exakt | 07.06.2017 Dringend gesucht: Kellner, Köche, Zimmermädchen

Eine junge Frau bezieht ein Kopfkissen
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Das Hotel- und Gastgewerbe in Deutschland sucht händeringend nach Fachkräften. Lehrstellen bleiben unbesetzt, weil zu wenige Jugendliche bereit sind, diese Knochenjobs zu machen. exakt hat Gastronomen besucht, die mit ausländischen Fachkräften das Problem lösen wollen – mit sehr unterschiedlichen Aussichten auf Erfolg.

Wolfgang Nickel ist Chef des Forellenhofs in Köthen. Seine Gästezimmer sind stark nachgefragt. Aber fürs Putzen und Betten beziehen findet sich in der Region keiner mehr. Deshalb sucht er schon lange händeringend Personal. Gerade am Wochenende will niemand arbeiten.

Es war nicht fünf vor zwölf bei uns, es war fünf nach zwölf. Wir haben die Bücher voll, ohne Frage. Aber ohne Arbeitskräfte gerade im Dienstleistungsbereich geht es nicht. Das wissen wir alle. Wir haben die Leute geholt aus der Not heraus.

Wolfgang Nickel

Geholt hat Wolfgang Nickel die Leute aus Indonesien. Auf einer privaten Reise sprachen ihn Einheimische an: Ob ihre Kinder nicht eine Ausbildung in Deutschland machen könnten? Wolfgang Nickel holte zunächst vier junge Indonesier zu sich. Innerhalb von wenigen Wochen bekamen sie ihr Visum. Voraussetzung: gute Deutschkenntnisse, nachgewiesen vom Goethe-Institut, plus Arbeits- und Mietvertrag.

Das klappte so gut, dass der Gastronom einige Monate später fünf weitere indonesische Azubis anstellte. Wenn sie Wohnung und Arbeit vorweisen können, dürfen sie nach ihrer Ausbildung in Deutschland bleiben – und zwar unbegrenzt.

Erstaunlich: für den Unternehmer ist es wesentlich einfacher, in Eigeninitiative junge Leute aus Indonesien zu holen, als Flüchtlinge zu beschäftigen, die schon längst hier sind. Für sie könnte Wolfgang Nickel Praktika anbieten. Doch ob er sie danach weiter beschäftigen darf, hängt von vielen Faktoren ab. Bekommen sie eine Arbeitserlaubnis? Dürfen sie überhaupt in Deutschland bleiben? Wolfgang Nickel will sich in seinem laufenden Betrieb kein solches Experiment leisten.

Die Betreiberin eines Sebnitzer Hotels hat sich auf ein solches Experiment eingelassen. Auch sie findet schon lange kein Personal mehr und hat drei pakistanische Flüchtlinge eingestellt. Allerdings nicht als Azubis, sondern gleich Vollzeit als Reinigungskräfte oder Küchenhilfe, für rund 1.500 Euro im Monat.

Doch sie weiß: Die Anerkennungsquote von Pakistani liegt momentan bei nur 3,3 Prozent. Von Deutschland aus ein Arbeitsvisum zu beantragen, ist generell nicht möglich. Das begründet das Bundesinnenministerium auf exakt-Anfrage so:

Es wäre ein Signal, dass es nicht mit Nachteil verbunden ist, illegal nach Deutschland einzureisen, einen von Anfang an aussichtslosen Asylantrag zu stellen und dann mittels Integrationsleistungen den Aufenthalt hier zu verfestigen.

Bundesinnenministerium

Einer der Pakistani im Sebnitzer Hof macht bald eine Ausbildung zum Koch. So darf er insgesamt fünf Jahre in Deutschland bleiben. Für die anderen kommt eine Ausbildung wegen zu geringer Vorkenntnisse nicht in Frage - sie haben gar keine Bleibeperspektive.

Paradox: Unternehmer können sich mit Arbeitsvisa relativ einfach Azubis aus dem Ausland holen, die nach der Ausbildung unbegrenzt hier bleiben dürfen. Flüchtlinge zu beschäftigen ist dagegen wenig lohnend – wegen der unsicheren Bleibeperspektive. Das ist ein Grund dafür, warum bisher laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nur 14,5 Prozent der seit 2013 hier angekommenen, arbeitsfähigen Flüchtlinge in Beschäftigung sind.

Der ganze Beitrag bei "exakt", 07. Juni 2017, 20:15 Uhr, im MDR FERNSEHEN

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2017, 17:01 Uhr

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4 Kommentare

09.06.2017 12:04 Bea MCL 4

Dringend gesucht: Kellner, Köche, Zimmermädchen

Duerfen es auch Zimmerjungs sein? Da muesste es doch mittlerweile eine grosse Auswahl geben!

08.06.2017 12:59 Klaus 3

Hallo Wolle1 ,
Liegt dieses 4 * Hotel auf dem Ringberg in Suhl? Ich habe da so eine Ahnung.
Klaus

07.06.2017 23:51 wolle1 2

Ja und wir waren vor kurzem in Suhl in einem 4* Hotel. Die haben das gleiche Problem, nur die sind so dreist und setzen solche Leute die KEIN Wort deutsch verstehen und sprechen gleich als Kellner ein. Das Management sollte solche Leute wenigstens vorher auf Deutschkurs schicken. Ein paar Tage als wir wieder gluecklicherweise aus D abgereist sind waren wir in Muenchen. Dort auch alles Auslaender, aber die konnten wenigstens kommunizieren

07.06.2017 20:47 Grummelchen 1

Als Ausbilder ist es gar nicht leicht überhaupt geeignete Lehrlinge zu finden.Weder deutsche noch Flüchtlinge bringen überhaupt die Eignung mit.Bei flüchtlingen sind es die Sprache und fehlende Nachweise der Schulbildung.Die Deutschen haben einfach keine Lust im Handwerk zu arbeiten.