Mit einem Gottesdienst auf dem Augustusplatz in Leipzig ist der 100. Deutsche Katholikentag zu Ende gegangen.
Die Eucharistiefeier auf dem Leipziger Augustusplatz vor der Oper wurde von mehreren Bischöfen, Musikern und Chorsängern gestaltet. Bildrechte: IMAGO

Katholikentag in Leipzig 20.000 Menschen kommen zum Abschlussgottesdienst

Mit einem Gottesdienst auf dem Augustusplatz in Leipzig ist der 100. Deutsche Katholikentag zu Ende gegangen.
Die Eucharistiefeier auf dem Leipziger Augustusplatz vor der Oper wurde von mehreren Bischöfen, Musikern und Chorsängern gestaltet. Bildrechte: IMAGO

Mit einem Gottesdienst ist in Leipziger der 100. Katholikentag zu Ende gegangen. Bei strahlend blauem Himmel kamen rund 20.000 Menschen auf den Augustusplatz. Die Eucharistiefeier wurde vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, sowie weiteren Bischöfen, Chören und Musikern gestaltet.

"Politik im Sinne der Menschen"

Marx rief in seiner Ansprache alle Katholiken und Christen auf, sich in die Politik einzumischen. Marx sagte, die Kirche wolle nicht den Staat ersetzen. Es gelte aber, die Menschen in den Mittelpunkt des politischen Handelns zu stellen und nach Lösungen im Sinne der Menschen zu suchen. Damit griff er das Motto des Katholikentages auf: "Seht, da ist der Mensch".

Es geht nicht darum, ob wir viele sind, sondern ob wir viel zu sagen haben.

Kardinal Reinhard Marx

Marx rief auch zu einer menschlichen Flüchtlingspolitik auf und die Kritik der AfD an der Flüchtlingshilfe der Kirchen zurück. Die katholische Kirche und ihre Ehrenamtlichen würden weiter dafür eintreten, dass der Umgang mit Flüchtlingen weiter von der Barmherzigkeit geprägt werde. Wenn jemand an die deutsche Grenze komme, dann müsse er menschlich behandelt werden. Und es müsse klar sein, dass Menschen nicht in Krieg und Verfolgung zurückgeschickt würden.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, ging auf die Debatte um Reformen in der Kirche ein. Er unterstrich, erneuerte die Forderung, Frauen im Diakonenamt zuzulassen. Viele Besucher reagierten mit starkem Beifall. Einige hielten Transparente hoch mit der Forderung "Frauendiakonat jetzt!"


"Danke, Leipzig!"

Impressionen vom 100. Katholikentag in Leipzig
Zum 100. Katholikentag kamen deutlich weniger Besucher als beim letzten in Regensburg. Bildrechte: Deutscher Katholikentag/Benedikt Plesker

Zu dem fünftägigen Laientreffen waren rund 40.000 Teilnehmer nach Leipzig gekommen. Das sind deutlich weniger als beim Katholikentag in Regensburg vor zwei Jahren. Dennoch zeigten sich die Veranstalter zufrieden. Man sei in Leipzig offenen und toleranten Bürgern begegnet. Der Bamberger Bischof Ludwig Schick twitterte, es sei gut gewesen, den Katholikentag in Leipzig zu halten. Der Passauer Bischof Stefan Oster schrieb auf Facebook von einem spannenden Format. Am Samstagabend bedankten sich die Veranstalter mit einem Straßenfest. Das nächste Laientreffen wird 2018 in Münster veranstaltet.

Vertreter der evangelischen Kirchen und der protestantischen Laienbewegung luden zum Reformationskirchentag im kommenden Jahr in Berlin und Wittenberg ein. Der Berliner Bischof Markus Dröge appellierte an die Kraft der ökumenischen Verbundenheit. Der christliche Glaube sei eine Friedens- und Versöhnungskraft. Der 100. Katholikentag hatte ungewöhnlich viele protestantische Besucher - elf Prozent, so viele wie noch nie. Auch gab es eine Reihe von Veranstaltungen, die dem Reformator Martin Luther gewidmet waren.

Ein riskantes Unternehmen

Im Vorfeld galt die Entscheidung, zum Jubiläumstreffen nach Leipzig zu ziehen, als riskant. Nur etwas mehr als vier Prozent der Leipziger sind katholisch. Nur rund 20 Prozent sind Christen. Während des Laientreffens zeigte sich Kardinal Karl Lehmann besorgt über die teils wenig besuchten Veranstaltungen. Bei Auftritten von Bundesministern Thomas de Maizière und Andreas Nahles seien viele Plätze leer geblieben. Als mögliche Ursachen nannte Lehmann die "übliche Verdrossenheit". Manche Menschen zögen sich von aktuellen Themen wohl zurück.

Der Katholikentag war geprägt durch politische Themen wie TTIP, Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Weitere Schwerpunkte waren Flüchtlinge und ihre Integration sowie der Umgang mit Fremdenfeindlichkeit und dem neuen Nationalismus. Diskutiert wurde unter anderem die "seltsame Rückbesinnung auf das 'christliche Abendland'" und die Neue Rechte in Europa. ZdK-Präsident Sternberg verteidigte die Entscheidung, keine AfD-Politiker nach Leipzig einzuladen. Man wolle keine "Showveranstaltung" für die AfD organisieren.

De AfD hatte vor und während des Kirchentags die Kirchen wegen ihrer Asylpolitik attackiert. AfD-Vorsitzende Frauke Petry erneuerte am Sonntag ihre Kritik. Sie sagte im Deutschlandfunk, die Kirchenhandelten weniger aus Nächstenliebe, sondern aus eigenen, auch finanziellen Interessen heraus.

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2016, 21:18 Uhr