exakt - Serie Generation Nachwende – Wie leben junge Ostdeutsche?

Der MDR wird 25. So wie auch diese vier jungen Menschen - geboren im Jahr 1992. Es ist die erste Generation nach der Wende. Sie sind aufgewachsen in den chaotischen Neunziger Jahren. Jetzt sind sie 25 Jahre alt und in einer Phase der Entscheidung: Wie wollen sie leben?

MDR-exakt porträtiert vier junge Menschen und ihre Wege mit Konsum, Karriere, Familie oder Drogen. Es sind typische Problematiken für diese Generation. Es werden dabei statistische Daten und die Ergebnisse einer eigenen Online-Umfrage unter 25-Jährigen zu ihren Lebensverhältnissen genutzt.

Teil 1: Rausch - Nils G. aus Gera

Ein junger Mann mit Basecap steht vor einem Wohnblock und schaut hinauf zu einem Wohnungsfenster.
Das Leben von Nils G. war lange Zeit von Drogen geprägt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

“Eigentlich hat meine Dealerin mich abhängig gemacht”, sagt Nils G. “Sie gab mir die ersten Gramm umsonst.” Das ist nun schon sieben Jahre her. Damals war sein Leben geprägt von Partys, Dealen, Drogen und Schlägereien. Er nahm fast alles: LSD, Drogen Kokain, Testosteron und Schmerzmittel. Nicht ohne Folgen: Er bekam Psychosen, wurde gewalttätig, verletzte sich selbst.

Erst als er 2015 wegen Dealerei ins Gefängnis kam, hörte er mit den chemischen Drogen auf, machte seine erste Langzeittherapie. Heute, zwei Langzeittherapien und 14 Entgiftungen später wohnt er wieder bei seiner Mutter. Die Generation der 25-Jährigen wurde überschwemmt von neuen synthetischen Drogen. Sie waren vor allem billig, kamen oft aus Osteuropa. Die Eltern dieser Generation kannten Drogen nur aus dem Westfernsehen. Nun sind vor allem viele junge Männer von den Spätfolgen betroffen.

Teil 2: Konsum - Marian Schmidt aus Leipzig

Marian Schmidt legt viel Wert auf sein Äußeres: Klamotten, Styling, Schönheit sind ihm wichtig. Das Problem: Er verdient als Verkäufer in einem Kosmetik-Shop nur knapp 1.000 Euro. Damit liegt Marian im Mittelfeld. Die Zahl der 25-jährigen Geringverdiener in Mitteldeutschland liegt bei 40 Prozent, die mittleren Einkommen machen laut Mikrozensus rund 53 Prozent aus. Die 25-Jährigen verdienen zwar mehr als noch vor fünf Jahren, aber die Lebenshaltungskosten - gerade für Wohnraum - steigen. Damit sich Marian seinen Lebensstil leisten kann, wohnt er mietfrei bei seiner Mutter. Auch der Kühlschrank ist hier immer gefüllt.

Marian hat große Pläne. Er will eine Lehre zum Kosmetiker beginnen und sich einen Kindheitstraum erfüllen: Endlich eine Louis Vuitton Luxushandtasche besitzen. Geld spielt also eine wichtige Rolle: Immerhin verdienen rund sieben Prozent der 25-Jährigen auch über 2000 Euro netto.

Teil 3: Karriere - Alexej Marin aus Magdeburg

Alexej Marin
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Alex ist ein leistungswilliger 25-Jähriger. Er weiß, wer sich etwas leisten will, muss hart dafür arbeiten. Nachdem er 2002 als Spätaussiedler mit seinen Eltern von Russland nach Deutschland zog, hatte er es nicht immer leicht. Ohne ein Wort Deutsch zu können, kam er in die Schule. Trotz aller Schwierigkeiten schaffte er die Ausbildung zum Computertechnischen Assistenten, fand eine Anstellung beim Bund und ließ sich für 13 Jahre verpflichten.

Doch das reicht ihm nicht. Er besucht die Abendschule, will sein Abi nachholen und anschließend Bauingenieurwesen studieren. Der Druck ist hoch, denn seine Familie erwartet, dass Alexej Karriere macht.

Am Wochenende arbeitet er  in Nebenjobs oder renoviert das Haus seiner Eltern. Zeit für Freunde oder eine Partnerin bleiben da nicht. Er will erst mal in die Zukunft investieren. Momentan ist er auf der Suche nach Wohneigentum, das er in Eigenregie renovieren und anschließend vermieten möchte. Der Wunsch nach Sicherheit und einer besseren Zukunft ist stark.

Teil 4: Familie - Victoria Hohlfeld aus Dresden

Victoria Hohlfeld hat drei Kinder. Mit dem Mutterwerden ist die 25-Jährige damit früh dran, über drei Viertel der von uns Befragten haben in diesem Alter noch keinen Nachwuchs.

Bei Victoria ist es anders: “Die drei halten mich schon auf Trab, aber mich damals für die Kinder zu entscheiden hab ich nie bereut!”, sagt Victoria. Die Zeit der Schwangerschaft war für sie nicht leicht. Ihr damaliger Freund wollte, dass sie abtreibt, war strikt gegen die Kinder.

Victoria war verzweifelt, suchte und fand Hilfe bei der Schwangerschaftsberatung und entschied sich gegen den Freund und für das Kind. Damals dachte sie noch, dass es nur eins ist. Als nach einigen Wochen festgestellt wird, dass sie Drillinge erwartet, findet Victoria keine Worte - doch ihre Entscheidung konnte sie nicht mehr rückgängig machen. Für die junge Mutter ist jeder Tag eine neue Herausforderung.

Über dieses Thema berichtet MDR exakt auch im: Fernsehen | am 01.11.2017, 08.11.2017, 15.11.2017 und 22.11.2017 | jeweils 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2017, 18:56 Uhr

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