Kino Royal | MDR FERNSEHEN | 10./11. August 2012 | 00:00 Uhr : Goldrausch - Die Geschichte der Treuhand
Im Juli 1990 wurde die Treuhandanstalt gegründet, um die 8.500 "volkseigenen Betriebe" der DDR zu privatisieren. Vier Jahre später wurde sie wieder aufgelöst. Das Fazit: 4.000 Betriebe wurden geschlossen, zweieinhalb Millionen Arbeitsplätze gingen verloren. Und der Schuldenberg wuchs auf insgesamt 256 Milliarden Mark.
Die Dokumentation "Goldrausch - Die Geschichte der Treuhand" thematisiert die Frage, wie man aus der Geschichte lernen kann, will versuchen nachzuvollziehen, wie es ist, wenn eine soziale Marktwirtschaft auf ein sozialistisches Land mit Planwirtschaft stößt. Insbesondere in der Anfangszeit, als die Strukturen noch unübersichtlich waren, ließ sich die Treuhand um mehrere Milliarden Mark betrügen. Doch die meisten Täter gingen straffrei aus den Gerichten heraus oder wurden noch nicht einmal angeklagt.
Das sagen die damals Beteiligten
Zu Wort kommt in der Dokumentation unter anderem Detlef Scheunert. Er war zunächst Vorstandsassistent und später Direktor der Treuhand für den Bereich Glasindustrie. Damit galt Scheunert als einer der wenigen Ostdeutschen, die in der oberen Liga der Treuhand mitagieren durften. Er war bereit zu lernen, wie eine soziale Marktwirtschaft funktioniert. Doch das sei schwieriger gewesen, als er gedacht habe, gesteht er.
Klaus Klamroth war Direktor in der Niederlassung in Halle. Auch er erzählt von seinen Erfahrungen und gibt zu, damals zu naiv gehandelt zu haben. Insgesamt mussten 200 von 869 Firmen, für die er zuständig war, geschlossen werden. Die meisten der ostdeutschen Firmen wurden an westdeutsche Unternehmen veräußert.
War die Zeit schuld?
Die Dokumentation thematisiert vor allem das Problem der Zeit. Die damaligen volkseigenen Betriebe mussten unter einem enormen Tempo privatisiert werden - sowohl die Zeit als auch die Kontrolle fehlten, die viele Firmen, Fabriken und Immobilien vor dem Aus hätten retten können. In den vier Jahren, in den die Treuhand bestand, verschwanden 4.000 Betriebe, über zwei Millionen Arbeitsplätze. Ein Ausverkauf. Der Dokumentarfilm beschreibt ihn erstmals aus Sicht führender Treuhandmanager, die sich damals auch keine Illusionen machten über manche Glücksritter, die mit den Privatisierungen ihre privaten Taschen füllten.
"Kino Royal"-Fazit:
Vier kurze Jahre nur gab es die Treuhand, dann wurde sie erfolgreich mit einem Verlust von 200 Milliarden Mark geschlossen. Der Dokumentarfilm ist ein differenziertes Porträt dieser Anstalt und zeichnet doch ein Bild, das viele immer schon hatten. Leider stimmt es nicht. Es ist schlimmer.
Goldrausch - Die Geschichte der Treuhand
Deutschland 2012
Ein Dokumentarfilm
Produktion: zero one film
in Koproduktion mit SWR, NDR und MDR.
Kinostart: 30. August 2012
Ein "Kino Royal"-Beitrag
von Rayk Wieland
