Azubis Saad Malik (Mitte) und Bilal Ahmad (rechts) mit ihrem Kollegen Tom Noack (links)
Bildrechte: MDR/Carina Huppertz

exakt | 14.06.2017 | 20:15 Uhr Jobs für Flüchtlinge – Mit welchen Hürden Unternehmer kämpfen

Die Zahl der erwerbstätigen Flüchtlinge im Land wächst stetig. Dennoch ist die große Mehrheit von ihnen ohne Arbeit. Elf Prozent der deutschen Unternehmen haben bislang Flüchtlinge eingestellt. Was sind die Probleme?

Azubis Saad Malik (Mitte) und Bilal Ahmad (rechts) mit ihrem Kollegen Tom Noack (links)
Bildrechte: MDR/Carina Huppertz

Politiker fordern die Unternehmen in Deutschland regelmäßig auf, mehr Lehrstellen und Jobs für Flüchtlinge bereitzustellen. Doch das ist schwieriger als erwartet. Viele Unternehmen tun sich immer noch schwer damit, Flüchtlinge zu beschäftigen. Sie haben besonders mit mangelnden Sprachkenntnissen und Qualifikationen zu kämpfen. Darüber hinaus gibt es noch weitere Hürden. MDR-exakt hat Betriebe besucht, die sich für die Integration von Flüchtlingen in Arbeit und Ausbildung engagieren.

Saad Malik und Bilal Ahmad sind im zweiten Lehrjahr. Sie machen eine Ausbildung zum Mechatroniker beim Druckmaschinenhersteller KBA in Radebeul. Während die anderen Azubis programmieren, üben die beiden mit ihrem Kollegen einen Prüfungsablauf. Die Fachsprache ist für die beiden das größte Problem. Ihre Mitauszubildenden haben gerade die Zwischenprüfung hinter sich. Für Bilal und Saad wurde sie ein halbes Jahr verschoben.

Die Technik ist auch schwer, aber erst einmal ist Deutsch schwer. Wenn man das Deutsch versteht, versteht man auch die Technik.

Bilal Ahmad, Auszubildender bei KBA

2015 schuf die Firma zwei zusätzliche Ausbildungsplätze für die beiden Flüchtlinge – weil sie ein Zeichen setzen wollte. Den Aufwand haben sie damals unterschätzt, sagt Jochen Mann, der Ausbildungsleiter, heute. Bilal und Saad bekommen jetzt extra Zeit, um nach einer Berufsschul-Woche den Stoff nachzubereiten, üben immer wieder mit ihren Azubikollegen und lernen Deutsch, wenn der Rest Englisch-Unterricht hat. Die intensive Betreuung klappt gut, Saad und Bilak machen Fortschritte.

Doch ohne die Hilfe von Ehrenamtlichen, die Nachhilfe geben, würde das Unternehmen es nicht schaffen, meint Ausbildungsleiter Jochen Mann. Zusätzlich lernen Bilal und Saad drei Mal pro Woche in einer Maßnahme der Arbeitsagentur Deutsch, Mathe und Technik. Diese Art der Vorbereitung hätte er sich schon vor der Ausbildung gewünscht.

Schneller Einstieg in den Beruf meist schwierig

17,4 Prozent der arbeitsfähigen Flüchtlinge sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt (Stand: März 2017). Im Jahr davor lag die Quote bei 14,9 Prozent. Die vergleichsweise geringen Beschäftigungsquote zeigt, dass die Integration in den Arbeitsmarkt einen langen Atem braucht. Am stärksten behindern ein niedriges Bildungsniveau, geringe Sprachkenntnisse sowie fehlende formale Berufsabschlüsse die Integration.

Einen festen Arbeitsplatz – die meisten Flüchtlinge wollen nichts lieber als das. Und auch viele kleine deutsche Unternehmen können sich gut vorstellen, Flüchtlinge einzustellen. Zumal in Deutschland Tausende Stellen unbesetzt sind und gerade unter Fachkräften akuter Mangel herrscht. Aber dennoch finden Flüchtlinge und Arbeitgeber oft nur schwer zueinander. Selbst in großen Unternehmen sind die Zahlen noch überschaubar. Bei BMW arbeiten allein im Leipziger Werk 5.300 Menschen. Seit August machen hier auch sechs junge Flüchtlinge eine Ausbildung zum Fertigungsmechaniker.

Die kleinen und mittleren Unternehmen sind überproportional belastet. Man muss sich dann nicht wundern, wenn die Beschäftigungsintegration von Geflüchteten hinter den Erwartungen zurückbleibt, gerade die kleinen und mittleren Unternehmen können den Beitrag, den sie eigentlich leisten wollen, nicht bringen.

Michael Hüther, Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Flüchtling bei BMW in der Ausbildung
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Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 11:41 Uhr

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