Ein Kartoffelkäfer auf einem Blatt.
Bildrechte: Colourbox.de

exakt | 07.06.2017 Ami-Käfer

Ein Kartoffelkäfer auf einem Blatt.
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Ein Kartoffelacker in Thüringen. Eines der heißesten Schlachtfelder im Kalten Krieg. Anfang der 50er-Jahre flammt der Kalte Krieg auf. Der Feind aus dem Westen mobilisiert angeblich eine Käferarmee.

"Die Bäuerin Tröger beobachtete die anfliegenden Flugzeuge. Kurze Zeit darauf wurden Kartoffelkäfer in großen Mengen gefunden. Die Früchte der guten Arbeit unserer Bauern sollten zunichte gemacht werden. Auch die Felder des Thüringer Dorfes Wahlhausen an der Werra wurden zum Schauplatz des Verbrechens der USA-Gangster-Strategen des Kalten Krieges.", so tönte es damals aus dem DDR-Fernsehen. Auch im beschaulichen Schönfels bei Zwickau wurden die Käfer gesichtet, erinnert sich die 94-jährige Erika Kötzsch.

Bei uns in Schönfels war das eine größere Debatte. Da gab‘s die Frau Scheibner, die Scheibners Anna. Und die hat überall erzählt: Ich habe gesehen, wie das abgeworfen geworden ist. Es kamen dann auch Journalisten von der Freien Presse, die sie fotografiert haben und die dann auch einen entsprechenden Artikel in der Zeitung hatten.

Erika Kötzsch

Krieg mit Kartoffelkäfer. Unsinn, werden manche sagen. Viren oder Bakterien – das sind Biowaffen. Aber doch keine Käfer. Richtig eingesetzt, können sie aber die Nahrungsmittelversorgung eines Gegners in kurzer Zeit lahm legen, weiß Jürgen Knauss, Direktor des Deutschen Landwirtschaftsmuseums in Blankenhain.

Der Kartoffelkäfer befällt nicht nur die Kartoffel, sondern eben alle anderen Nachtschattengewächse wie Tomate oder Tabak genauso. Und deswegen war es natürlich ein Ziel, im Zuge dieser Überlegungen den Kartoffelkäfer als Kampfmittel einzusetzen. Und natürlich ist dieser Kahlfraß von so einem ganzen Kartoffelfeld oder von vielen Kartoffelfeldern, der führt ja zu dem, dass die Pflanze eingeht und dementsprechend auch keine Ernte mehr stattfinden kann. Also folglich dessen Hungersnöte drohen.

Jürgen Knauss, Direktor Deutsches Landwirtschaftsmuseum Blankenhain

Neu ist die Idee mit den Kartoffelkäfern übrigens nicht. Schon Hitlers Wehrmacht hatte mit den kleinen Vielfraßen experimentiert.

Die, die wirklich mal versucht haben, den Kartoffelkäfer als Waffe einzusetzen und das getestet haben, das war die deutsche Wehrmacht. Und die hat 1943 14.000 Kartoffelkäfer über der Pfalz abwerfen lassen aus hoher Höhe, um zu testen, ob die den Abwurf überstehen, ob die dann noch als Schädlinge quasi auf der Kartoffelpflanze einzusetzen sind. Der Test ist nicht fehlgeschlagen, sondern hat sogar funktioniert. Die Kartoffelkäfer haben überlebt. Und vorgesehen war, dass sie 1944 gegen England, gegen die englische Kartoffelernte eingesetzt werden sollten.

Jürgen Knauss, Direktor Deutsches Landwirtschaftsmuseum Blankenhain

Dazu kam es nicht mehr. Den Amerikanern hingegen wurde der Kartoffelkäferangriff zugetraut. Denn die Kartoffel war in der Nachkriegszeit das Hauptlebensmittel. Es herrschte Hunger, und der neue Schädling war eine akute Bedrohung. Da Schädlingsgifte Mangel waren, wurde stattdessen Hand angelegt. Paul Schröder stand damals im Kartoffelkäferkrieg an vorderster Front.

Wir hatten das mitgekriegt in der Schulzeit. Wir hatten ja nun Kartoffelferien, hatten diese Ferien. Unter anderem auch die Beseitigung der Kartoffelkäfer. Das war gar nicht so einfach zu machen, die Kinder haben ein Beutel um die Dings bekommen, um die Hüfte geschnallt. Und dann sind wir durch die Reihen gegangen und haben uns gefreut, wenn wir Kartoffelkäfer gefunden haben. Angeblich war das ja der Aussätzige von den Kapitalisten. Die haben gesagt, Kartoffelkäfer, dann geht die DDR bankrott.

Paul Schröder

Die Kartoffelkäferplage Ende der 40er-, Anfang der 50er-Jahre fiel zusammen mit Überflügen der Amerikaner nach Westberlin. Und diese wurden als Urheber ausgemacht. Tatsächlich leidet zu der Zeit nicht nur die DDR sehr unter der Käferplage. Tatsächlich litt der gesamte süddeutsche Raum unter einer Kartoffelkäferplage. In den 1960er-Jahren rückte man in der DDR schließlich von der Kartoffelkäfer-Verschwörung ab.

Amerikanischer Kartoffelkäfer
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Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2017, 17:02 Uhr

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