exakt | 13.09.2017 Mitteldeutschland vor der Wahl

Wimmelburg in Sachsen-Anhalt, im Mansfelder Land. Früher lebte die Region vom Kupferbergbau, die DDR-Führung sprach gerne vom "Roten Mansfeld". Statistisch ist Wimmelburg auch heute noch rot. 32 Prozent wählten hier bei der letzten Bundestagswahl die Linke - so viele wie in keiner anderen Gemeinde in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Wieso? Hört man sich um, kann sich das keiner so richtig erklären.

Viele Wimmelburger sind über 70, fast alle haben den Niedergang des Mansfeld Kombinats und anderer Großbetriebe nach der Wende miterlebt. Gertraud Sengewald merkt das heute an ihrer Rente. "Wenn wir nicht noch durch unsere Männer Witwenrente kriegen, dann sind wir gleichgestellt mit den Hartz-IV-Empfängern, obwohl wir 40 Arbeitsjahre haben", sagt die Rentnerin. Der Niedergang der gesamten Industrie hat fast alle Familien in der Region hart getroffen. Dennoch, mit der Infrastruktur in ihrem Ort sind alle zufrieden. Die Straßen sind neu, es gibt einen Supermarkt, Fleischer und Bäcker. Das Problem: Viele junge Wimmelburger bleiben trotzdem nicht hier. der Ort hat seit dem Jahr 2000 17 Prozent seiner Einwohner verloren. Von den Verbliebenen sind 58 ohne Arbeit.

250 Kilometer weiter östlich, im sächsischen Reinhardtsdorf-Schöna, fast das gleiche Bild. Die Gemeinde hat 19 Prozent ihrer Einwohner verloren. 30 der Verbliebenen haben keinen Job. Die Entwicklung ist ähnlich wie in Wimmelburg. Doch gewählt wird hier ganz anders - in der Sächsischen Schweiz traditionell rechts. Das merkt man auch in der Tourismus-Branche, von der die Region lebt. Davon berichtet Roland Helth, er ist seit 35 Jahren Chef im Panoramahotel Wolfsberg.

Wir haben schon Anfragen gehabt: Gibt's denn bei Ihnen Aufmärsche der NPD? Kann man bei Ihnen überhaupt sicher Urlaub verbringen? Das ist alles Unsinn, das gibt es überhaupt nicht.

Roland Helth, Inhaber Panoramahotel Wolfsberg

Parteien am rechten Rand bekommen seit Jahren mehr als 20 Prozent der Stimmen, so auch bei der letzten Bundestagswahl. FDP-Wähler Roland Helth muss sich in seinem Hotel um ganz andere Dinge sorgen. Er findet keine deutschen Arbeitskräfte mehr, die in der Gastronomie arbeiten wollen.

Auch in diesem Wahlkampf plakatiert die NPD in Reinhardtsdorf-Schöna sehr auffällig. Fast niemand, den wir im Ort fragen, will in dem auffällig hohen Ergebnis für die rechten Parteien ein Problem sehen. Die Popularität der NPD schreiben hier viele einem Handwerker zu, der schon seit 2004 für die Partei im Gemeinderat sitzt. Ist die Nationaldemokratische Partei hier in der Mitte der Gesellschaft angekommen? Was die Menschen vor Ort erzählen, hat wenig mit den Themen von rechtsradikalen Parteien zu tun. Es geht ihnen weniger um Überfremdung, als um Probleme mit der Infrastruktur.

Zuletzt aktualisiert: 20. September 2017, 19:05 Uhr

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