Eine junge Frau
Die Erinnerungen von Vicktoria Haddad an Syrien sind von Angst geprägt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

exakt | 06.12.2017 "Es gibt keine sicheren Gebiete in Syrien"

Auf der Innenministerkonferenz soll abgestimmt werden, ob Teile Syriens wieder sicher sind und ob der Abschiebestopp nur noch bis Sommer 2018 verlängert wird. Viele Menschen aus Syrien sehen die Pläne mit großer Sorge.

Eine junge Frau
Die Erinnerungen von Vicktoria Haddad an Syrien sind von Angst geprägt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Ich glaube, es muss eine andere Lösung geben, um die Kriminellen zu bestrafen", sagt Ola Al-Jari. Die Syrerin bereitet eine Sendung für das Leipziger Radio Blau vor. Das Thema, über das gerade alle Landsleute diskutieren: Die Pläne von Sachsen und Bayern, straffällige Syrer abzuschieben und den Abschiebestopp nur bis Sommer 2018 zu verlängern.

Ola Al-Jari
Ola Al-Jari gehörte in Syrien zur Opposition und musste deshalb fliehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Das wäre der Anfang für unmenschliche Vereinbarungen zwischen Deutschland und dem Assad-Regime gegen die Flüchtlinge. Das ist genauso, als ob man mit dem IS eine Vereinbarung treffen würde", sagt die 31-jährige Syrerin, die in Damaskus Journalistik studiert hat. Sie gehörte zur Opposition und musste deshalb 2014 mit ihrem Mann fliehen.

In Deutschland bekam sie ein Kind und arbeitet nun als Redakteurin. Sie will unter keinen Umständen zurückkehren. "Ich vertraue dem syrischen Regime nicht - nach sieben Jahren Krieg und sieben Jahren täglichen Tod von Menschen und Folter."

Assad-Regime folterte viele Gegner

Die Syrer flohen vor dem Bürgerkrieg, dem so genannten Islamischen Staat und dem Assad-Regime. Das ließ die Zivilbevölkerung wahllos mit Fassbomben und Giftgas bombardieren, folterte und tötete viele Regime-Gegner. All das ist durch die UN und andere internationale Organisationen gut dokumentiert. Mit russischer Hilfe konnte Assad seine Herrschaft wieder stabilisieren und in manchen Regionen wird nicht mehr gekämpft.

Am Donnerstag soll auf der Innenministerkonferenz (IMK) in Leipzig darüber diskutiert werden, ob solche Gebiete künftig als sicher eingestuft werden könnten. Die beiden Unionsparteien wollen den generellen Abschiebestopp für syrische Staatsbürger in ihre Heimat vorerst bis auf den Sommer 2018 begrenzen. Einen entsprechenden Antrag haben Bayern und Sachsen gestellt. Sie wollen Kriminelle und Gefährder abschieben.

Doch sind scheinbar kriegsfreie Gebiete auch sicher? In Halle haben sich am Sonntag syrische Christen zum Fest der heiligen Barbara getroffen. Auch dort wird über die Pläne aus Sachsen debattiert, in angeblich sichere Regionen Syriens erste Abschiebungen vorzunehmen.

Darunter ist auch Vicktoria Haddad. Sie stammt aus Latakia. Dort sind die Russen stationiert und es herrscht tatsächlich kein Krieg mehr. Sicher sei es dort trotzdem nicht. "Es gibt keine sicheren Gebiete in Syrien, überall wird gemordet und entführt", sagt die 29-Jährige.

Ihre Erinnerungen an Syrien sind geprägt von Angst

Ihre Erinnerungen an Syrien sind geprägt von Angst. Inzwischen lebt sie mit ihrem Mann und Sohn in Leipzig.  "Es gab immer Entführungen und Morde. Ich kenne jemanden, der entführt wurde. Er wurde umgebracht und die Leiche zu seinen Eltern zurückgeschickt", sagt die junge Frau. Sie habe immer Angst gehabt, wenn ihr Mann das Haus verließ. "Ich hatte auch Angst, dass ich oder mein Kind entführt werden."

Mohammad Haji Darwish
Mohammad Haji Darwish verfolgt die Debatte über den Abschiebestopp mit Sorge. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Auch Mohammad Haji Darwish verfolgt die Debatte über den Abschiebestopp mit Sorge. Eine Rückkehr wäre für ihn lebensgefährlich. Der 58-Jährige ist syrischer Oppositionspolitiker, saß drei Jahre im Gefängnis und wurde von Assads Schergen gefoltert.

Er glaubt, in Syrien wird es keine Sicherheit für Leute wie ihn geben: "Das Regime glaubt, unantastbar zu sein und dass niemand es bestrafen kann. Der UN-Sicherheitsrat und der Internationale Strafgerichtshof haben bisher nichts gegen Assad unternommen. So kann er immer wieder  Massaker verüben und trotzdem bleibt er an der Macht."

Mohammad Haji Darwish bleibt nichts anderes übrig, als hier zu bleiben. Er setzt darauf, dass Deutschland nicht nach Syrien abschieben wird.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 06.12.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2017, 16:45 Uhr

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21 Kommentare

08.12.2017 19:40 GEZE 21

Also ich habe mir ebenfalls die Reisevideos von Marco Glowatzki bei youtube angeschaut.
Dort ist Frieden! Der Wiederaufbau hat begonnen.
Also schickt endlich die syrischen Menschen zum Aufbau wieder in ihre Heimat!

08.12.2017 14:30 Bingo 20

Wer kriminelle und Terroristen aus Syrien nicht dorthin abschiebt, verstößt gegen die Sicherheitsinteressen der eigenen Bevölkerung. Einfach beschäment solchen Menschen, hier Asyl zu gewähren.

08.12.2017 13:53 Alligator 19

„Es gibt keine sicheren Gebiete in Syrien“ Die Berichte von Marco Glowatzki strafen diese Behauptung Lügen. Wer sich einen Überblick über die Lage in Syrien verschaffen will, sollte diesen Namen googeln.

07.12.2017 16:01 Atze 18

Wieso wäre ein Abkommen Deutschlands mit der Assad - Regierung Deutschlands unwürdig? Wenn Assad eine legitime Regierung hat? Ich weiss es nicht. Hat er die?
Frau Al- Jari mit wem sollte Deutschland ihrer Meinung nach ein Abkommen zur Rückführung der Flüchtlinge schliessen?

07.12.2017 14:43 Barth Brandt 17

Syrien braucht diese Menschen zum Aufbau! Perfekte Sicherheit gibt gibt es nirgendwo, bei uns schon gar nicht.

07.12.2017 14:35 Atze 16

Diese Opposition, was hat sie in Syrien gemacht?
Haben diese Leute vorher nachgedacht, was sie wollen und was ist dann geschehen? Krieg und Verwüstung.
Auch diese Opposition muss sich der Vergangenheit
stellen, stehen zu Schuld, Unschuld usw.,denn es sind Tausende im Krieg umgekommen.Das geht nicht ohne Auseinandersetzung, aber hoffentlich friedlich! Haben die darüber schon mal nachgedacht und auch die Gegenseite? Das wird schwere politische Auseinandersetzung geben.Komfortzone hier?
Ist nur aufgeschoben, denn das holt alle ein.

07.12.2017 14:05 Werner 15

Momentan glaube ich nichts, außer, selbst gesehen/ erlebt. Bitte dringender Faktencheck. Wer lügt hier? EPOCHTIMES "von Gastautor Christian Lindgren 7. Dezember 2017 (mit großer Fotostrecke) - Nachdem ich 3 großartige Tage in Damaskus verbracht hatte, war es an der Zeit nach Aleppo zu reisen... Dennoch gibt es viel Zerstörung in Aleppo, vor allem die historische Altstadt mit dem Souq (Markt) und ihre Umgebung sind größtenteils zerstört. Jedoch hat der Wiederaufbau bereits begonnen...Sobald man das Zentrum erreicht, ist die Stadt voller Leben, genau wie Damaskus. Auch die Geschäfte, Restaurants, Supermärkte und Parks sind voller Menschen...
Es gibt weitaus weniger Zerstörung in Aleppo, als die Medien berichtet haben. Etwa 20 Prozent der Stadt sind zerstört oder beschädigt. Das Stadtzentrum ist weitgehend unversehrt.
Die Universität und Schulen sind geöffnet. Die Nahverkehrszüge fahren.. sieben öffentliche Verkehrswege rund um die Stadt." Es gibt auch Reiseberichte anderer Personen.

07.12.2017 13:52 Iris 14

Ich sehe das etwas anders, Kriminelle gehören abgeschoben. Sie wurden in unserem Land aufgenommen, versorgt und das von den Menschen, die sie angreifen. Dazu hat sie keiner gezwungen und so drückt man auch keine Dankbarkeit sondern Missachtung aus. Dieses Verhalten haben sie ganz alleine zu verantworten. Menschenrechte gelten auch für uns und unsere Lieben, schon deshalb kann das kein Mensch von uns verlangen. Außerdem können sich dann andere überlegen, ob sie Straftaten begehen wollen, sie haben es selbst in der Hand.

07.12.2017 13:31 jochen 13

Natürlich - Es gibt jede Menge sichere Gebiete in Syrien. Sie können alle zurück gebracht werden.
Das Problem ist, das Merkel und ihre Handlanger ihre syrischen Gäste in Deutschland nicht hergeben wollen. Uns fehlt die richtige Regierung, die Recht und Gesetz ohne Rücksicht umsetzt.

07.12.2017 12:44 Ichich 12

"Das ließ die Zivilbevölkerung wahllos mit Fassbomben und Giftgas bombardieren ..." Das dürfte falsch sein. Aber der mdr darf gerne über das UN-Gutachten von Postol/Lloyd (2013) berichten. Wenn die NYT das durfte, dürft Ihr das auch ... nur Mut ! ;-)