Illustration - Hitlergruß am Ort der Synagoge
Während der Reporter den Holocaust-Überlebenden befragt, zeigt ein Passant den Hitlergruß (Szene nachgezeichnet). Bildrechte: Schwarwel

exakt exklusiv | 18.10.2017 Hitlergruß am Synagogen-Denkmal

Illustration - Hitlergruß am Ort der Synagoge
Während der Reporter den Holocaust-Überlebenden befragt, zeigt ein Passant den Hitlergruß (Szene nachgezeichnet). Bildrechte: Schwarwel

Ein Kamerateam von MDR-exakt wurde am Synagogen-Denkmal in der Leipziger Innenstadt Augenzeuge wie ein Mann den Hitlergruß zeigte. Die antisemitische Straftat erfolgte, als das Team dort in der vergangenen Woche ein Interview mit dem Ehrenvorsitzenden der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig, Rolf Isaacsohn aufzeichnete. Der 84-jährige Holocaust-Überlebende zeigte sich über den Vorfall entsetzt:. "Ich muss sagen, dass ich innerlich zittere. Dass einer mit dem Hitlergruß vorbei geht. Mitten in der Öffentlichkeit. Für jeden sichtbar. Ich bin erschüttert."

Jan Riebe von der Amadeu-Antonio-Stiftung betonte gegenüber MDR-exakt, der Vorfall am Synagogen-Denkmal dürfe nicht verharmlost werden: "Das ist für mich ganz klar ein Einverständnis, ein positiver Bezug auf den Holocaust. Dass man das richtig findet." Der Referent für Antisemitismus registriert, dass der Hitlergruß früher verpönter war als heute. "Durch das Erstarken des Rechtspopulismus sehen das viele inzwischen als 'okaye' Geste, die man wieder zeigen kann."

Die Leipziger Polizei hat inzwischen Ermittlungen gegen den Tatverdächtigen eingeleitet. Aufnahmen einer Überwachungskamera, die das Leipziger Kulturamt an dem Denkmal installierte, stehen dafür allerdings nicht zur Verfügung. Die Kamera zeichnet nach exakt-Recherchen gar nicht auf. Das Kulturamt Leipzig begründete das gegenüber dem MDR-Magazin mit organisatorischen und finanziellen Gründen.

Facettenreicher und mileuübergreifender Antisemitismus

Eine künftige Kameraüberwachung des Platzes am Synagogendenkmal durch die Polizei sei nicht möglich, da es sich bei dem Ort nicht um einen Kriminalitätsschwerpunkt handele, sagte der Sprecher der Leipziger Polizei Uwe Voigt. Die Anzahl der antisemitischen Straftaten in Leipzig sei in den letzten Jahren stabil auf niedrigem Niveau. Es handele sich in den meisten Fällen um Schmierereien und Beschimpfungen.

Die bundesweite Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) hat für Leipzig in 2017 sechs Vorfälle registriert. Benjamin Steinitz, der Leiter des RIAS sagte: "Die Vorfälle, die uns aus Leipzig zwischen Juni und Oktober gemeldet wurden, vermitteln einen erschreckenden Eindruck, wie facettenreich und milieuübergreifend Antisemitismus auch in Sachsen auftritt. Betroffene erleben Leugnung oder Verherrlichung der Schoa, aber auch Beschimpfungen, Diskriminierungen und Einschüchterungen auf der Straße, im Wohnumfeld oder an ihrem Arbeitsplatz."

Landesweit ist die Anzahl antisemitischer Straftaten in Sachsen laut den Zahlen des Bundesinnenministeriums in den letzten drei Jahren statistisch eher gesunken: Von 73 Straftaten 2014 auf 25 im ersten Halbjahr 2017.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 25.10.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2017, 13:05 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Weitere Beiträge