Die Justizvollzugsanstalt Waldheim.
Die Justizvollzugsanstalt Waldheim. Bildrechte: dpa

exakt | 05.07.2017 Kulturclash hinter Gittern?

Die Zahl der ausländischen Insassen in deutschen Justizvollzugsanstalten hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Was bedeuten die kulturellen Unterschiede und die Sprachbarriere für den Gefängnisalltag ? Wie erleben die Vollzugsbeamten ihren Job?

Die Justizvollzugsanstalt Waldheim.
Die Justizvollzugsanstalt Waldheim. Bildrechte: dpa

Die Justizvollzugsanstalt Waldheim in Sachsen. 400 Häftlinge sitzen momentan hier ein. Die Kapazitäten sind ausgeschöpft. In den letzten zwei Jahren hat sich die Zahl der Straftäter aus dem arabischen Raum hier verdoppelt. 50 sind es aktuell, ein Großteil von ihnen kommt aus Nordafrika.

Der Justizvollzugsbeamte Maik Brinkmann arbeitet seit 24 Jahren in der JVA. Der Umgang mit der neuen Klientel sei teilweise belastend, sagt er.

Die sind einfach lauter und auch durch die Sprachbarriere ist es recht schwierig. Die verstehen manches nicht richtig, deuten es falsch. Im Gegenzug bei uns auch, wir verstehen auch manche Sachen nicht richtig. Und dann gibt es Konflikte, zwangsweise.

Maik Brinkmann

Bei Konflikten sei der Umgang mit ihnen schwieriger als mit den Deutschen, sagt Abteilungsleiterin Ines Riegler. Sie erinnert sich an eine Auseinandersetzung vor wenigen Wochen.

Wir wurden dann regelrecht bedroht, dass man mich umbringen will, dass man Bomben legen will. Das Problem ist, dass man natürlich aufgrund der Anspannung, die da ist, andere Gefangene nicht so behandelt oder mit ihnen so umgeht, wie man das gerne möchte, weil die Zeit nicht da ist und weil man halt genervt ist.

Ines Riegler

Andere Kultur, neue Probleme, zum Beispiel beim Gemeinschaftsbad. Arabische Gefangene hatten sich immer wieder beschwert, weil sie sich in ihrem Schamgefühl verletzt fühlten. Deshalb wurden in die Duschen Trennwände eingebaut, damit jeder für sich duschen kann.

Auch die Einhaltung religiöser Regeln bringt den Gefängnisalltag gehörig durcheinander, speziell während des Ramadans.

Den Gefangenen wird eingeräumt, dass man das Mittag schockgefriert und das dann abends per Mikrowelle warmgemacht wird und die dann das Essen nach Sonnenuntergang durch den Hausarbeiter gebracht bekommen. Bringt hier das Problem mit sich, dass für die Leute der Tag ist, die da essen. Die hängen am Fenster und die Deutschen dann schlafen wollen.

Maik Brinkmann

Der Tunesier Abdelaziz Jerfel ist seit Februar in der JVA. Der 29-Jährige soll im großen Stil Drogen verkauft haben. Er streitet das ab. Das Gericht urteilte anders: knapp sechs Jahre Haft. Heute hat der abgelehnte Asylbewerber ein Gespräch mit Sozialpädagogin Andrea Jesse. Dass Männer wie er ins kriminelle Milieu abrutschen, sei typisch.

Weil ich dort sehr schnell Anerkennung erlebe und sehr schnell auch "gefühlt" Status erwerbe. Und das ist etwas, wonach die jungen Leute natürlich hecheln. Und da wird die Kriminalität des Handelns nach hinten geschoben.

Andrea Jesse

Die Sprachbarriere macht ein vernünftiges Gespräch kaum möglich. Das ist Alltag hier. Wie in allen anderen sächsischen Anstalten, gibt es momentan keine feste Dolmetscherstelle. Und das hat Folgen.

Die Endkonsequenz davon ist, dass Straftäter unbehandelt entlassen werden und dann durchaus die Gefahr, dass sie wieder Straftaten begehen, eben erheblich höher ist.

Andrea Jesse

Für alle hochgradig unbefriedigend. Was Maik Brinkmann aber richtig zusetzt: Es gibt zu wenig Personal für zu viele Gefangene. Der Krankenstand sei dadurch extrem hoch. Der Stellenabbau in der Justiz habe dazu geführt, dass in den letzten fünf Jahren niemand mehr ausgebildet worden sei.

Das Justizministerium hat den Stellenabbau inzwischen gestoppt und die Zahl der Ausbildungsplätze auf insgesamt 60 verdreifacht. Mit einer Entlastung ist frühestens im nächsten Jahr zu rechnen. Maik Brinkmann und viele seiner Kollegen fühlen sich am Limit. Die Zusatzbelastung durch die ausländischen Gefangenen macht ihre Arbeit nicht leichter.

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2017, 18:32 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

05.07.2017 20:32 Annette Paulick 1

Ich werde nie verstehen warum in unseren Gefängnissen für ausländische Straftäter noch eine Extrawurst gebraten wird wie z.B. mit dem Rammadan und den Essenszeiten. Diese Leute haben in unserem Land Straftaten begangen und haben dann gefälligst hin zu nehmen wie es HIER abläuft!Wo sind wir denn das diese Herrschaften ein "NEIN" nur schwer akzeptieren???? Und das muß der deutsche Steuerzahler noch finanzieren?! Für einen deutschen Häftling der im Ausland im Gefängnis sitzt wird dort wohl kaum extra Schnitzel mit Rosenkohl gekocht, der muß das essen was es dort gibt und dann wenn es was gibt. Man sollte diese ausländischen Straftäter, vor allem wenn sie abgelehnte Asylbewerber sind in ihr Heimatland schicken und sie sollen dort ihre Strafe absitzen.