exakt | 27.09.2017 Sind Petrys politische Tage gezählt?

Frauke Petry überrascht: Sie will nicht der AfD-Bundestagsfraktion und auch nicht mehr der Partei angehören. Was bedeutet das nun für die Ausrichtung der Partei und was bedeutet es für ihre politische Karriere?

Die Alternative für Deutschland ist mit großem Erfolg aus der Bundestagswahl herausgegangen: Drittstärkste Partei, 12,6 Prozent der Stimmen. Am Tag danach folgt der große Knall: Berlin, Bundespressekonferenz. Frauke Petry will nicht mehr mit der AfD. Sie hält diese für unfähig - zu konstruktiver Oppositionspartei. Schließlich folgt auch noch der Austritt der einstigen Vorsitzenden. Doch was bedeutet dies nun für Petry und die AfD?

"Wir können sagen, dass die radikale Rechte in der AfD aktuell Gewinner dieser Krise und dieses Führungswechsels ist", sagt der Extremismusforscher Alexander Häusler. Denn nun würden Personen wie der Dresdner Richter Jens Maier starke Positionen im Landesverband einnehmen. "Er ist ist durch offen rechtsradikale Hetzreden in Erscheinung getreten."

Begriff des Völkischen: Das war Petry

Björn Höcke bei einer Wahlkampfveranstaltung
Björn Höcke hatte mit kruden Thesen zur Erinnerung an die Nazizeit den Bogen bei der AfD weit nach rechts gespannt. Bildrechte: MDR/ Matthias Thüsing

Gegen Jens Maier läuft ebenso wie gegen Björn Höcke ein Parteiausschlussverfahren. Der Thüringer Höcke hatte mit kruden Thesen zur Erinnerung an die Nazizeit den Bogen weit nach rechts gespannt. Die treibende Kraft hinter den Ausschlussverfahren war die Bundesvorsitzende Petry. Es war weniger ein Kampf gegen rechts, sondern reines Machtkalkül, sagt Afd-Kenner Häusler.

"Man muss sich in Erinnerung rufen, dass es die Co-Vorsitzende Petry selber gewesen ist, die den Begriff des Völkischen ins politische Vokabular wieder mit einzuführen versuchte", erklärt der Sozialwissenschaftler. Zudem seien es sie und ihr Lebensgefährte Marcus Pretzell gewesen, die die Tür der AfD für das rechtsradikale Lager in Europa geöffnet hätten. "Da ist jetzt von einer Abgrenzung vom rechten Rand real überhaupt nicht die Rede."

So kommt es, dass während Petry sich mit den Radikalen auf der Bundesebene rauft, ihr Blick nach rechts im eigenen Umfeld getrübt zu sein scheint. Ein Beispiel: Julien Wiesemann. Er ist Mitglied im Vorstand der sächsischen AfD. MDR-exakt wurden private Fotos zugespielt. Sie sollen ihn vor einigen Jahren beim Hitlergruß zeigen. Auf Nachfrage erkennt der heute 26-Jährige zwar sein Gesicht, spricht aber von einer möglichen Fotomontage. Er habe nie den Hitlergruß gezeigt. Seine Noch-Chefin Petry lässt mitteilen, Vorstandsmitglied Wiesemann hätte sich mehrfach zum gemäßigten Teil der AfD bekannt.

Petry habe sich für unersetzlich gehalten

Deshalb: "Frauke Petry ist das Opfer ihrer eigenen Eitelkeit und ihrer eigenen Machtintrigen geworden", sagt AfD-Kenner Häusler. Sie habe sich für unersetzlich gehalten. Sie habe sich für das einzig verkaufbare Gesicht gehalten. "Ich glaube, man kann fast mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass die politischen Tage von Frau Petry gezählt sind."

Das sieht Jens Diederichs anders. Er verließ vor drei Monaten die AfD-Fraktion in Sachsen-Anhalt. Der Grund: der Rechtsruck in der Partei. Frauke Petry aber habe er immer bewundert. Er traue ihr einen politischen Neustart zu. "Ich kann es mir gut vorstellen, dass jetzt der eine oder andere Abgeordnete auch in sich geht und sagt, ich verlasse die Fraktion. Weil sie hat noch viele Anhänger, die ihrem moderaten Kurs weiter folgen würden."

Bisher jedoch folgt ihr von den Bundestagsabgeordneten der AfD kein Einziger.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 27.09.2017 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 16:44 Uhr

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