Pferde in Gattern
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

FAKT exklusiv | 28.03.2017 Hormone aus "Blutfarmen" für Medizinprodukte in Deutschland

Pferde in Gattern
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Das Bundesministerium für Landwirtschaft dringt darauf, dass der Tierschutz von trächtigen Stuten in Südamerika verbessert wird. Man wisse seit 2015 von den Produktionsbedingungen in sogenannten "Blutfarmen", räumte das Ministerium gegenüber dem ARD-Magazin FAKT ein. Hintergrund sind Aufnahmen der Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation aus Argentinien und Uruguay. Die Bilder zeigen, wie Wildpferde mit Holzlatten geprügelt werden, um sie in Stände zu treiben. Dort werden ihnen dann bis zu 10 Liter Blut pro Woche abgenommen.

Pferdeblut zur Hormongewinnung

Das Blut der trächtigen Stuten wird benötigt, um das Hormon PMSG (Pregnant Mare's Serum Gonadotropin) herzustellen. Dieses extrem teure Medikament wird in Europa zur Harmonisierung in der Tierzucht eingesetzt. Unter anderem dient es dazu, dass Schweine zur gleichen Zeit brünftig werden und gleichzeitig ihre Ferkel bekommen. Mitarbeiter der Tierschutzorganisation Animal Welfare Foundation haben in den letzten zwei Jahren im Umfeld der südamerikanischen Farmen die Missstände bei der Produktion von PMSG recherchiert. "Wir haben es ausgezählt: Ungefähr 30 Prozent der Pferde überleben diesen Prozess nicht.", kritisiert der Vorstand von Animal Welfare Foundation, York Ditfurth.

Konsequenzen gefordert

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) fordert gegenüber FAKT Konsequenzen: "Wenn sich das bestätigt, was die Filmaufnahmen da zeigen und in Südamerika nicht nachgewiesen wird, dass unsere Tierschutzbedingungen eingehalten werden, dann muss man da einen Importstopp verhängen. Dafür muss sich die Bundesregierung auf europäischer Ebene einsetzen."

Einen Importstopp lehnt jedoch das Bundesministerium für Landwirtschaft ab, so lange in Deutschland "die Anwendung der Präparate entsprechend den arzneimittel- sowie tierschutzrechtlichten Vorschriften erfolgt."

Zuletzt aktualisiert: 07. Juli 2017, 11:54 Uhr

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55 Kommentare

08.07.2017 12:50 Wittwer Christiane 55

Es ist unfassbar,dass diese Quälerei wegen eines Hormones bei uns zurZüchtung von Schweinen benutzt wird und man dann anschliessend dieFerkel tötet!! Dieser Beitrag sollte 19und20Uhr in den Nachrichten gesendet werden!Damit die Menschen wach werden! Danke

05.07.2017 19:21 Rebecca Nusseck 54

Unfassbar!
Es spottet jeder Beschreibung wie hier wiedermal verfahren wird.
Seit zwei Jahren ist es bekannt... Und was ist bis jetzt passiert? Nichts.
Beschämend,wie hier mit dem Leben dieser Mitgeschöpfe umgegangen wird ...

05.07.2017 15:22 lucie 53

Plutarch (45-125), griech. Philosoph und Schriftsteller :
„Niemals sollen die Menschen so weit sich vergessen und die lebende Kreatur behandeln wie alte Schuhe und abgenützte tote Geräte, die sie fortwerfen mögen, wenn sie nicht mehr zu gebrauchen sind. Wir sollen es nicht tun, und uns niemals bei alten lebendigen Wesen nach dem Nutzen fragen, den sie nur schwach oder gar nicht mehr haben. Wir sollen sie behalten, und sei es auch nur, um daraus Barmherzigkeit gegen Menschen zu lernen. Ich würde kein altes Pferd und keinen alten Ochsen, der sich einmal für mich geplagt hat, verkaufen können…“

Gilt für Politiker (!), aber auch für den Bürger..Wann endlich gene wir für die gequälten Tier auf die Straße--wir alle, auch die wir gedankenlos,bequem Fleisch konsumieren?

05.07.2017 10:19 Heike Lattemann 52

Spätestens wenn solche Zustände aufgedeckt werden, müssten ein Aufschrei und ein Erwachen bei den Pferdefreunden stattfinden, aber ich befürchte, dass sie weiter Speziesisten sind, IHRE eigenen Pferde hegen, pflegen und weiter tierische Produkte konsumieren. Die meisten Menschen interessiert nur ihr eigenes 'Wohl' , sie wollen das Elend nicht sehen, nicht hören und nicht darüber reden. Eine Veränderung soll her, aber bitte von der Regierung und bloß nicht selber aktiv werden.

05.07.2017 09:01 Ulli B. 51

Einfach unfassbar was Menschen mit Tieren machen!!! Und die meisten interessiert es nicht einmal was für ein Leid sich hinter Ihrem Billig-Steak IHRER WAHL auf dem teuren Marken-Grill verbirgt. Jeder einzelne entscheidet mit seinem Einkaufsverhalten was mit unseren Mitgeschöpfen passiert.

04.07.2017 22:43 Inge P. 50


Landwirtschaftsminister Schmidt hätte es sicher in der Hand, das Elend der Stuten und der Schweine zu beenden. Aber dazu hat er zu wenig Rückgrat und Mut.

04.07.2017 22:35 Birgit 49

Schade, dass in dem heute gezeigten Beitrag über PMSG Pferdefarmen mit keinem Wort die IDT in Dessau erwähnt worde, welche den Impfstoff importiert und damit für die unsägliche Tierquälerei mit verantwortlich zu machen ist. Es ist mir absolut unvorstellbar das unser Landwirtschaftsminister Hr. Schmidt zu diesem Thema keine Stellung bezieht. Dazu kommt noch erschwerdend, da in Deutschland in der Ferkelzucht die "überflüssigen" Ferkel grausam erschlagen werden. Ist ihm das auch entgangen? Ich kann nur an jeden Verbraucher appellieren, schaut genau hin wo und was für ein Fleisch ihr kauft. Jeder der den Billigmist beim Discounter kauft, macht sich mitschuldig und darf sich nicht über solche Grausamkeiten aufregen. Ganz großes Lob an FAKT, dass ihr am Thema bleibt und nicht locker lasst! Warum gibt es kein Importstopp für das Hormon, wenigstens in Deutschland? Bitte schreibt an die IDT in Dessau, mir haben sie natürlich auch nicht geantwortet, aber der Massenprotest hilft!!!

04.07.2017 22:21 Sara 48

Das ist wirklich nicht mehr zu ertragen, wie erbarmungslos der Mensch alles andere leben verachtet und ausbeutet. Alles nur aus Habgier, um sein Würstchen nochmal 10cent billiger zu bekommen. Und die die etwas ändern könnten (ja die Politiker) schauen einfach weg und unterstützen dieses kranke System. Ich schäme mich eurer Spezies anzugehören!

04.07.2017 22:17 Hannelore Elise 47

Hier muss von allen Seiten alles getan werden, damit dieses sofort unterbunden wird. Auch machen wir uns mitschuldig, wenn wir nur nach dem niedrigen Preis des Fleisches sehen, denn die Tiere bezahlen es mit dem hohen Preis der Geschundenen. Ich z.b. esse so gut wie kein Fleisch mehr und wenn, dann nur wenig aus Bio-Haltung. Dafür zahle ich dann gern den entsprechenden Preis und es kommt den Tieren durch gute Haltung und Futter zugute.

04.07.2017 22:15 Optimist 46

Genau diejenigen Verbraucher schütteln über soviel Tierquälerei den Kopf, die am nächsten Tag alles wieder vergessen haben und dann an der Fleischtheke alles so billig wie möglich haben wollen. Mißstände wie die gezeigten, lassen sich nur durch Preissteigerungen abschaffen. Niemand muss täglich Fleisch essen.