exakt | 02.08.2017 Gibt es eine Alternative zum Diesel?

Die schlechten Nachrichten für Diesel-Fahrer reißen nicht ab. Gerade gewerblichen Nutzern bleibt die Luft vor Empörung weg, wenn sie an den Abgasskandal denken. Ein Malermeister aus Magdeburg fühlt sich von den Autobauern und der Politik gelinkt. Ein Taxiunternehmen aus Leipzig hat nach Alternativen gesucht - und keine gefunden.

Wäre der Steuersatz bei Diesel und Benzin gleich, würde der Bund 9,5 Milliarden Euro mehr pro Jahr einnehmen. Viel Geld, mit dem Kunden über Jahre hinweg animiert wurden, Diesel zu kaufen. Doch nun sollen Diesel-Motoren plötzlich nicht mehr akzeptabel sein, da zu viele Schadstoffe werden ausgestoßen.

"Da fühlt man sich schon ein bisschen verschaukelt", sagt Malermeister Uwe Runge. Der Magdeburger nutzt in seinem Unternehmen ausschließlich Dieselfahrzeuge. Keines ist älter als fünf Jahre. Auch Mercedes und VW sind darunter. Als Käufer fühlt er sich betrogen. Runge sieht auch keine Alternative zum Diesel – denn der Kraftstoff ist wesentlich günstiger als Benzin, da dieser geringer besteuert wird. Für den Malermeister war es also die wirtschaftlichste Möglichkeit, sich fortzubewegen.

Das Problem ist Streben nach höchstmöglichem Gewinn

Schuld an der Dieselkrise ist auch das Streben der Autoindustrie nach dem höchstmöglichen Gewinn – meint der Verkehrsexperte Axel Friedrich. Der ehemalige Abteilungsleiter im Umweltbundesamt hat schon lange vor dem Auffliegen der Dieselbetrugsaffäre gewarnt, dass es ein Desaster geben würde. "Die Industrie hat pro Diesel 400 Euro mehr Gewinn gemacht und das war das Hauptargument, warum man den Diesel forciert hat", sagt der Experte. Es sei schon mindesten zehn Jahre bekannt, dass Vorschriften umgangen werden.

Erdgas- oder Elektroauto sind keine Alternative

Taxi
Das Taxiunternehmen Feustel hat es mit Alternativen zum Diesel probiert. Bildrechte: Colourbox.de

Doch gibt es echte Alternativen zum Diesel – die sich auch wirtschaftlich rechnen? Das Leipziger Taxiunternehmen Feustel investierte deshalb in Erdgasautos.  Das war vor etwa sieben Jahre. Damals hieß es: Erdgasautos sind umweltfreundlich und billig. "Damals hat für das Kilo Erdgas nur um die 80 bis 85 Cent bezahlt. Mittlerweile sind wir da auch bei über einem Euro", sagt Daniel Rother vom Taxiunternehmen Feustel. Die Umweltbilanz von Erdgasautos ist vorbildlich, trotzdem haben sie es schwer auf dem deutschen Markt: höhere Anschaffungskosten und der Preisvorteil von Erdgas als Kraftstoff wurde kleiner. Tatsächlich schrumpft seit zwei Jahren die Zahl der Erdgasfahrzeuge in Deutschland immer weiter: inzwischen auf nur noch knapp 94.000. Auch weil das Erdgastankstellennetz, anders als lange von der Politik propagiert, nicht ausgebaut wurde. Stattdessen wurden es seit 2015 immer weniger Erdgastankstellen.

Diesel-Fahrverbot käme einem Arbeitsverbot gleich

Ein Elektroauto an einer Ladesäule.
Eletroautos sind für das Taxiunternehmen keine Alternative. Bildrechte: dpa

Die Firma Feustel hat daraus ihre Konsequenzen gezogen. "Wir hatten mal sieben Erdgasautos – jetzt haben wir nur noch drei", sagt Rother. Die anderen 14 Taxen sind Diesel. Eine weitere Alternative wäre das Elektroauto. Doch dieser Versuch gestaltete sich noch desaströser. "Ich habe mich für den VW Golf interessiert, aber nach einem längeren Gespräch bei Volkswagen kam heraus, dass er nicht als Taxe angeboten wird", erklärt Rother.

Denn seit Ende 2016 dürfen nur ganz speziell vom Hersteller produzierte Elektrotaxen zugelassen werden, die schon das Taxameter eingebaut haben. Doch diese Elektrotaxen mit praktikablen Reichweiten bietet kaum ein Hersteller an. "Für unsere Zwecke gibt es nichts Adäquates. Und man kommt im Endeffekt wieder beim Diesel raus", sagt der Mann vom Taxiunternehmen Feustel.

Aus diesem Grund gibt es große Sorgen, für den Fall eines Diesel-Fahrverbots. So werden sowohl in Leipzig als auch in Magdeburg regelmäßig die Abgas-Grenzwerte überschritten. Ein drohendes Fahrverbot wie in Stuttgart käme einem Arbeitsverbot gleich, sagt Malermeister Runge.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 02.08.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. August 2017, 18:35 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

7 Kommentare

09.08.2017 19:06 Tobias Krög 7

Habt Ihr euch mal überlegt was mit den ganzen Berufspendlern ist die täglich auf das Auto angewiesen sind. Jetzt schreit natürlich die liebe Zug Fraktion Bahnfahren oder Umziehen. Nur was wenn 1. der Wohnraum nicht zu einem vernüftigen Preis vorhanden ist 2. Es ja auch überall einen Zug gibt. 3. Der Dienstleistungssektor der auf Ausangewiesen ist einfach teuerer wird oder nicht mehr fährt weils sich nicht mehr lohnt. Grade im Komunalbereich ist dies sehr Schwer (Müll, Feuerwehr etc.) die Bahn Freunde oder öko Freunde schreien doch dann auch nicht jawohl ich zahle mehr Gebühren weils keinen Diesel mehr gibt, hier heists dann nur nicht mehr Steuern und Gebühren aber wie soll es sonst gegenfinaziert werden es weächst nicht auf Bäumen nur mal so salopp gesagt. Also die Herren Kohfeld und Ja überlegen bevor man so eine Meinung von sich gibt.

04.08.2017 19:03 Ekkehard Kohfeld 6

@ Ja!!! 2 Ja! Es gibt eine Alternative zum Diesel - die Schiene. Güter müssen nicht auf der Straße transportiert und die Straße muss nicht zur "Lagerhalle" umfunktioniert werden.##Ja genau und Jogurt aus Bayern braucht man auch nicht nach Niedersachsen karren man kann auch den vor Ort essen.

04.08.2017 14:57 Lydia 5

Momentan gibt es keine echte Alternative zum Verbrennungsmotor. Lest doch mal die Artikel über die Beschaffung des Stromes für die geforderten Elektroautos. Glühbirnen wurden abgeschafft und Haushaltsgeräte gibt es nur noch mit reduziertem Stromverbrauch. Aber Elektroautos soll man kaufen. Zum Schluss wird unser Klima durch die Elektroautos mehr belastet als vorher. Ebebso verringert sich dadurch nicht die Feinstaubbelastung. Pro Kubikmeter Luft stammen lediglich 1,9 Mikrogramm Feinstaub aus den Auspuffrohren der vorbeifahrenden Autos. 11,9 Mikrogramm werden hingegen durch Abrieb und Aufwirbelungen verursacht. Das traut sich keiner zu sagen und unsere Politiker denken nur von heute auf morgen und sind beratungsresistent. Armes Deutschland

03.08.2017 11:37 Sabrina 4

Gibt es eine Alternative?

Mehrere:
- General Motors
- Ford
- Chrysler
- Jeep
- Tesla
- Cadillac

Es geht nicht um den Diesel oder um Ökologie.
Es geht um Marktanteile, die auf Kosten der deutschen Autoindustrie gewonnen werden sollen.

"Öko" ist dabei nur das zu diesem Zweck in Stellung gebrachte Trickbetrugssystem.

03.08.2017 11:20 Ekkehard Kohfeld 3

@ Kaleppo 1 Das mit dem Arbeitsverbot trifft es schon ganz gut. Es gibt eben im Moment keine Alternative zum normalen Verbrennungsmotor und das läßt sich auch nicht einfach per Gesetz ändern, auch wenn grüne Träumer das glauben.##Volle Zustimmung und die Träumer die glauben mit E-Autos könnte man diese Probleme lösen dessen rosa Brille ist schon fast schwarz durch die man gar nichts mehr sieht.An unser Umweltfanatiker mal die Fragen warum heißen Materialien für die Herstellung
der Akkus und Teile der Elektronik wohl seltene Erden bestimmt weil es die billig und im Überschuß gibt und weil man dafür keine armen Länder für ausbeuten muß?Und das einige hochgiftig (z.B.Blei)sind wisst ihr doch bestimmt auch oder schlägt da wieder der Gutmensch (naive Lemminge) zu?Also was macht daran Sinn?Ein ganze Brange nieder zumachen und große Teile der Arbeitnehmer die nun mal pendeln müssen ihrer Fahrmöglichkeit zu berauben.Wie viel Millionen werden da getroffen?Mit Scheuklappen voll gegen die Wand.

03.08.2017 08:22 Ja!!! 2

Ja! Es gibt eine Alternative zum Diesel - die Schiene. Güter müssen nicht auf der Straße transportiert und die Straße muss nicht zur "Lagerhalle" umfunktioniert werden.
In früheren Jahren, von denen niemand mehr was wissen will, hatte jedes große Unternehmen einen Bahnanschluss - auch im Osten.
Wenn Förderungen nur dann geschehen, wenn der Güterverkehr n i c h t über die Straße läuft, wird die Schiene sicher wieder "modern" oder "in" - wie man heute sagt.

02.08.2017 00:55 Kaleppo 1

Auf den beiden führenden deutschen Autoportalen werden ca. 1,5 Mio Fahrzeuge angeboten.
Davon Elektro: weniger als 5.000. Also nicht mal 0,3 %.
Vielleicht kann mal noch jemand recherchieren, wie das mit dem Verhältnis von regulären Tankstellen zu Elektroladesäulen (die auch funktionieren) aussieht.
Das mit dem Arbeitsverbot trifft es schon ganz gut. Es gibt eben im Moment keine Alternative zum normalen Verbrennungsmotor und das läßt sich auch nicht einfach per Gesetz ändern, auch wenn grüne Träumer das glauben.