"Pocket Symphonies" Klassik für die Hosentasche

Sven Helbigs Stücke sind lebendige Gesamtkunstwerke. Sie verwandeln Hochhäuser in Klanginstallationen, schallen über die Plätze großer Metropolen, vermischen Pop mit Klassik zu charmantem Cross Over. Mit dem Fauré Quartett und dem MDR SINFONIEORCHESTER spielte er seine aktuelle CD "Pocket Symphonies" ein, symphonische Miniaturen für die Hosentasche.

Bekannt geworden durch den Liederzyklus "Mein Herz brennt", neu arrangierten Orchesterversionen von Liedern der deutschen Rockband Rammstein, schlägt sich Sven Helbig durch die aktuelle Musikkultur. Immer wieder vereint der klassisch ausgebildete Musiker in seinen Multimedia-Projekten Klassik und Pop und schafft damit ganz neue Hörkulturen.

Er arbeitet mit Vertretern der klassischen Avantgarde zusammen, wie mit dem vielfach ausgezeichneten Fauré Quartett, amerikanischen Hip-Hop-Größen wie Snoop Dog oder dem deutschen Gangsta-Rapper Sido, für den er 2011 die Filmmusik zu dessen Kino-Debüt "Blutzbrüdaz" schrieb.

Erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem MDR

Auch für die Ensembles des MDR ist Sven Helbig kein Unbekannter mehr. Bereits 2009 lernten ihn die Musiker und Choristen kennen. Zum 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung inszenierte Helbig zusammen mit der Indie-Pop-Band Polarkreis 18 "Kinder der Freiheit", eine multimediale Performance für Sinfonieorchester und Chor. Nach der erfolgreichen und vielfach gelobten Zusammenarbeit kehrte Sven Helbig noch einmal in die MDR Studios am Leipziger Augustusplatz zurück.

Im November letzten Jahres nahm er zusammen mit dem neuen Chefdirigenten Kristjan Järvi seine "Pocket Symphonies" auf. "Diese zwölf Sinfonien sind nicht für den Konzertsaal gedacht", sagt Helbig. "Sie sind zum Unterwegs-Hören gedacht, also für die iPods und iPads." Er reagiere damit auf das heutige Hörverhalten vieler Musikkonsumenten, so der Komponist weiter. "Damals musste man zu Hause bleiben, um Musik zu hören", sagt Helbig. Heute finde Musik überall statt, an jedem Ort und zu jeder Zeit.

Es ist schade, dass die meiste klassische Musik dabei auf der Strecke bleibt. Klassische Musik ufert in alle Richtungen aus. Sie hat eine große Dynamik, eine große Länge, verlangt nach einer großen Konzentration und ist auch auf eine bestimmte Weise gemischt, die die Umgebung verbietet.

Sven Helbig

Mit seinen "Pocket Symphonies" habe er versucht, Stücke zu komponieren, die sich ihrer neuen Hörumgebung anpassen. "Kein Stück dauert länger als vier Minuten", sagt Helbig. "Sie sind in der Dynamik eingeschränkter, funktionieren genau wie Popsongs." Damit wolle er deutlich machen, welche Intensität und Kraft klassische Musik entfalte, wenn sie maximal verdichtet werde.

Auf dem Album befinden sich insgesamt zwölf Titel. Das entspricht dem allgemeinen Format eines Pop- oder Rock-Albums. Jede dieser sinfonischen Miniaturen umfasst ein anderes thematisches Spektrum, von heiter über witzig bis traurig. Helbig will damit deutlich machen, welche Intensität und Kraft klassische Musik entfalten kann, wenn sie maximal verdichtet wird.

Sven Helbig geht ungewöhnliche Wege

Sven Helbig ist bekannt dafür, ungewöhnliche Wege in der Musik zu gehen. Deshalb versucht er auf seinem neuen Album, moderne Hörgewohnheiten mit Klassik zu verbinden. Am 22. Februar feierte "Pocket Symphonies" sein Album-Release, am 25. Februar eine grandiose Uraufführung im Dresdner Albertinum: Unter der Leitung von Chefdirigent Kristjan Järvi spielten die Musiker des Fauré Quartetts zusammen mit dem MDR SINFONIEORCHESTER.

Zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2016, 12:23 Uhr