exakt | 01.11.2017 Wie syrische Raubkunst in Deutschland verkauft wird

Die Menschen, die sich in Idlib – ein Ort in Südsyrien – durchs Erdreich wühlen, haben nichts mehr zu verlieren. Sie hoffen, mit dem Verkauf von archäologischen Funden ihre Familien ernähren zu können.

"In unserer Region gibt es keine Arbeit mehr. Überall sind Checkpoints vom Regime oder den Rebellen. Wir können nichts machen und graben, um irgendwo etwas zu finden. Wir wollen unsere Kinder ernähren, mehr wollen wir nicht,

sagt einer der Arbeiter.

Die Männer wollen nicht erkannt werden. Denn Raubgrabungen sind in Syrien streng verboten. Alle würden in diesem Dorf graben, berichten sie. "Manche Leute haben Statuen und Gold gefunden". Das Gebiet ist eine archäologische Fundstätte. Das Gelände gleicht inzwischen einer Kraterlandschaft.

Der Weg nach Deutschland: Libanon, Griechenland, Österreich

Syrischen Journalisten, mit denen exakt zusammenarbeitet, gelingt es dort, einen Händler zu treffen. "Ich kaufe alles, was die Leute finden. Sie finden verschiedene Sachen aus verschiedenen Zeiten, etwa römische, byzantinische oder osmanische Stücke", sagt dieser. Für alles gebe es Kunden. Manche Sachen würden in den Libanon geschickt oder in die Türkei.

Raubkunst aus Syrien
Die exakt-Reporter treffen in Dresden einen syrischen Mann, der antike Fundstücke aus Syrien und dem Irak verkaufen will. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Über diesen Weg sollen auch die Funde nach Deutschland gekommen sein. Über Facebook werden die wertvollen Gegenstände angeboten. Exakt-Reporter treffen einen syrischen Mann in Dresden, der antike Fundstücke aus Syrien und dem Irak verkaufen will.

"Es ist nicht leicht", sagt der Händler. Die Objekte würden erst in die Türkei, dann nach Griechenland, Mazedonien, Österreich und dann nach Deutschland gebracht. Dabei habe er die Gegenstände bei seinen Kindern in der Kleidung versteckt.

Die Funde sollen aus IS-Gebiet stammen

Die Funde stammen angeblich aus Gebieten, die vom so genannten Islamischen Staat besetzt sind. Der IS handele im großen Stil mit archäologischem Raubgut, erzählt der Syrer. Das Landeskriminalamt Hessen bestätigt diese Behauptung. "Die Wahrscheinlichkeit dahingehend ist sehr hoch, weil in den jeweiligen Ländern in Regionen geplündert wird, wo zum Beispiel der IS aktiv ist", sagt Kriminalhauptkommissar Eckhard Laufer. Er ist einer der führenden Kriminologen in Sachen Kulturgüterraub. Allerdings sei es eher unwahrscheinlich, dass IS-Terroristen direkt in Deutschland verkaufen. Für diese sei es "viel einfacher dort plündern zu lassen oder selbst zu plündern, dort zu verkaufen und dann möglichst viel Geld wie möglich herauszuziehen".

Das geschieht nicht nur mit originalen Funden aus antiken Zeiten. Die angebotenen Sachen sind echt. Das hat sich MDR-exakt durch insgesamt drei voneinander unabhängige Wissenschaftler und Experten auf diesem Gebiet bestätigen lassen.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 01.11.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2017, 20:47 Uhr

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1 Kommentar

01.11.2017 20:56 GregorSamsa 1

Nach meinen Informationen haben US- Truppen nach beiden Golf-Kriegen in großem Maßstab Kunstgegenstände im Irak geraubt und in den USA und Europa auf den Markt gebracht. Und Beute wurde von Russen und Amerikanern auch in Deutschland nach dem 2.WK gemacht und anschliessend versilbert .