Fake News
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exakt-Hintergrund Fake News: Vergewaltigung

Immer wieder werden Gerüchte über sexuelle Belästigungen und Vergewaltigungen verbreitet. Teilweise sind die Vorfälle frei erfunden oder ereigneten sich anders als beschrieben. Urheber sind oft ausländer- und asylfeindlich eingestellte Bürger.

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Als immer mehr Flüchtlinge nach Deutschland kamen, stieg zeitgleich die Anzahl der Falschmeldungen. Ein zeitlicher Schwerpunkt ist im Zeitraum vom September 2015 bis zum März 2016 zu erkennen, mit einem Höhepunkt im Januar 2016 in Folge der massiven Übergriffe in Köln - danach flaute die Zahl vorerst ab, so Lutz Helm. Er ist einer der Begründer der so genannten Hoaxmap. Hier sind derzeit 72 erfundene Vergewaltigungen und 32mal sexualisierte Gewalt sowie 3 versuchte Vergewaltigungen verzeichnet, die so nie stattgefunden haben. Das macht zusammen etwa ein knappes Viertel aller dokumentierten Fälle aus. Die so genannte Hoaxmap hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gerüchte zeitlich und geografisch auf einer Karte einzuordnen und richtig zu stellen.

Hier werden Behauptungen gesammelt, die über Asylsuchende in die Welt gesetzt werden. Die Meldung wird durch eine Anfrage bei der Polizei oder die Berichterstattung in lokalen und überregionalen Medien überprüft und ggf. richtig gestellt; die Pressemitteilungen oder Artikel sind dann mit Datum und Quelle verlinkt.

Wir wollen eine Datenbank zum Nachschlagen schaffen und auch die Entwicklung dieses Phänomens beobachten, das inzwischen ja immer breiter - nun unter dem Begriff "Fake News" - diskutiert wird.

Karolin Schwarz, Begründerin von Hoaxmap

Aus Dresden kommen die meisten Falschmeldungen

Auf der Rangliste der widerlegten Falschmeldungen hat Dresden die meisten Einträge - 16 sind es inzwischen von 474 aus Deutschland, Östereich und der Schweiz, die es auf die Hoaxmap geschafft haben. Darunter auch vier Vergewaltigungen im Zeitraum von 2015 bis 2016. Die Initiative „DD-Strehlen wehrt sich gegen Politikversagen" behauptete beispielsweise im Oktober 2015, eine 75-jährige Frau in der Dresdner Neustadt wäre Opfer einer „abscheulichen Vergewaltigung durch einen Ausländer" geworden. Es habe sich dabei „nach Aussage des Opfers" um einen Marokkaner gehandelt. Polizei und Medien hätten darüber nicht berichtet. Auch eine Massenvergewaltigung in der Tiefgarage des Elbeparks - der erste Eintrag - hat es nie gegeben. Die Polizei Sachsen stellte in beiden Fällen klar, dass es sich um Falschmeldungen handelte.

300 Verfahren allein wegen Volksverhetzung

Zwei bis drei Polizeibeamte sind im vergangen Jahr ausschließlich damit beschäftigt gewesen, Straftaten wie Volksverhetzung, Beleidigung oder Nötigung aufzuklären, erzählt Thomas Geithner, Pressesprecher der Polizei in Dresden der Sächsischen Zeitung. "Sie gehen Anzeigen nach, ermitteln Inhaber von Anschlüssen und Facebook-Profilen." Die Polizei sei verpflichtet, alle Straftaten zu verfolgen, also auch Falschnachrichten nachzugehen, wie sie auf der Hoaxmap dargestellt sind. Einmal sahen sich Beamte gezwungen, eine Frau aufzusuchen, die sich nach der Vergewaltigung durch einen Flüchtling das Leben genommen haben soll - Fehlanzeige.

Auch exakt hatte im Februar 2015 über eine angebliche Vergewaltigung im Umfeld der fremdenfeindlichen Organisation "Sügida" berichtet. Angeblich sei ein junges Mädchen durch einen Flüchtling vergewaltigt worden - wie sich herausstellte: eine Erfindung:

Zuletzt aktualisiert: 12. Juni 2017, 10:31 Uhr