Kino Royal

Kino Royal | 17./18.02.2012 | 00:00 Uhr | TV & MDR Mediathek : Henry Hübchen erhält die "Paula"

Filmschauspieler am Rande der Berlinale geehrt

Schauspieler Henry Hübchen ist mit dem "Paula"-Preis ausgezeichnet worden. Er erhielt die Auszeichnung am Sonntag für seine Verdienste um den deutschen Film.

Henry Hübchen

"Es gibt so tolle DEFA-Filme", sagt Henry Hübchen - doch kennt die das Kinopublikum von heute noch? Für Hübchen ist der Preis daher auch ein Preis gegen die Ahnungslosigkeit, vor allem wenn es um das DDR-Filmerbe geht.

Hübchen war Liverpooler oder Londoner

Henry Hübchen
Was er da wohl gerade gehört hat? Ziemlich amüsiert lauschte Henry Hübschen während der Preisverleihung der Laudatio von Leander Haußmann.

Hübchens eigene DEFA-Karriere begann mit 17 Jahren als namenloser Indianer im Dienste Tokaitos mit nur zwei Sätzen. Seine vielleicht wichtigste DEFA-Rolle spielte er im Oscar-nominierten Film "Jakob der Lügner". Doch eigentlich war er nie einer der ganz großen DEFA-Stars. Und nichts stört ihn mehr als die von Boulevardmedien noch immer gepflegte Unterscheidung in Schauspieler und Ost-Schaupieler. Übrigens: Er war auch nicht gerade eine sozialistische Persönlichkeit: "In meiner Jugendzeit in der DDR war ich eigentlich Liverpooler oder Londoner", erinnert sich Hübchen. Jedenfalls wurde er so gern besetzt.  Vor allem in den DDR-Fernsehkrimis: Typ "Romeo" als Rabauke vom Dienst.

Kein Glamour-Typ

Henry Hübchen wird 65, alt genug um zu einer "Legende", pardon, zu einer "Ost-Legende" erklärt zu werden. Was für ein Missverständnis und was für eine Arroganz! Denn seine größten Kinoerfolge feierte Hübchen im wiedervereinten Deutschland. Etwa als kauziger Familienvater in der Komödie "Sonnenallee".

Ein Glamour-Typ war er nie. Das Glatte hat ihn nie gereizt, sondern das Leben als Absurdität, der Humor, der aus Gemeinheiten und Verzweiflung entsteht. Alles gleichzeitig sein: Hosenscheißer und Held, Casanova  und Spießer. Hübchen kann das, wenn man ihn lässt. Für seinen Jackie Zucker, der für eine Erbschaft sein verdrängtes Judentum wiederbeleben muss, erhielt er 2005 den Deutschen Filmpreis. Henry Hübchen komponierte aber auch für die Gruppe "City" das Lied "Casablanca" vom gleichnamigen Album. Weniger bekannt ist, dass der Frauentyp mit Plauder-Potenzial und einem schicken Hang zum Phlegma 1980 und 1981 DDR-Meister im "Brettsegeln" war.

Den "Paula"-Preis, der vom Progress Filmverleih und der IHK Berlin vergeben wird, erhielt am 12. Februar Henry Hübchen für seine Verdienste um den deutschen Film. Die Skulptur entwarf der Künstler und Regisseur Jürgen Böttcher (Strawalde). Die Laudatio hielt Regisseur Leander Haußmann, mit dem Hübchen den Publikumserfolg "Sonnenallee" gedreht hatte.

Leander Haussmann (l) und Henry Hübchen
Leander Haussmann (l) und Henry Hübchen bei der Preisverleihung.

Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2012, 13:17 Uhr

Ein Beitrag von Lutz Pehnert

Die "Paula"

Der Preis, vergeben vom Progress-Filmverleih, wird an Schauspieler verliehen, die ihre Filmkarriere bei der DEFA begonnen und sich um den gesamtdeutschen Film verdient gemacht haben. Vor Henry Hübchen erhielten die Schauspielerinnen Katrin Sass und Katharina Thalbach die "Paula".

© 2012 MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK