exakt-Hintergrund 27 Jahre nach der Einheit: Wo steht der Osten?

Viele Menschen im Osten fühlen sich abgehängt, weil sie z.B. weniger verdienen als mancher im Westen. Doch wie groß sind die Unterschiede zwischen Ost und West tatsächlich? "exakt" hat ein paar Zahlen zusammengetragen.

Die Lohnentwicklung im Ost-West-Vergleich

Ost-West-Vergleich Lohnentwicklung
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der Lohnunterschied ist seit 20 Jahren fast konstant. Im Moment verdient ein Vollbeschäftigter im Osten im Schnitt 18 Prozent weniger als im Westen - arbeitet aber pro Woche 40 Minuten mehr.

Im Osten ist der Anteil von Niedriglohnempfängern (Stundenlohn von 10 Euro oder weniger) deutlich höher: 2014 arbeitete ca. ein Drittel der Beschäftigten in den neuen Ländern (34,5 Prozent) im Niedriglohnsektor. Im Westen war es ein knappes Fünftel (19,5 Prozent). (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Gründe für den Lohnabstand

  • Wachstumsbranchen wie Fahrzeugbau und Chemie zahlen bessern. Sie sind in Westdeutschland viel häufiger vertreten als im Osten.
  • In Westdeutschland gibt es mehr Großunternehmen. Die bezahlen höhere Löhne als kleinere Unternehmen.
  • In Regionen mit höherer Arbeitslosigkeit sind die Löhne niedriger. Im Osten lag im September die Arbeitslosigkeit bei 7,1 Prozent, im Westen bei 5,1 Prozent.
  • Die Tarifbindung ist im Osten wesentlich geringer. Knapp die Hälfte (47 Prozent) der Ostbeschäftigten haben einen Tarifvertrag. Im Westen sind es 58 Prozent.

Abwanderung von Ost nach West

Abwanderung von Ost nach West zwischen 1991 und 2015
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zwischen 1991 und 2015 hat der Osten fast 1,9 Millionen Menschen an den Westen verloren. Gut die Hälfte davon waren anfangs junge Erwachsene zwischen 18 und 30, vor allem mit Abitur oder Fachhochschulreife.

Die Abwanderung aus den neuen Bundesländern in den Westen ist mittlerweile deutlich zurückgegangen. 2014 und 2015 gingen nur noch rund 3.000 Menschen mehr weg als kamen. Der Austausch zwischen Ost und West hat sich bei je 100.000 aus beiden Richtungen eingependelt. (Quellen: Statistisches Bundesamt, Statistische Landesämter)

Jedoch gibt es weiterhin Wanderungsbewegungen innerhalb Ostdeutschlands. Gewinner sind vor allem die neun ostdeutschen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern, also Rostock, Potsdam, Magdeburg, Halle, Chemnitz, Dresden, Leipzig, Jena und Erfurt. Sie ziehen vor allem Zuwanderer aus dem ländlichen Raum Ostdeutschlands und Studenten aus Westdeutschland an. Im Jahr 2000 lebte jeder sechste Ostdeutsche in einer dieser Großstädte, heute ist es bereits jeder fünfte. (Quelle: Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung)

Abgehängte Regionen

Abgehängte Regionen in Ost und West
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Laut einer aktuellen Studie liegen nur zwei abgehängte Regionen in Westdeutschland (Herne in Nordrhein-Westfalen und Lüchow-Dannenberg in Niedersachsen) – aber 24 in Ostdeutschland. Bis auf Frankfurt (Oder) handelt es sich durchweg um ländliche Regionen. Besonders stark betroffen ist Sachsen-Anhalt.

Erhoben wurden unter anderem der Anteil von Kindern und Alten, die Zahl der qualifizierten Arbeitsplätze und der Arbeitslosen, das Ausmaß privater Verschuldung, die Ärztedichte sowie die Anbindung an Autobahn und Breitband-Internet.

Die Zahl der abgehängten Regionen ist in Ostdeutschland seit 2000 deutlich zurückgegangen - von 43 auf 24. Auffällig: Der Rückgang ist im Umkreis der Großstädte am größten und dort, wo Regionen an prosperierende westdeutsche Gebiete grenzen. (Quelle: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung)

Steigender Wohlstand im Osten

Grafik
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit 1993 hat sich das Vermögen der Ostdeutschen um 75 Prozent gesteigert, auf durchschnittlich 67.000 Euro pro Haushalt. Fast jeder hat heute eine Zentralheizung und ein Telefon – nach der Wende nicht mal die Hälfte. Durch den steigenden Wohlstand leben die Ostdeutschen heute etwa sieben Jahre länger.

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 23:16 Uhr

Ein Mann
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK