Kino Royal | MDR FERNSEHEN | 19./20.10.2012 | 00:00 Uhr : Uwe Steimle serviert "Sushi in Suhl"
Die Suhler Gaststätte "Waffenschmied" avancierte in den 1970er-Jahren zum Japan-Restaurant Nr. 1 in ganz Europa. Nicht nur die Suhler, auch Gäste aus dem westlichen Ausland schätzten die kulinarische Zeremonie des Gastronoms Rolf Anschütz im einzigen Japan-Restaurant der DDR. Nun wurde die Geschichte verfilmt - mit Uwe Steimle in der Hauptrolle.
"Sushi in Suhl" erzählt die Geschichte von DDR-Kult-Gastronom Rolf Anschütz: Er führte in den 1970er-Jahren das erste und einzige Japan-Restaurant der DDR. Der Dresdner Uwe Steimle spielt Rolf Anschütz, den Koch und Gastronomen aus Leidenschaft. Der bekannte Kabarettist und Grimme-Preisträger schlüpfte in die Rolle des einzigartigen Vermittlers der Kulturen.
Japan-Boom mitten in der DDR
Angefangen hatte alles mit einem Japan-Abend, mit dem Anschütz seine Gäste überraschen wollte. Denn der Koch wollte einmal über den regionalen Tellerrand hinausschauen. Der Erfolg war so groß, dass der Suhler Koch weitere Speisen ins Programm aufnahm und für stilechte Dekoration sorgte. "Anschütz hat sich für 10.000 DDR-Mark auf eigene Kosten ein japanisches Kochbuch übersetzen lassen", erklärt Uwe Steimle die Liebe Anschütz' zum Detail. Der Zuspruch wurde immer größer, Plätze im "Waffenschmid" mussten bald lange im Voraus gebucht werden.
Für Arbeiter von Werkbänken und Fließbändern wurden bei unzähligen Brigadeausflügen in der HO-Gaststätte "Waffenschmied" fernöstliche Träume wahr. Die Originalzutaten kommen alsbald aus Yokohama. Anschütz baut ein japanisches Ritualbad. Zwei Millionen Gäste waren in den Räumen in Suhl, um japanisch zu essen. Auch bei deutsch-japanischen Gesprächen von Politikern sorgte der Suhler Koch für die Gaumenfreuden zwischen den Verhandlungen und wurde so zum Politikum.
"Gefühlt wie ein Japaner"
Rolf Anschütz’ Sohn, Jörg, war seit 20 Jahren nicht mehr an jenem Ort, wo sein Vater leidenschaftlich seinen Traum verwirklichte, bei dem die Familie in Mit-Leidenschaft gezogen wurde und die Ehe der Eltern zerbrach. Zwei Millionen Gäste waren in diesen Räumen, um japanisch zu essen. Jörg Anschütz hat im Restaurant des Vaters, der 2008 starb, gearbeitet. Baderitual, Essen und japanische Landeskunde - was der Vater da veranstaltete, das gab es nicht mal mehr in Japan: "Er hat gelebt und auch gefühlt fast wie ein Japaner", erinnert sich Jörg Anschütz an seinen Vater.
MDR-Koproduktion
Drehort für die kulinarische Zeitreise, die keine Dokumentation sein soll, war die seit 16 Jahren leer stehende Gaststätte "Wilhelmsburg" in Schmalkalden. Den Originalschauplatz, den "Waffenschmied", gibt es nicht mehr. Regie führte Carsten Fiebeler. Den Siegeszug der Sushibar erklärt er so: "Ich glaube, es war dieser Exotenstatus, der es zu etwas besonderem macht. Man sagte sich: 'Wat, damals im Osten konnte man irgendwo in der Provinz japanisch essen und dann noch in einer guten Qualität.'" Die Geschichte wurde als "Bestes Drehbuch des Jahres 2010" anlässlich der Verleihung des Hessischen Film- und Kinopreises ausgezeichnet.
Zum Glück keine Groteske
Ein Japanrestaurant in der DDR-Provinz, das hat schon seine Komik. Doch Uwe Steimle und sein Regisseur verzichten glücklicherweise darauf, dies als Groteske zu erzählen. 1979 wird Anschütz nach Japan eingeladen. Er bleibt vier Wochen und fährt dann wieder in 'sein Japan', nach Suhl zurück. "Sushi in Suhl" ist ein liebenswürdiger Film über einen Mann, der einen Traum einfängt, der größer ist als die Verhältnisse in denen er lebt und der über sie hinauswächst.
Sushi in Suhl - Deutschland 2012
Regie: Carsten Fiebeler
Drehbuch: Jens-Frederik Otto
Mit: Julia Richter, Thorsten Merten, Michael Kind, Uwe Steimle, Ina Paule Klink, Gen Seto, Yuki Iwamoto
"Kino Royal"-Beitrag von Jens-Uwe Korsowsky/Ulf Kalkreuth
Kinostart 18. Oktober 2012




