FAKT | 13.06.2017 Ukraine: Kritik an Massentierhaltung von Agrarkonzern MHP

Der ukrainische Agrarkonzern MHP steht wegen seiner umweltschädlichen Produktion von Geflügelfleisch in der Kritik. Einwohner des Dorfes Olyanitsa in der Zentralukraine beklagen gegenüber dem ARD-Magazin FAKT die Verschmutzung von Trinkwasser und Umwelt durch die Geflügelmast-Anlagen von MHP in der Region. So sagte die Anwohnerin Ljudmilla Vdovichenko, Messungen hätten eine erhöhte Nitratbelastung des Wassers in ihrem Brunnen ergeben. Der gemessene Wert liege um das Vierfache über dem erlaubten Grenzwert. Wird derart belastetes Wasser regelmäßig getrunken, besteht die Gefahr von Erkrankungen der Schilddrüse oder durch Krebs.

Der Agrarkonzern, der dem ukrainischen Oligarchen Jurij Kosjuk gehört, betreibt in dem ukrainischen Dorf große Mastanlagen für Geflügel. Über 110 Millionen Tiere werden hier jährlich geschlachtet. Anwohner beklagen neben einer Verunreinigung des Trinkwassers auch Gefährdungen durch Müllhalden, auf denen das Unternehmen Abfälle des Mastbetriebes entsorgt - darunter Antibiotika, verschiedene Chemikalien sowie Wachstumsstimulatoren.

Luftaufnahme von barackenartig angeordneten Gebäuden.
Die riesigen Geflügelmastanlagen von MHP bei Olyanitsa Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Diese Zustände sind auch von den zuständigen Behörden in der Ukraine kritisiert worden. In einer Mitteilung im Januar dieses Jahres verwies das Nationale Ökonomische Zentrum auf Untersuchungen vom August 2015. Dabei seien gravierende Mängel festgestellt worden. Unter anderem monierte die Behörde, dass die Regeln zur Anwendung von Pestiziden und Agrochemikalien nicht eingehalten würden.

Wir sorgen uns um die Gesundheit und das Leben.

Ljudmilla Vdovichenko

Kritik kommt auch aus dem Europaparlament. Die entzündet sich an der Tatsache, dass der Agrarkonzern im Jahr 2014 von der Europäischen Investitionsbank einen Kredit über 85 Millionen Euro erhalten hat. Der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold sagte FAKT, dass die Bank mit diesem Kredit an MHP gegen ihre eigenen Umwelt- und Sozialstandards verstoße, nach denen sie nur Projekte fördert, die „strengen technischen, ökologischen und sozialen Anforderungen genügen“ müssen. Die Europäische Investitionsbank stelle hier öffentliche Gelder für tierquälerische Massentierhaltung zur Verfügung, sagte Giegold. Zudem sei das Geld an ein Unternehmen ausgereicht worden, das dieses Geld eigentlich nicht brauche – so der Politiker. Vermutlich sei es für MHP aber billiger gewesen, sich das Geld von der Europäischen Investitionsbank zu leihen als von einer Privatbank.

Die Europäische Investitionsbank verweigerte ein Interview vor der Kamera. Sie verwies schritflich darauf, dass zum damaligen Zeitpunkt, als der Kredit gewährt wurde, der Bankensektor nicht in der Lage gewesen sei, „langfristige Darlehen an Unternehmen zu liefern“.

Auch die ukrainische Umweltschutzorganisation Bankwatch kritisiert den Kredit aus der EU an den Agrarkonzern. MHP sei der größte Produzent von Geflügelfleisch in der Ukraine, sagte Vladlena Martsynkevyvch von Bankwatch dem Magazin FAKT. Die Einnahmen seines Besitzers Jurij Kosjuk seien allein im letzten Jahr um 200 Millionen US-Dollar gestiegen. Vor diesem Hintergrund sei es unverständlich, dass dieser mächtige Konzern zum Teil von europäischen Banken finanziert werde.

Diese Banken erhalten ihr Geld doch von europäischen Steuerzahlern.

Vladlena Martsynkevyvch

Zuletzt aktualisiert: 15. Juni 2017, 14:20 Uhr

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1 Kommentar

13.06.2017 22:15 Udo Jeske 1

Sehr geehrte Damen und Herren,
glauben Sie wirklich, dass der Kommentar aus dem Off durch konspiratives Fluestern interessanter wird?
MfG
U.Jeske