt von seinem Umfeld in Deutschland radikalisiert sich Albakr. Eine der offenen Fragen dieses Radikalisierungsprozesses: Warum reist der anerkannte Flüchtling gleich zwei Mal über die Türkei nach Syrien zurück? "Er hat sich hier der Jund-Al-Aqsa-Brigade angeschlossen", berichtet ein Augenzeuge im syrischen Idlib der exakt-Redaktion. Er sei einige Wochen bei ihnen geblieben. "Sie wohnten gemeinsam im Haus einer ehemaligen Behörde, das von Jund-Al-Aqsa eingenommen worden war."

Ismail und Rasmia Albakr, Jabers Eltern beim bislang einzigen Interview mit deutschen Journalisten in Damaskus
Ismail und Rasmia Albakr, Jabers Eltern beim bislang einzigen Interview mit deutschen Journalisten in Damaskus. Bildrechte: MDR/WDR - Die Story im Ersten: Der unbekannte Terrorist

Die Jund-Al-Aqsa-Brigade ist eine Terrorgruppe, die sich inzwischen dem IS angeschlossen hat und gegen Rebellen und Regierung kämpft. Später - am 21. August 2016 - quartiert sich Albakr für eine Nacht in einem Leipziger Hotel ein. Am nächsten Morgen melden Reinigungskräfte  ihrer Chefin verdächtige Schäden.

Eine Hotel-Mitarbeiterin berichtet, dass das Zimmer "schon arg korrodiert" " seien und dies könne nur vom Drogen- oder Bombenbau herrühren. Anschließend habe sich die Polizei das Zimmer angeschaut und einige Geräte mitgenommen. Es ist der frühste Hinweis auf die Anschlagspläne, doch das Ganze wird lediglich als Sachbeschädigung registriert.

Es beginnt eine wahre Pannenserie

Sicherheitskräfte identifizieren Albakr wenig später als Terrorverdächtigen. Doch die Verhaftung in Chemnitz scheitert aufgrund von Kommunikationsproblemen. Albakr gelingt die Flucht nach Leipzig, wo ihn schließlich Landsleuten überwältigen. Zwei Tage darauf ist der mutmaßliche Terrorist tot. Albakr hat sich in seiner Zelle in der JVA Leipzig erhängt.

Bei seinen Eltern herrscht bis heute beklemmende Ungewissheit, wie ihr Sohn starb und wo sein Grab ist. Nach unseren Recherchen wurde Jabir Albakr unter größter Geheimhaltung auf einem Friedhof in Berlin beerdigt. 

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 11.10.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2017, 21:26 Uhr

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