exakt | 12.07.2017 Ein gefährlicher Nachbar

In einer Obdachlosenunterkunft lebt ein verurteilter Gewalttäter - direkt neben einer Kindertagesstätte. Die Eltern und Anwohnern in Quedlinburg haben Angst und fühlen sich unsicher. Doch ändern wird sich das so schnell nicht.

Es geht um Paul G., der 28-Jährige ist der Justiz schon länger bekannt. Im Jahr 2008 wurde er zu acht Jahren Haft verurteilt. Es war eine sehr, sehr hohe Jugendstrafe – für eine brutale Tat. Er hatte ein 18-jähriges Mädchen mit Bekannten misshandelt und erpresst. Anschließend vergewaltigte er die junge Frau und stach 20 Mal auf sie ein. Sie überlebte nur knapp.

Nach der Freilassung folgen weitere Straftaten

Als Paul G. 2016 wieder freigelassen wird, kommt es zu weiteren Straftaten. Im Oktober des vergangenen Jahres versucht er eine Elfjährige von hinten zu Boden zu reißen. Das Mädchen wehrt sich, beißt ihm in die Hand. Er flüchtet, offenbar weil eine ältere Frau aufgetaucht ist.

Flaches Gebäude mit heruntergelassenen Jalousinen
In dieser Obdachlosenunterkunft lebt Paul G. zur Zeit. Direkt nebenan befindet sich die Kita. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dafür ist Paul G. zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Dagegen ist er in Berufung gegangen, deshalb ist er mindestens bis zu seiner Berufungsverhandlung auf freiem Fuß. Er lebt in der Unterkunft direkt neben der Kita. Die Stadt sei davon überrascht worden und habe erst Tage später davon erfahren. Dann sei mit den Eltern abgestimmt worden, welche Möglichkeiten bestehen, dass sie ihre Kinder "auch unbesorgt in ihre Einrichtung bringen können", sagt der stellvertretende Bürgermeister von Quedlinburg, Wolfgang Scheller.

Die Kita wird seit zwei Monaten von einer Sicherheitsfirma bewacht und zum benachbarten Obdachlosenheim wurde der Zaun verstärkt. Doch warum dauert das Verfahren so lange?

Das Verfahren dauert an - es fehle an Richtern

"Jedes Verfahren benötigt seine Zeit", sagt Linken-Landtagsabgeordnete Christina Buchheim. Auch wenn es eine schwerwiegende Tat sei, woran es nichts zu beschönigen gebe, könnte auch in solchen Fällen kein schnelleres Verfahren durchgeführt werden.

Nach dem Urteil hat Paul G. Rechtsmittel eingelegt. Das Gericht hat ihm noch auferlegt, dass er eine Fußfessel tragen muss. So ist eine Aufenthaltsüberwachung möglich. Das Gericht ist der Auffassung, so wäre die Sicherheit der Quedlinburger gewährleistet. Doch damit "kann man nur ermitteln, wo er sich gerade aufhält…", sagt Buchheim. Die Fußfessel sei nicht geeignet um Straftaten zu verhindern. Für die Anwohner ist diese Situation nur schwer zu ertragen.

Ich habe keine Angst um mein Leben, aber Angst, weil wir kleine Kinder haben.

Ein Nachbar der Kita

Bis Anfangt August wird Paul G. mindestens noch auf freiem Fuß sein, dann ist der Termin für das Berufungsverfahren angesetzt. In Quedlinburg verstehen viele nicht, warum das so sein muss.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 12.07.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Juli 2017, 17:28 Uhr

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3 Kommentare

13.07.2017 11:41 der_Silvio 3

Da muß erst noch schlimmeres geschehen, bevor sich die Justiz hinstellen und sagen kann, daß das niemand hätte vorausahnen können.
Kinder sind die schwächsten Glieder der Gesellschaft und MÜSSEN daher am stärksten geschützt werden, bestehen vor solchen Gewalttätern, die noch dazu vorbestraft und für ihr gewaltbereites Verhalten bekannt sind! Solche Menschen dürfen überhaupt nicht erst in die Nähe von Kindern, das ist ein Skandal!

13.07.2017 07:45 Fan 2

Ob die zuständigen Richter und Verteidiger ihr Töchter oder Enkelinen auch in diese Kindereinrichtung haben?
Nehmen die irgendwelche Pillen?

12.07.2017 23:11 frank r. 1

Jedem Empfänger von Sozialleistungen, wird von Anfang an Mißtrauen entgegen gebracht. Bei Straftätern, scheint das Vertrauen groß zu sein, den freien Aufenthalt nicht doch zu nutzen, wenn man weiß, das man doch in den Knast muß.