"exakt – Die Story" | 06.12.2017 | 20:45 Uhr Achtung Blitzer! Das Geschäft mit den Radarfallen

Sie sollen zum vorsichtigen Fahren erziehen und damit Leben schützen: Geschwindigkeitskontrollen. Doch für die meisten Autofahrer sind sie nur ein Ärgernis. Die Kritik kommt von mehreren Seiten.

Polizisten während einer Geschwindigkeitsmessung in den 1960er Jahren.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit Jahren machen neben der Polizei auch Kommunen Jagd auf Raser. Stendal erwischt Temposünder mit einem mobilen Blitzer und einer Blitzersäule. Halle hat drei stationäre und einen mobilen Blitzer und blitzt im Zweischicht-System von 6 bis 22 Uhr. Die Landeshauptstadt Magdeburg konnte mit nur einem mobilen Blitzer in den vergangenen zwei Jahren fast 1,25 Millionen Euro einnehmen, Stendal verbuchte 2015 durch Bußgelder über 260.000 Euro, in Halle flossen 950.000 Euro ins Stadtsäckel – Tendenz steigend.

Kritik auch von der Polizei-Gewerkschaft

Die Gelder, die durch Blitzer in die städtischen Haushalte einfließen, sind mittlerweile ein fester Posten im Etat. Viele Autofahrer fühlen sich abgezockt. Auch Arnold Plickert von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert die Kommunen. Ihre Zusammenarbeit mit privaten Blitzerfirmen sei intransparent. Zudem sollten Bußgelder nicht in Stadtkassen fließen, sondern zweckgebunden für Verkehrsprojekte eingesetzt werden. Während Polizei-Blitzer in der Regel erst bei 14 km/h Überschreitung auslösen, stellen die meisten Kommunen ihre Geräte schärfer ein.

Ist das Wegelagerei oder macht das die Straßen sicherer?

Das reine Blitzen und nachträgliches Versenden von Bußgeldbescheiden bringt gar nichts. Der Lerneffekt ist am größten, wenn Raser vor Ort belehrt werden.

Karl-Friedrich Voss, Verkehrspsychologe
Ein Mann steht vor einem Blitzer an einer befahrenen Straße.
Vielfahrer Benny Streu warnt vor Blitzern. Bildrechte: MDR/ Susann Rook

Aus Protest gegen die Blitzer wappnen sich nun einige Autofahrer: zum Beispiel Benny Streu, der auf Facebook und auf seiner Internetseite vor Blitzern in Mitteldeutschland warnt. Der Vielfahrer dokumentiert die Standorte, er hat damit täglich gut zu tun. Parallel zu den Blitzern nehmen die Einsprüche gegen die Bußgeldbescheide zu. Detlef Grube, Anwalt für Verkehrsrecht von "geblitzt.de", hat 2016 mehr als 5.000 Einsprüche betreut. Ein Drittel dieser Bußgeldbescheide seien falsch oder inhaltlich mangelhaft und somit anfechtbar.

Wie genau sind die Messungen und wann lohnt sich der Widerspruch? Wer profitiert am meisten von den vielen Radarfallen? Das "exakt – Die Story"-Team ist auf Mitteldeutschlands Straßen unterwegs und hat mit Autofahrern, Vertretern von Kommunen und Experten gesprochen.

Exakt – Die Story | 18.01.2016 Radarfallen in Sachsen-Anhalt

Ein Laster fährt an einem Blitzer vorbei.
Seit 2014 hat der kleine Ort Buchholz bei Stendal einen Blitzerkasten. Bildrechte: MDR/ Susann Rook
Ein Laster fährt an einem Blitzer vorbei.
Seit 2014 hat der kleine Ort Buchholz bei Stendal einen Blitzerkasten. Bildrechte: MDR/ Susann Rook
Junger Mann zeigt einen stationären Blitzer und wird dabei gefilmt.
Die Mitarbeiter vom Stendaler Ordnungsamt wechseln jede Woche den Chip im Blitzer. Bildrechte: MDR/ Susann Rook
Ein Blitzer an einer Schnellstraße.
Halle hat sieben Blitzerkästen, die variabel vom Ordnungsamt mit Messgeräten ausgestattet werden. Bildrechte: MDR/ Susann Rook
Mobiler Blitzer im Auto versteckt.
Das Ordnungsamt Stendal ist jeden Tag mit einem mobilen Blitzer unterwegs, der im Auto versteckt ist. Bildrechte: MDR/ Susann Rook
Ein Beamter bereitet am Autokoffer einen Blitzer vor.
Sascha Romanow, Mitarbeiter im Ordnungsamt Stendal, bereitet das Messgerät für den Einsatz vor. Bildrechte: MDR/ Susann Rook
Kameramann filmt auf der anderen Straßenseite.
Guido Hahne, Ortsbürgermeister von Buchholz, beobachtet den Verkehr an der Blitzersäule. Bildrechte: MDR/ Susann Rook
Ein Mann wird von einer Redakteurin interviewt und dabei gefilmt.
Der Buchholzer Ortsbürgermeister Guido Hahne ist froh, dass sein Dorf einen Blitzer hat, weil die Autos zumindest an dieser Stelle – nach seiner Beobachtung – langsam fahren. Bildrechte: MDR/ Susann Rook
Zwei Polizisten lasern Autofahrer unhd werden dabei von einer Kamera gefilmt.
Die Beamten Steffen Zarschler und Antje Andres lasern vor dem Kindergarten in Möser. Bildrechte: MDR/ Susann Rook
Alle (8) Bilder anzeigen

Ein Film von Susann Rook.

Zuletzt aktualisiert: 11. Dezember 2017, 11:30 Uhr