MDR FERNSEHEN | 11.11.2011 | 00.00 Uhr : "Kino Royal" zu Besuch im ältesten Kino Deutschlands
1911 als "Palast-Theater" erbaut, heißt es heute "Burg-Theater". Wir sind nicht in Wien, sondern in Burg in Sachsen-Anhalt. Große Namen also, für eine lange Geschichte. Sicher wurde in Deutschland an anderen Orten früher als hier Kino gezeigt, doch dieses Gebäude gilt als der erste Kino-Zweckbau im Land!
In Burg in Sachsen-Anhalt weht noch ein Hauch von Kaiserzeit, klingen noch launige Töne der Zwanziger und der Duft von Marlene, Romy und Renate Blume. Hier steht das älteste Kino Deutschlands. Der erste Kinozweckbau – wie das Palast-Theater korrekt heißt - entstand in nur 13 Wochen Bauzeit. Eröffnet wurde es im Juni 1911 stumm aber lustig, mit "Charleys Tante". Selbst eine Zeitung für's Kino gab der Bauherr und Betreiber Otto Wohlfarth damals heraus. Seitdem läuft - oder besser, knattert - alles über die Leinwand, woran man sich in Burg sehr gern erinnert. Ursprünglich wollte Burg allein mit Knäckebrot und gewalztem Stahl in die Geschichtsbücher eingehen. Jetzt kommt noch ein 100jähriges Kino dazu, dass von der Gründung bis heute durchgängig bespielt wurde – auch das ist einzigartig.
Rettung des Kinos
Die schicke Kinobar wurde 1985 eingebaut. Es gab "Rosenthaler Kadarka" beim "Unternehmen Geigenkasten". 2010 wurde dann renoviert und der Charme der späten DDR Möbel konserviert – und außen wurde es wie damals. Spendengeldern und dem Verein "Weitblick e.V." sei Dank, dass das Kino immer noch Kino macht. Das Burger Kino hatte bereits seit Jahren vor der Zwangsversteigerung gestanden. Daraufhin war der Kinoverein gegründet worden. Er hatte bislang das Kino betrieben, ohne Eigentümer des Gebäudes zu sein. Der Verein hofft nun auf weitere Zuschüsse.
Und übrigens: Es gibt kein Burg-Knäckebrot, sondern Popcorn zu aktuellen Filmen wie "Männerherzen" oder "Effi Briest". Und wer sich beeilt bekommt noch eine Karte für Heinz Rühmanns "Feuerzangenbowle" – serviert wird natürlich Feuerzangenbowle. 100 Jahre Kino in Burg - "Kino Royal" gratuliert!
Ein Beitrag von Hans-Michael Marten
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