exakt | 14.06.2017 Integration für Ostdeutsche?

"Integrieren Sie erst mal uns!" - Diesen Satz hört Petra Köpping (SPD) immer wieder. Von Bürgern, die sich abgehängt fühlen und ihren Unmut auch als Kritik an der Flüchtlingspolitik äußern. Die sächsische Integrationsministerin nimmt den Satz jetzt wörtlich. Sie reist durchs Land, um die Unzufriedenheit zu verstehen. exakt hat die Ministerin begleitet.

Alles fing damit an, dass Petra Köpping, die sächsische Integrationsministerin, Pegida verstehen wollte und mit Demonstranten redete. Dabei ging es meist weniger um Angst vor Fremden, sondern um persönliche Enttäuschungen, die zu Politikverdrossenheit und auch Intoleranz führten.

Petra Köpping hat das Thema Nachwende-Ungerechtigkeit auf ihre Agenda gesetzt. Seitdem bekommt sie täglich Briefe von Bürgern, die natürlich mehr von ihr wollen, als nur ein offenes Ohr. So trifft sie sich auch mit DDR-Eisenbahnern, die um Versorgungsleistungen aus ihrer Zeit bei der Deutschen Reichsbahn kämpfen.

Im Eisenbahnerneuerungsgesetz steht, den Eisenbahnern Deutschlands sind die Versorgungsansprüche zu gewähren. Die westdeutschen Kollegen brauchten nicht kämpfen. Dort wurde das durchgewunken. Wir kämpfen seit 25 Jahren und kämpfen gegen Windmühlenflügel.

Jürgen Wilhayn, ehemals Deutsche Reichsbahn

Das Ringen um die Anerkennung ihrer Arbeitsleistung zu DDR-Zeiten hat viele mürbe gemacht und frustriert. Doch das Vertrauen in die Volksvertreter und in die Demokratie schwindet nicht nur in Sachsen. Laut einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung vertrauen nur 18 Prozent der Bürger den Parteien. Somit hat auch die SPD-Frau Petra Köpping ein ganz reales Problem.

Ich bin nach diesen Runden schon immer irgendwie bedrückt, weil ich merke, wie tief das bei den Leuten sitzt, und was das mit den Menschen einfach macht.

Petra Köpping

Die Sachsen-SPD will nun eine Art Gerechtigkeitsfond für nach der Wende benachteiligte Berufsgruppen ins Spiel bringen.

Dass wir dort einfach versuchen über eine Art Einmalzahlung - so sind die Vorstellungen, die man da hat, demjenigen zu sagen, du wir haben das Problem erkannt. Wir können das nicht mehr heilen. Das liegt schon mehr als 20 Jahre zurück. 20 Jahre kämpfen die. Aber wir sehen, dass du das Problem hast und wir wollen das anerkennen. Es ist keine volle Rentenausfallzahlung. Die kann ich nicht mehr bringen.

Petra Köpping

Doch dieser Gerechtigkeitsfond ist auf Bundesebene noch nicht durchgesetzt.

Petra Köpping macht sich mit ihrer Ostseelen-Mission nicht nur Freunde. Sie wecke falsche Hoffnungen, heißt es von ihren Kritikern. Eine wirkliche Ost-Westangleichung ist tatsächlich nicht in Sicht. Der Niedriglohnsektor im Osten ist mit rund 35 Prozent deutlich größer als im Westen. Bei den Vermögen ist das Verhältnis genau umgedreht. Ob ein Gesprächsmarathon mit enttäuschten Ostdeutschen die Stimmung drehen kann ist ungewiss. Die Bürger waren zumindest dankbar fürs Zuhören.

Zuletzt aktualisiert: 19. Juni 2017, 11:40 Uhr

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