Rumänen in Magdeburg
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

exakt | 27.09.2017 Rumänen in Magdeburg

Rumänen in Magdeburg
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Die Grundschule "Am Umfassungsweg“ in Magdeburg, mitten im Viertel Neue Neustadt. Hier arbeitet Michaela Kölling seit knapp acht Jahren an der Schule als Lehrerin. Bei 26 Kindern mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen kommt sie fast an ihre Grenzen. Denn viele Kinder hier sind erst kurze Zeit in Deutschland und sprechen kaum ein Wort Deutsch. Trotz aller Schwierigkeiten liebt Michaela Kölling die Arbeit mit den Erstklässlern.

 Missverständnisse und Konflikte im Viertel

Der Stadtteil Neue Neustadt hat einen Ausländeranteil von 15 Prozent. Günstige Mieten ziehen seit einiger Zeit viele Rumänen, Bulgaren, Syrer und Kosovaren an. Viele sind auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Der Zuzug der neuen Einwohner sorgt für Missverständnisse und Konflikte im Viertel. Die Alteingesessenen beschweren sich, dass „den Neuen“ die deutschen Umgangsformen noch nicht bekannt seien.

Frau Wenzien lebt seit 40 Jahren hier. Die 76-jährige war eine der ersten Mieterinnen in ihrem Haus. Sie beschwert sich über die zunehmende Unordnung im Haus, auch die Kommunikation mit den Nachbarn fällt schwer, schließlich wohnen hier nur noch fünf deutsche Mietparteien.

Illegale Müllentsorgung und Sperrmüll

Die illegale Müllentsorgung ist ein weiteres Problem im Viertel. Seit einiger Zeit muss die Müllabfuhr mehrmals die Woche ausrücken, um Sperrmüll zu beseitigen. Die Nachbarn vermuten, dass die neuen Bewohner Sperrmüll sammeln und verwertbare Gegenstände dann verkaufen. Der Rest landet dann auf der Straße. Offen reden wollen die Rumänen darüber nicht. 

Lärm und mangelnde Sprachkenntnisse

Auch sorgt regelmäßig für Unmut. Der Kosovare Ragip Kurti lebt seit 20 Jahren in Magdeburg. Man kann kaum hier schlafen, so laut sei seine Nachbarschaft, sagt Kurti. Auch Das Zusammenleben in dem Stadtviertel ist schwierig geworden. Grund dafür sind auch die fehlenden Sprachkenntnisse, denn viele verschiedene Sprachen treffen hier aufeinander.

Viele Beschwerden über das Viertel landen bei ihm: CDU-Stadtrat Wigbert Schwenke. Für ihn ist die Ursache klar. Schuld seien die niedrigen Mieten in den unsanierten Plattenbauten. Eigentlich hatte man gehofft, dass durch den Verkauf der Blöcke an Privatpersonen der Stadtteil aufgewertet wird. Aber die Sanierung der Wohnblöcke ist bisher ausgeblieben. Laut Behörden stieg in den vergangenen Jahren die Zahl der gemeldeten rumänischen Bürger in Magdeburg von knapp 700 auf über 1.200.

Wigbert Schwenke trifft seinem Fraktionskollegen Hubert Salzborn. Sie vermuten hinter dem Zuzug von manchen rumänischen Bürgern einen weiteren Grund: „Die Leute haben ja hier eine Möglichkeit gesehen, hier nach Deutschland zu kommen, um hier Sozialhilfe zu bekommen bzw. ein Gewerbe anzumelden und daraus geringe Einnahmen zu erzielen und den Rest aufzustocken“, erklärt Stadtrat Hubert Salzborn.

Sozialleistungen und Kindergeld sind attraktiv für rumänische Familien

Tatsächlich kann ein selbstständig beschäftigter EU-Bürger aufstockende-Leistungen beantragen, hat Anspruch auf Zuschüsse für Wohnung und bekommt Kindergeld. Einen von vielen vermuteten Sozialbetrug im großen Stil kann man bei der Arbeitsagentur nicht erkennen.

Frau Dincia mit ihrer Tochter Christina und deren Kinder wohnen auch in der Neuen Neustadt. Sie geben sich Mühe, ein positives Bild von sich und ihren Landsleuten zu zeichnen. Seit zwei Jahren wohnt die Familie schon in Magdeburg. Die Frauen sprechen kein Deutsch und gehen nicht arbeiten. Sie erzählen, dass der Mann der Tochter bei einer Baufirma in Berlin arbeite. Zum Leben reiche das Geld aber nicht, deshalb bekommen sie Unterstützung vom Jobcenter und Kindergeld.

Die Stadt hat nun die Initiative ergriffen und will nun Schilder in verschiedenen Sprachen aufstellen. Auch die Polizei und das Ordnungsamt sollen nun öfter patrouillieren.

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 16:43 Uhr

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1 Kommentar

28.09.2017 17:03 Vaders 1

Wo sind denn nun die Tausende Integrationshelfer,
die den Zugezogenen beibringen, wie sie sich hier zu benehmen haben? Alles heiße Luft. Na, vielleicht kommt jetzt nach den Wahlen ein anderer Wind in unser Land, damit die Regierung mal in die andere Richtung getrieben wird und wir wirklich hier gut und gerne wieder leben können.