exakt-Hintergrund Das Erfurter Rieth

Kinder rennen auf einen Brunnen zu
Bildrechte: Deutsches Rundfunkarchiv

Alte Türme - neue Häuser: Erfurt im September 1982.

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1495 wurde das "Rieth" erstmals urkundlich erwähnt. Es bezeichnete ein Sumpfland im Norden vor der Stadt Erfurt, das als Viehweide genutzt wurde. 1970 bis 1977 wurde hier das zweite Erfurter Neubau- bzw. Plattenbauviertel, Erfurt-Rieth, errichtet.

Lufaufnahme von Hochhäusern in Plattenbauweise
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Ein zentraler Platz im Erfurter Rieth ist der Platz der Völkerfreundschaft mit dem gleichnamigen Brunnen. Ab 1979 säumten überlebensgroße bunte Keramikfiguren den Brunnenrand. Laut dem Künstler, dem Weimarer Eberhard Heiland, sollten sie die Völker der Erde darstellen. Den beliebten Figuren war jedoch kein langes Dasein vergönnt. Denn schnell drang Wasser in die Hohlkörper ein, die innen mit Stützbeton ausgefüllt waren. Der Frost verursachte dann so schwere Riss-Schäden, dass die Figuren bereits nach zehn Jahren auf der Deponie landeten. Der Brunnen der Völkerfreundschaft soll aber perspektivisch wieder saniert werden. An den Wiederaufbau der Figuren wird dabei aber wohl nicht gedacht.

Zu DDR-Zeiten wurde das Viertel von Arbeitern und Akademikern bewohnt. Menschen mit Migrationshintergrund gab es damals hier so gut wie keine. Heute sind in den Hochhäusern viele Flüchtlingsfamilien untergebracht. Rund 6.000 Menschen leben noch in dem Stadtteil, vor dem Mauerfall waren das noch deutlich mehr. Der Ausländeranteil in Erfurt-Rieth liegt bei rund 16 Prozent. Spannungen und Auseinandersetzungen mit der einheimischen Bevölkerung sind an der Tagesordnung. Die Arbeitslosigkeit ist mit 14 Prozent doppelt so hoch wie im Gesamtgebiet von Erfurt. Das Viertel gilt als sozialer Brennpunkt.

Zuletzt aktualisiert: 17. März 2017, 12:59 Uhr