FAKT | 10.10.2017 Wenn kein deutsches Personal zu finden ist

Viele Ausbildungsstellen bleiben auch in diesem Jahr unbesetzt. Erstaunlich ist, dass es für Unternehmer wesentlich einfacher ist, in Eigeninitiative junge Leute aus dem Ausland zu holen, als Flüchtlinge zu beschäftigen.

"Es war nicht fünf vor zwölf bei uns, es war fünf nach zwölf. Wir haben die Bücher voll, ohne Frage. Aber ohne Arbeitskräfte gerade im Dienstleistungsbereich geht es nicht", sagt Gastronom Wolfgang Nickel. Trotz intensiver Suche findet er keine deutschen Arbeitskräfte oder Lehrlinge. Aus der Not heraus wirbt er Kräfte aus dem Ausland an.

Neun indonesische Azubis arbeiten als Koch oder Servicemitarbeiter für den Gaststättenbetreiber im sachsen-anhaltischen Köthen. Sie bekommen im ersten Ausbildungsjahr das hier übliche Lehrlingsgehalt von knapp 370 Euro plus der Zuschläge. Wolfgang Nickel hat die Indonesier mit Arbeitsvisa selbst nach Sachsen-Anhalt geholt.

Auf einer privaten Reise sprachen ihn Einheimische an: Ob ihre Kinder nicht eine Ausbildung in Deutschland machen könnten? Wolfgang Nickel holte zunächst vier junge Indonesier zu sich. Innerhalb von wenigen Wochen bekamen sie von der deutschen Botschaft ihre Arbeitsvisum. Die Voraussetzungen sind: gute Deutschkenntnisse, nachgewiesen durch Sprachkurse, plus Arbeits- und Mietvertrag.

Mit Jobangebot in nur zwei Wochen zum Visum

Weil es so gut klappt, stellt der Gastronom einige Monate später fünf weitere indonesische Azubis an. Wenn sie Wohnung und Arbeit vorweisen können, dürfen sie nach ihrer Ausbildung in Deutschland bleiben – und zwar unbegrenzt.

Junge Männer und Frauen aus Indonesien, die eine Ausbildung in Deutschland machen.
Die indonesischen Schützlinge von Wolfgang Nickel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erstaunlich: Für den Unternehmer ist es wesentlich einfacher, in Eigeninitiative junge Leute aus Indonesien anzuwerben, als Flüchtlinge zu beschäftigen, die schon längst hier sind. Zwar könnte Wolfgang Nickel jederzeit Flüchtlinge einstellen. Doch ob sie bleiben dürfen, ist unklar.

Wolfgang Nickel will sich in seinem laufenden Betrieb kein solches Experiment leisten. Deshalb geht er einen für ihn relativ einfachen Weg und beantragt für junge Indonesier ein Arbeitsvisum für Deutschland.

Die unsichere Bleibeperspektive ist auch ein Grund dafür, warum bisher nur knapp 15 Prozent der seit 2015 hier angekommenen arbeitsfähigen Flüchtlinge in Beschäftigung sind. Wirtschaftsvertreter fordern seit langem eine Öffnung dieser starren Regelung.

Das Problem ist, dass sich der Gesetzgeber bisher nicht generell bereitgefunden hat, diesen Spurwechsel aus einem Zugang beispielsweise von Flüchtlingsmigration hin zu Arbeitsmigration zu ermöglichen.

Prof. Michael Hüther, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

Wolfgang Nickel hat inzwischen 18 Indonesier nach Sachsen-Anhalt gebracht. Im Oktober kommen noch weitere 17 Azubis aus Fernost dazu. Denn sein Engagement hat sich herumgesprochen. Viele Unternehmer wollen auch Lehrlinge aus Indonesien. Inzwischen hat Wolfgang Nickel Anfragen aus ganz Ostdeutschland für 400 weitere Azubis.

Mehr zu diesem Thema bei FAKT in Das Erste: Fernsehen | 10.10.2017 | 21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2017, 22:41 Uhr

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1 Kommentar

11.10.2017 18:15 Michael Ganowski 1

Sehr interessanter Beitrag. Ich möchte gerne thailändischen jungen Leute (ab 18 aufwärts) einen Ausbildungsplatz in Deutschland ermöglichen. Wo kann ich mich da erkundigen wie man das am Besten macht? Als erstes müssen sie in Thailand noch den A1 Deutschkurs ablegen damit sie hier kommunizieren können . Sie würden in allen Bereichen arbeiten wollen: Pflege , Hotel usw.
Vielleicht hat da jemand Tipps.
Schönen Dank