exakt | 05.07.2017 Leere Nester: Störche an der Werra brüten nur im Osten

Wolfram Brauneis aus Hessen lebt für den Weißstorch. Im Sommer zieht es den seltenen Vogel ins Werratal. Die frühere innerdeutsche Grenze ist Storchenland. Wolfram Brauneis‘ Kummer ist: Die Tiere brüten ausschließlich im Osten, auf der thüringischen Seite der Werra, und nicht auf seiner, der hessischen Seite.

In Herleshausen haben die Storchenfreunde für ihren Lieblingsvogel Nester gebaut. Das am Bahnhof ist schon das siebente. Dennoch gibt es im ganzen nordhessischen Werratal keinen einzigen bewohnten Horst. Auf der Ostseite dagegen kommt Klaus Schmidt kaum mit dem Zählen kaum nach. Der Storchenbeauftrage des Freistaats Thüringen muss im Juni alle geschlüpften Jungstörche beringen, bevor sie zum ersten Mal nach Afrika aufbrechen.

Wo ich angefangen habe, 1963, hatten wir nur zwei Brutpaare in der Werraaue. Wir haben viele Schutzmaßnahmen ergriffen und heute haben wir 30 Brutpaare im Werratal. Und das macht einen natürlich stolz.

Klaus Schmidt, Storchenbeauftragter des Landes Thüringen

In Hessen hat Wolfram Brauneis alles getan für die undankbaren Störche. Er hat eine geplante Stromtrasse verhindert, die die Vögel stört. Der 81-Jährige hat Land am Ufer gekauft, neue Inseln und Flachwasser geschaffen für Libellen und Frösche – der Störche Lieblingsfutter.

Wir können feststellen, dass die Oststörche die Westfrösche wohl sehr mögen. Nicht nur selber fressen, sondern damit auch noch ihre Jungen großziehen. Und dann fliegen sie wieder rüber nach Thüringen, um dort weiterhin zu wohnen.

Wolfram Brauneis, Ornithologe

Warum meiden die Störche die nordhessische Werraaue? Mancher vermutet die Antwort im Schloss Augustenau in Herleshausen. Bis zum Kriegsende brüteten hier immer Störche. Am 01. April 1945 besetzten die Amerikaner Herleshausen und zogen in das Schloss.

Und dann hat mir eine alte Frau erzählt, Ja, und dann haben die wohl, so meinte die alte Dame, aus Langeweile auf das Storchennest geschossen und haben wohl auch einige Vögel getötet. Seither brüten keine Störche mehr hier. Und die alte Frau hat noch gesagt: Siehste, die Störche merken sich das, deswegen sind sie nicht wieder zurückgekommen.

Helmut Schmidt, Heimatforscher in Herleshausen

Wo werden die Jungstörche im kommenden Jahr ihre Nester bauen – im Osten oder im Westen? Der Storchenbeauftragte Klaus Schmidt meint, weder noch.

Die Störche, die ich beringt habe, das sind über 500, haben sich meistens 100 bis 200 Kilometer weiter im Norden niedergelassen. Und dort einen Neststandort gesucht, also meistens in Brandenburg, Niedersachsen oder Schleswig- Holstein. Einige bleiben auch bei uns in Thüringen.

Klaus Schmidt, Storchenbeauftragter des Landes Thüringen

Wolfram Brauneis gibt indes die Hoffnung nicht auf, dass sich doch noch ein Oststorch zu ihm verirrt.

Zuletzt aktualisiert: 12. Juli 2017, 18:32 Uhr

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1 Kommentar

07.07.2017 17:47 Gunther 1

hessische Werraaue in Umgebung Herleshausen-Wommen liegt nördlich der Werra, südlich der Werra liegt der Thüringer Teil. Im langen Teilabschnitt der Werra zwischen Sallmanshausen - Gerstungen bis Widdershausen , wo sie fast in Süd-Nord-Richtung fließt, ist auf Ost und West Seite Thüringer Gebiet, und weiter südlich auf beiden Seiten hessisches Gebiet. Ich kann also auf der Krte keinen Flussabschnitt entdecken mit Ostaue = Thüringen und Westaue = Hessen.