Konzert | 20.01.2013 | 11:00 Uhr | Leipzig, Gewandhaus : Ben Becker liest Peer Gynt
"Peer, du lügst", raunt Ben Becker ins Mikrofon. Am 20. Januar liest der deutsche Schauspieler "Peer Gynt", das dramatische Gedicht des norwegischen Schriftstellers Henrik Ibsen. Mit seiner markanten Bassstimme erweckt er den norwegischen Taugenichts zum Leben. Musikalisch ausgeleuchtet wird die Lesung durch Edvard Griegs dazugehörige Schauspielmusik, interpretiert von MDR SINFONIEORCHESTER und MDR RUNDFUNKCHOR unter Chefdirigent Kristjan Järvi.
"Eine Lesung mit Orchester ist eine Fleißarbeit für mich", sagt Ben Becker. "Man muss zu Hause sitzen und üben. Und glaube Sie mir, dieser Text ist nicht einfach zu lesen und auch inhaltlich nicht gerade unkompliziert. Aber wenn man ein klein wenig Musikalität mitbringt, dann kann das sehr viel Spaß machen für einen Schauspieler, vor einem Orchester zu stehen und mit ihm zusammenzuarbeiten." Außerdem ist es nicht das erste Mal, das Ben Becker im Rahmen des Leipziger Matineekonzertes mit einem Orchester auf der Bühne sitzt, um zu lesen. Auch bei vergangenen Lesetouren, wie der legendären BIBEL-Tournee 2008, bei der er aus dem Alten Testament gelesen hat, spielte die Musik eine große Rolle: "Für mich ist die Sprache Teil der Musik. Deshalb versuche ich immer wieder, beides zu kombinieren, egal ob ich deutsche Balladen oder Gedichte lese."
In Leipzig widmet sich der deutsche Schauspieler dem dramatischen Gedicht "Peer Gynt" von Henrik Ibsen. Obwohl Becker nicht der größte Freund von Ibsens Werk ist, freut er sich auf das Konzert. Denn er wird unter der Leitung von Kristjan Järvi lesen: "Ich habe dessen Bruder in Salzburg kennengelernt und mich hervorragend mit ihm verstanden. Wir wollten immer etwas zusammen machen, und plötzlich kam die Anfrage seines Bruders. Das Projekt fand ich unheimlich spannend und jetzt freue ich mich darauf Kristjan kennenzulernen."
Peer Gynt ist ein typischer Taugenichts, der sich lieber in eine Traumwelt flüchtet, als sein Lebensglück in die eigenen Hände zu nehmen. Die Träumerei hilft ihm dabei, die Einsamkeit zu überwinden und seine eigene Nichtsnutzigkeit zu verdrängen. Deswegen begibt sich Peer auf eine Reise durch die Welt, nicht zuletzt mit dem Ziel, sich selbst zu finden. Zwischen Traum und Realität begegnen ihm verschiedene Menschen und Sagengestalten, Orte, die ihn zu einem gerissenen Gauner werden lassen und ihn schließlich ins Irrenhaus bringen. Erst am Ende seines Lebens kehrt Peer in sein Heimatdorf zurück und findet das, wonach er gesucht hat ...
Der Schlüssel zur Musik
Im Februar 1876 feierte die dramatische Erzählung von "Peer Gynt" in Oslo Premiere. Erst viele Jahre später setzte Edvard Grieg aus der dazugehörigen Begleitmusik seine erfolgreiche "Peer-Gynt-Suite" zusammen. Grieg hatte Ibsen in Rom kennengelernt. Damals arbeitet der Dichter an dem Gedicht "Peer Gynt", das auf einem alten norwegischen Märchen basiert. Obwohl viele seiner Zeitgenossen mit der Geschichte des Taugenichts nichts anzufangen wussten - Hans Christan Andersen bezeichnete es als "das Schrecklichstes, das er je gelesen habe" -, wurde Ibsens Gedicht ein Erfolg. Deshalb machte er kurzerhand ein Bühnenstück daraus, zu dem Grieg die Musik komponieren sollte. Nächtelang bereitete Grieg das Gedicht Kopfzerbrechen, denn auch er konnte nie so recht etwas damit anfangen. "Das ist ein verwünscht unzugänglicher Stoff", schrieb er in einem Brief. Trotzdem gelang ihm eine packende musikdramatische Konzeption, mit poetischen wie hintersinnigen Momenten.
"Zum ersten Mal habe ich von Peer Gynt als Kind gehört", erinnert sich Ben Becker. "Ich habe diese berühmte Aufführung von Peter Stein gesehen, mit Bruno Ganz in der Hauptrolle. Für einen kleinen Jungen wie mich war das doch eine recht heftige Bildsprache." Dass er selbst einmal die gesamte Geschichte lesen würde, hätte der Schauspieler nicht gedacht, und dann auch noch mit einem Orchester. Hier muss jedes Wort sitzen, erzählt er, und jeder Einsatz. Denn als Vorleser, selbst wenn er es liebe, Geschichten zu erzählen, sei er diesmal Teil eines Klangkörpers. "Ich muss genau wie jeder andere Musiker dem Dirigenten folgen. Er gibt mir Zeichen. Zum Glück funktioniert das sehr gut. Wir proben ein, zwei Tage und dann geht es auf die Bühne."
Auf, auf zum MDR KLASSIK CLARA Treff
Wie bei jedem Matineekonzert sind auch diesmal Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren zu einer musikalischen Entdeckungsreise eingeladen. Diesmal während des gesamten Konzerts. Zusammen mit Ekkehard Vogler, dem Musikvermittler des Jugend-Musik-Netzwerkes CLARA, wird gemalt und geforscht. Denn der Komponist Edward Grieg lebte einmal in Leipzig. Hier entdeckte er seine Leidenschaft zum Komponieren, später entstand seine berühmte "Peer-Gynt-Suite". Doch wer war eigentlich dieser Peer? Beim MDR KLASSIK CLARA Treff lernen die Kinder den norwegischen Taugenichts kennen und finden heraus, wie aus Bildern Töne entstehen.
Die Matineekinder treffen sich vor Konzertbeginn am Infostand des MDR im Gewandhaus-Foyer. Hier können Sie Ihr/e Kind/er für die Veranstaltung anmelden:
Konzertprogramm:
Peer Gynt - das dramatische Gedicht von Henrik Ibsen mit Musik von Edvard Grieg
Mitwirkende:
MDR RUNDFUNKCHOR
MDR SINFONIEORCHESTER
Kristjan Järvi | Dirigent
Ben Becker | Sprecher
Anna Lucia Richter | Sopran
Annelie Sophie Müller | Mezzosopran
Stephen Powell | Bariton
Konzerteinführung:
10:15 Uhr | Schumann-Eck des Leipziger Gewandhauses
Konzertkarten:
Karten für das Konzert erhalten Sie in der Ticketgalerie, an der Tickethotline unter Telefon: 0341 141414 sowie im MDR Ticketshop.
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