Kino Royal | MDR FERNSEHEN | 12./13.08.2011 | 00:02 Uhr : Westwind
Sport ist ihre Leidenschaft: Doreen und Isabel rudern erfolgreich im gleichen Takt. Die unzertrennlichen Schwestern sind auch auf dem Wasser eine Einheit. Ein Trainings-Camp in Ungarn soll alles verändern. Doreen trifft am Balaton auf ihre große Liebe Arne - einen jungen Mann aus Hamburg. Er stellt alles auf den Kopf. Die Beziehung zum Sport, zu ihrer Schwester und zu ihrer Heimat. "Westwind" ist die Verfilmung einer wahren Begebenheit, gefühlvoll in Szene gesetzt von Regisseur Robert Thalheim.
Das erste Mal reisen Isabel und Doreen ins sozialistische Ausland. Die 17-jährigen Zwillinge sitzen in einem Ruderverein im gleichen Boot. Ein Trainings-Camp in Ungarn soll die künftigen Leistungssportlerinnen weiter beflügeln, ihre Leistungen steigern. Am Balaton treffen die Zwillinge auf Arne und Nico. Ausgehverbote ihres Trainers können die beiden nicht davon abhalten, sich mit den Jungs zu verabreden.
Zwischen Geschwisterdrama und Lovestory
Eine aufregende Zeit beginnt für die Teenager - mit der ersten Coca Cola, Fahrten in einem knallorangenen Käfer und Discobesuchen. Schnell entstehen zarte Bande zwischen Doreen und Arne. Dieser schlägt den Zwillingen vor, gemeinsam in den Westen zu fliehen. Die unzertrennlichen Schwestern müssen sich bald entscheiden.
Doreen gerät nicht nur im Ruderboot aus dem Takt - zu groß ist der Wunsch, in die weite Welt hinauszugehen und zu groß die Angst, die Liebe ihres Lebens wieder zu verlieren. Doch ist da auch der Traum von einer gemeinsamen Ruderkarriere mit der Schwester. Und die Tage im Camp sind gezählt ...
Verfilmung einer wahren Begebenheit
"Westwind" zeigt den Konflikt auf, in dem sich die Schwestern Susann und Doreen Schimk 1988 tatsächlich befanden. Susann Schmink ist Co-Autorin Mitproduzentin des Films. Er erzählt von dem Scheideweg, an dem sich die Zwillinge befanden, die für die Umwelt "bis zu ihrem 17. Lebensjahr immer eine Person" waren. "Ich persönlich musste nun eigenständig ohne meinen Zwilling auskommen und den Verlust und die Ungewissheit über Doreens Zukunft verkraften", erklärt Susann Schmink rückblickend.
Ein Stück deutsch-deutsche Geschichte
Regisseur Robert Thalheim hat den Zeitgeist der 1980er-Jahre eingefangen, geprägt durch die Politik des Eisernen Vorhangs. Ein Jahr vor dem Mauerfall hätte niemand mit dem Ereignis gerechnet. Der 1974 geborene Thalheim lebte zu der beschriebenen Zeit in Westberlin "eingekreist von einem anderen Land", wie er sagt. Berührungspunkte gibt es auch in der weiteren Biografie des Regisseurs - seine Frau stammt aus dem Osten, er aus dem Westen. "Wären wir uns begegnet?", fragen sie sich selbst immer wieder. Sie lernten sich nach der Wiedervereinigung kennen, den geteilten Himmel über Berlin gab es für die beiden nicht mehr ...
"Kino Royal"-Fazit:
"Westwind" erzählt eine Ost-West-Geschichte, aber der Film beschreibt vor allem eine große Liebe – die zweier Schwestern. Er erzählt, wie schwer es ist loszulassen. Aber auch davon, dass vor jedem Neuanfang ein Abschied steht. Regisseur Thalheim setzt auf die leisen Töne und tut gut daran. Und so gelingt ihm eine Fluchtgeschichte die ganz ohne Mauer-Pathos auskommt.
Westwind
Deutschland 2011
Regie: Robert Thalheim
Drehbuch: Ilja Haller, Susanne Schimk
Mit Franz Dinda, Volker Bruch, Friederike Becht, Luise Heyer, Hans Uwe Bauer
Kinostart
25. August 2011
Ein Beitrag von
Ulrike Reiß



