exakt | 22.02.2017 Rechtsextremist verharmlost jahrelang den Holocaust

Bärthel auf einer Kundgebung
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Beim Fackelmarsch der rechtsextremen Thügida am 09. November 2016 in Jena fällt ein Redner auf, der mehrfach nationalsozialistische Daten hervorhebt. Christian Bärthel ist mehrfach wegen Volksverhetzung verurteilt. Nichtsdestotrotz ist er unermüdlich auf rechtsextremen Kundgebungen aktiv. Wir fragen ihn, was er über den Holocaust denkt.

Auch in Dresden gab es diese Brandopfer. Auch in anderen Städten Hiroshima, Nagasaki.

Reporter: Ich habe von Holocaust-Opfern gesprochen.

Ja sicher, das sind alles Brandopfer. Das heißt übersetzt so: vollständig verbrannt. Und die gab es an vielen Stellen in der Welt.

Christian Bärthel

Darf man öffentlich so über die beispiellose Judenvernichtung reden? Mit dieser Frage konfrontieren wir den Strafrechtler Edward Schramm von der Universität Jena. Er unterstreicht: Der Gesetzgeber hat nicht nur die Leugnung des Holocaust, sondern auch dessen Billigung oder seine Verharmlosung klar unter Strafe gestellt. Die gezielte Judenvernichtung zählt im nationalen wie auch im internationalen Strafrecht zu den schwersten Verbrechen überhaupt.

Das war kein Völkermord, die Bombardierung von Dresden, auch Hiroshima und Nagasaki waren kein Völkermord. Das mögen Kriegsverbrechen gewesen sein, aber es ist kein Völkermord. Das sind unterschiedliche Qualitäten und Dimensionen des Unrechts. Wer so etwas eben relativiert, wie Herr Bärthel in diesem Fall, macht sich strafbar nach 130 Absatz 3 StGB.

Edward Schramm, Universität Jena

Wir treffen einen Kenner der rechtsextremen Szene, Martin Hähnlein. Der Journalist aus Bayern beobachtet Bärthels Aktivitäten schon seit Jahren.

Für mich ist er einer der aktivsten Figuren in der rechtsextremen Szene, die ich kenne in Deutschland. Und das Perfide ist, dass es wenige Fälle gibt, wo Schein und Sein so auseinanderklaffen. Er präsentiert sich gerne als den biederen besorgten Bürger. Wenn man sich dann aber genauer mit ihm beschäftigt, dann stellt man fest, dass da knallharte NS-Propaganda dahinter ist.

Martin Hähnlein, Bayerischer Rundfunk

Bärthel behauptet von sich, ein bibeltreuer Christ zu sein, ein Evangelist. Seine Biografie scheint jedoch vielmehr rechtsextrem. 2007 wird der Mann aus Ronneburg wegen Volksverhetzung zu zehn Monaten Bewährung verurteilt. Aus seiner Sicht leben wir in einem Unrechtsstaat.

An dem, was die Bundesregierung macht gegen das eigene Volk, sieht man doch, durch die Überfremdungspolitik, durch die Abtreibungspolitik und ähnliches, dass ein Vernichtungskrieg gegen die Existenz und das Lebensrecht des deutschen Volkes geführt wird durch die Organe der Fremdherrschaft in Form der mittelbaren Fremdherrschaft Bundesrepublik.

Christian Bärthel

Christian Bärthel absolvierte eine bürgerliche Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten. Doch mit seinen zunehmend extremen Ansichten ging das nicht gut. Auch in den rechten Parteien, der DVU und der Deutschen Partei, blieb er nicht lange. Heute lebt er von Sozialhilfe, bestätigt er uns. Er nimmt also Geld vom Staat, den er ablehnt.

Paradox: Auch in diesem Fall fühlt sich Christian Bärthel als Opfer. Und übrigens: Zurzeit ist er ein freier Mann auf Bewährung. Denn erst im September letzten Jahres wurde er wieder wegen Volksverhetzung verurteilt. Zu einem Jahr.

Zuletzt aktualisiert: 01. März 2017, 19:11 Uhr

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1 Kommentar

23.02.2017 11:28 Sceadu Wolfsson 1

Dann hoffe ich nur, dass das mdr-Team seiner staatsbürgerlichen Pflicht nachkommt, d.h. eine ihm bekannt gewordene Straftat anzeigt. Wie es die Gesetze unseres Landes verlangen.
Dann braucht Herr B. sich auch eine Zeitlang keine Sorgen zu machen, ob die Sozialhilfe zum Leben reicht.