Eine ältere Frau schaut von einem Balkon.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

exakt | 06.12.2017 Hilfsbedürftige Seniorin erhält endlich einen Pflegegrad

Margarete Hinz kann ihr Wohnung nicht mehr verlassen, duschen oder baden ist unmöglich. Sie leidet unter Arthrose im Hüftgelenk und Demenz. Trotzdem hat die 93-Jährige keinen Pflegegrad bekommen - bis jetzt.

Eine ältere Frau schaut von einem Balkon.
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In die Wanne steigen und einfach Duschen, das ist für Margarete Hinz schon seit längerer Zeit nicht mehr möglich. Die 93-Jährige leidet unter Arthrose im Hüftgelenk und Demenz. Ihre Wohnung hat sie seit Monaten nicht mehr verlassen können, schon eine kleine Stufe bereitet ihr große Schmerzen.

Trotzdem hat die Rentnerin keine Hilfe durch die Pflegeversicherung erhalten, weil ihr durch den MDK, den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung, kein Pflegegrad zugesprochen wurde – bis jetzt. Als MDR-exakt die Rentnerin besuchte, hatte eine private Pflegeberaterin eine Art Gegengutachten erstellt. Das Ergebnis: 28 Punkte. Das würde Pflegegrad Zwei bedeuten. Der MDK kam zuvor nur auf 2,5 Punkte und damit nicht einmal Pflegegrad eins.  

Von Pflegestufen zu Pflegegraden - die Pflegereform Seit Januar 2017 greift die größte Pflegereform aller Zeiten. Aus den drei Pflegestufen sind fünf Pflegegrade geworden. Dabei gilt: Je unselbstständiger ein Betroffener von Gutachtern eingeschätzt wird, umso höher ist sein Pflegegrad und umso mehr Leistungen erhält er von seiner Pflegekasse. Im Fall von Margarete Hinz ist es der niedrigste Pflegegrad. Dabei haben die Gutachter eine geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit festgestellt.

Magarete Hinz und ihre Nichte Edith Canehl stellten einen neuen Antrag. Der MDK schickte in der vergangenen Woche wieder einen Gutachter. Dieses Mal kommt der MDK auf 16,25 Punkte. Für die Rentnerin bedeutet das Pflegegrad Eins.

"Endlich ein Durchbruch", sagt Edith Canehl. Die Nichte hat seit fast zwei Jahren um Pflegeleistungen für ihre Tante gekämpft. Bis zur nun erfolgten Genehmigung des Pflegegrads sind vier Anträge abgelehnt worden. Edith Canehl ist fast die einzige Unterstützung für die 93-Jährige, neben einem Nachbarn, der für die hilfebedürftige Frau die Einkäufe erledigt.

Die Rentnerin erhält nun 125 Euro monatlich. Dafür soll einmal in der Woche eine Pflegefachkraft beim in die Wanne steigen, Duschen und Haare waschen helfen.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 06.12.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2017, 11:45 Uhr