MDR Konzerte

"Cloud Atlas" : Tom Tykwer – zwischen Notenpult und Kamera

Filmstopp im MDR Studio am Leipziger Augustusplatz! In diesen Tagen ist Regisseur und Komponist Tom Tykwer zu Gast. Unter der Leitung des künftigen Chefdirigenten Kristjan Järvi spielen das MDR SINFONIEORCHESTER und der MDR RUNDFUNKCHOR die Musik zu Tykwers neuem Film "Cloud Atlas" ein. Kinostart ist Ende 2012.

Kristjan Järvi mit Tom Tykwer und Musikern im Studio am Augustusplatz

Es ist kurz nach fünf, als Tom Tykwer durch den Gang eilt. Der Zeitplan sei knapp, sagt er, in zwanzig Minuten müsse er zurück. Der gebürtige Wuppertaler ist ziemlich groß, trägt einen schwarzen Pullover und lockig, leicht graumeliertes Haar. Neben ihm stehen Reinhold Heil und Johnny Klimek, zwei Filmkomponisten, mit denen Tykwer seit mehreren Jahren die Musik für seine Produktionen schreibt. Tykwer, der durch Filme wie "Lola rennt" oder "Das Parfüm" bekannt wurde, führt aber nicht nur Regie, er komponiert auch die Musik. Sobald die erste Drehbuchfassung steht, geht es los – noch vor Drehbeginn! "Man ist dadurch viel freier", erklärt Tykwer. Es gäbe weder Bilder, auf die der Takt passen müsse, noch Schnitte, die vorgeben, in welchem Tempo die Musik stehen solle. "Wir komponieren Musik, die mit Assoziationen und Bildern spielt. Das inspiriert die Dreharbeit insofern, als dass man ganz konkrete Ideen für Einstellungen bekommt, für Farben, und sogar für Schauspieler."

Auch für sein aktuelles Filmprojekt "Cloud Atlas" hat Tykwer auf diese doch eher unkonventionelle Arbeitsweise zurückgegriffen. Für ihn und seine zwei Kollegen ist diese Variante die einzig richtige. Sie macht es möglich, dass Bild, Ton und Filmidee fest ineinandergreifen. "Tom hat eine ziemlich genaue Vorstellung von dem, was er will", wirft Johnny Klimek ein. "Noch vor Drehbeginn haben wir mindestens zwei Stunden Musik, mit denen wir vor Ort testen können, ob und wie sie funktioniert. Natürlich arbeiten wir dadurch zehnmal länger als gewöhnlich, aber es kommt immer ein wunderbares Ergebnis heraus."

Für den Film ist die Musik zentral

Im Sommer 2011 war Tykwer für die ersten musikalischen Ideen zu "Cloud Atlas" schon einmal in Leipzig. Damals stand der künftige Chefdirigent Kristjan Järvi am Pult und dirigierte das MDR SINFONIEORCHESTER und den MDR RUNDFUNKCHOR. Kurz darauf ging es ans Drehset, u.a. in die Filmstudios in Potsdam Babelsberg. "Für Schauspieler wie Tom Hanks oder Halle Berry war das einfach eine tolle Herangehensweise für diesen Film", schwärmt Tykwer. Wie die meisten ihrer Kollegen kennen sie es eher andersherum. Dass erst gedreht wird und dann die Musik dazu kommt. "Für sie ist es einfach toll gewesen, Musik in Situationen zu hören, in denen sie sonst nichts haben."

"Cloud Atlas", zu Deutsch "Wolkenatlas" basiert auf dem gleichnamigen Roman des britischen Schriftstellers David Mitchell. Mitchell erzählt darin sechs Geschichten, die, so unabhängig sie zunächst scheinen, am Ende zu einem großen Ganzen verschmelzen. Sie führen den Leser durch 1.000 Jahre Zeitgeschichte und greifen dabei Themen wie die sich verändernde Umwelt und die Reinkarnation auf. Anfangs dachten viele Filmkritiker, dass sich Tykwer mit diesem literarischen Stoff keinen Gefallen tun würde, dass er unverfilmbar wäre. Doch der Regisseur sah das anders, er liebt Herausforderungen: "'Cloud Atlas' ist ein Buch, das so viele Aspekte hat und das so reich und unglaublich voll an Ideen ist. Zugleich ist es aber auch filmisch. Wenn man das Buch liest, merkt man, dass es ganz offensichtlich vom Film beeinflusst ist, und wir haben versucht diese Spur aufzunehmen."

Wie diese Spur genau aussieht und was den Kinobesucher in "Cloud Atlas" erwartet, will Tykwer noch nicht verraten. Und so lenkt er die Aufmerksamkeit zurück zur Filmmusik.  "Für den Film ist die Musik zentral. Der Film hat ein breit angelegtes Epos. Die Musik ist   existentiell notwendig, um all die Geschichten und Ideen, die er mit sich bringt, zusammenzuschweißen."

Heute, knapp ein Jahr nach der ersten Einspielung der Filmmusik, ist Tom Tykwer mit dem fertigen Filmmaterial zurück in Leipzig. Noch einmal wird aufgezeichnet, diesmal exakt auf die einzelnen Bilder, ihre Stimmung und ihre Bedeutung für das Gesamtwerk abgestimmt.

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