exakt | 04.10.2017 Schwänzen, schwarzfahren, klauen

Die 16-jährige Manja B. arbeitet in einem Tiergehege in Markkleeberg bei Leipzig. Das macht sie jedoch nicht freiwillig. Ein Gericht hat sie schon mehrfach dazu verurteilt, Arbeitsstunden abzuleisten. Der Grund diesmal: Manja hat oft die Schule geschwänzt und ist schwarzgefahren. In der Vergangenheit gab es auch schon Anzeigen wegen Körperverletzung. Manja hatte im Streit jemandem die Nase gebrochen.

Wie kam es dazu? Ihre eigene Mutter hat acht Kinder groß gezogen und war damit überfordert. Ihre Geschwister waren zeitweise in Heimen und Pflegefamilien untergebracht, Manjas leiblicher Vater hat die Familie früh verlassen. Ihr geliebter Großvater starb. Das hat den Mädchen sehr zugesetzt.

Da war alles den Bach runter. Da konnte ich fast nen Monat nicht mehr zur Schule gehen, weil ich dann die ganze Zeit nur geweint hab.

Manja B.

Manja ist nicht die erste aus der Familie, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. Ihr großer Bruder Jens sitzt derzeit im Gefängnis, wegen Einbruchs, Diebstahl und versuchtem Raub. Spätestens Ende 2018 soll der 23-Jährige aus der Haft entlassen werden. Seine Mutter hofft, dass er die Zeit bis dahin wenigstens nutzt, um eine Lehre zu beginnen.

Manja ist mit 15 Jahren Mutter geworden. Als ihr Sohn wenige Monate alt war, wollte sie sich nicht mehr um ihn kümmern, sagen ihre Eltern. Sie schlief lange, schwänzte die Schule, ihre Leistungen gingen immer in den Keller.

Den Eltern ist es bis jetzt nicht gelungen, Manja wieder in ein geregeltes Leben zu bringen. Sie haben die Pflegschaft für ihren Enkel übernommen. Vormund ist das Jugendamt. Eine Stunde am Tag darf Manja mit dem Kleinen spazieren gehen. Manchmal macht sie es nur widerwillig.

Holm Kresse betreut das Projekt, in dem Manja ihre Arbeitsstunden ableistet. In seiner Arbeit begegnet er oft vernachlässigten Jugendlichen. Die Ursache ihrer Probleme sieht er vor allem in den Familien.

Diesen Schulverweigerern oder den Jugendlichen, die irgendwo auf eine verkehrte Bahn kommen, müsste was anderes vorgelebt werden. Die brauchen was, wo sie aufschauen können, aber wirklich aufschauen können. Und ich glaube, das würde dann das ein oder andere auch mit verhindern.

Holm Kresse, Projektleiter, Verband 1813 e.V.

Er kennt auch Manjas Probleme, mit dem Leben zurechtzukommen. Doch er hat Hoffnung für die 16-Jährige. Noch bleibt ihr Zeit, einen Schulabschluss zu machen und eine Lehre zu beginnen - und damit einen Weg einzuschlagen, der für ihren Sohn ein Vorbild sein kann.

exakt hat auch schon über Manjas Bruder Jens und seine Taten in einer Jugendbande berichtet:

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2017, 15:32 Uhr

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