Margit und Rudi Flamminger auf einer Bank vor ihrem Haus.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Exakt - Die Story | 04.10.2017 | 20:45 Uhr Alt und allein: Wenn Kinder weit weg wohnen

Immer größer werden die räumlichen Entfernungen zwischen den Generationen. Die Senioren können so nicht spontan auf die Hilfe ihrer Kinder zurückgreifen. Was ist zu tun?

Margit und Rudi Flamminger auf einer Bank vor ihrem Haus.
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Heidrun Schneider folgte schon Mitte der Achtziger-Jahre ihrem Mann in den Westen. Bei Frankfurt/Main hat sie sich eine Existenz als Grafikerin aufgebaut. Für kleine Firmen gestaltet sie Logos und Layouts, bereitet Präsentationen vor und übernimmt Fotoprojekte und Druckaufträge. Mit ihren Eltern im 600 Kilometer entfernten Waltersdorf  in Sachsen bleibt die 51-Jährige vor allem telefonisch in Kontakt. Nur drei- bis viermal pro Jahr schafft sie es, die beiden zu besuchen. "Die Arbeit macht viel Spaß, aber sie erfordert auch viel Engagement", sagt Heidrun Schneider. Sie ist Dienstleister und da lebe man immer mit dem Gefühl, einen Auftrag zu verlieren, wenn man nicht da oder nicht erreichbar sei.

Auf der anderen Seite habe ich Gewissensbisse und fühle mich schlecht, weil ich meine Eltern so wenig sehe, dabei waren die ja immer für mich da.

Heidrun Scheider

Seit fast 60 Jahren wohnen die Eltern von Heidrun Schneider in Waltersdorf, doch mittlerweile sind sie Mitte 80 und nicht mehr fit. 2013 stürzte die Mutter schwer und brach sich mehrere Wirbel. Seitdem ist sie auf die Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes angewiesen und die Tochter fühlt sich noch stärker in der Pflicht.

So wie ihr, geht es vielen. Knapp die Hälfte aller Kinder, deren Eltern über 70 Jahre alt sind, leben mehr als zwei Stunden Fahrtzeit von ihnen entfernt. Immer größer werden die räumlichen Entfernungen zwischen den Generationen. Grund dafür sind meist Beruf und Partner. Dennoch erhalten 62 Prozent der 65- bis 85-Jährigen regelmäßig Besuch von ihren Kindern. Wenn sich der Zustand der Senioren so verschlechtert hat, dass sie regelmäßig Hilfe oder Pflege benötigen, stehen ihnen etwa 95 Prozent der Familienangehörigen zur Seite.

Studie bestätigt stabile Netzwerke im Alter

Doch inzwischen werden Freunde und Nachbarn heute häufiger als Quelle der Unterstützung angesehen als früher, sagt Prof. Dr. Clemens Tesch-Römer vom Deutschen Zentrum für Altersfragen. Dabei schätzten die Älteren mehr den Ratschlag und die Hilfe von Freunden. Bei emotionaler Unterstützung wie Trost zu spenden, ist aber immer noch die eigene Familie Ansprechpartner Nummer eins.

Trost der von Familienmitgliedern gespendet wird, ist schwerer durch Freunde oder Nachbarn zu ersetzen, als Ratschläge.

Prof. Dr. Clemens Tesch-Römer Deutsches Zentrum für Altersfragen

Doch nicht nur die Kinder sind mobiler geworden, auch ältere Menschen gehen gesünder und aktiver ins Alter. Eine umfassende Befragung des Allensbach-Instituts ergab, dass Menschen zwischen 65 und 85 Jahren in Deutschland aktiv, mobil und zufrieden mit ihrem Leben sind. Auch ihre sozialen Beziehungen schätzten viele als sehr befriedigend ein. Zwei Drittel der 65- bis 85-Jährigen haben einen festen Partner, drei Viertel sind Großeltern. Die Beziehung zu den eigenen Kindern wird als stabil und gut beschrieben. Fast drei Viertel der befragten Senioren sehen ihre Kinder und Enkel mehrmals im Monat. Rund die Hälfte trifft darüber hinaus regelmäßig Freunde und Bekannte. Lediglich vier Prozent der Befragten gaben an, sich häufig einsam zu fühlen. Überdurchschnittlich ausgeprägt ist dieses Gefühl bei Älteren mit größeren gesundheitlichen Problemen und bei Alleinstehenden.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | 04.10.2017 | 20:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Oktober 2017, 14:45 Uhr