Kammermusik-Ensembles

MDR-Kammermusik-Ensembles : Sortisatio

Matthias Sannemüller und Axel Andrae im Gespräch

Der Neuen Musik widmet sich das Ensemble Sortisatio. In einer weltweit einzigartigen Besetzung aus Bratsche, Oboe, Fagott und Gitarre spielt das Quartett hauptsächlich Stücke, die speziell für diese Kammermusik-Variante komponiert wurde. Bratschist Matthias Sannemüller und Fagottist Axel Andrae über das Ensemble.

Was ist das Besondere an Ihrem Ensemble?

Das Kammermusik-Ensemble Sortisatio
Das Kammermusik-Ensemble Sortisatio

Matthias Sannemüller: Man muss fast sagen, leider ist es immer noch etwas Besonderes, wenn man sich mit zeitgenössischer Musik beschäftigt. Wir von Sortisatio glauben aber, dass das zum Musikerleben einfach dazu gehört. In allen Zeiten haben Musiker neue Musik gespielt, nur in unserer Zeit ist es scheinbar immer noch etwas Besonderes.

Axel Andrae: Und natürlich ist auch unsere Besetzung sehr ungewöhnlich. Immer wieder hören wir die Frage, ob dies denn funktionieren kann: Oboe, Fagott, Bratsche und Gitarre? Die Kombination ist in der Tat speziell, aber natürlich funktioniert es. Obwohl die Instrumente recht unterschiedlich sind, entsteht ein schöner, ansprechender, eher dunkler Zusammenklang.

Matthias Sannemüller: Das hat natürlich auch Einfluss auf die Stücke die wir spielen. Denn von Auswahl kann da keine Rede sein. Bevor wir uns gegründet haben, gab es keine Stücke für diese Besetzung. Deshalb fragen wir Komponisten, ob sie für uns schreiben wollen. Mittlerweile gibt es ca. 100 Stücke.

Wie, wann und wo ist das Ensemble entstanden?

Matthias Sannemüller: Da muss ich etwas ausholen. 1970 hat sich im Rundfunkorchester eine Gruppe "Neue Musik Hanns Eisler" gegründet. Sie hat 22 Jahre zusammen gespielt. 1992, bei der Auflösung, war ich der Jüngste in der Gruppe und dachte, das hat mir soviel Spaß gemacht, das will ich weitermachen. Ich habe meine Kollegen gefragt, wer Lust hat, Neue Musik zu spielen, und da kamen Axel Andrae, Thomas Blumenthal und Walter Klingner zu mir. Ein bisschen war also auch Zufall dabei, deshalb auch unser Name. Sortisatio heißt "zufällig". Und so haben wir am 13. September 1992 in Burgchemnitz unser erstes Konzert gespielt. Damals war es noch eine Mischung aus Alter und Neuer Musik. Unter anderem stand Barockmusik mit auf dem Programm.

Axel Andrae: Zum Beispiel die herrliche c-moll Triosonate von Telemann, original für Oboe, Bratsche und Basso continuo, im weiteren Sinn der Besetzung von Ensemble Sortisatio. Denn in der Barockzeit waren Fagott und Gitarre bzw. Laute gebräuchliche Basso continuo Instrumente. Anfangs haben wir neben der Barockmusik auch oft zeitgenössische Stücke für freie Besetzung gespielt.

Matthias Sannemüller: Bis irgendwann der Punkt kam, an dem wir entschieden haben: Wir spielen nur noch Neue Musik. Damit liegen wir genau richtig, wie ich finde, denn so oft hört man die nicht. Irgendwann schickte mir der französische Komponist Jean-Luis Petit ein Stück "Sortisatio 1", das er genau für unsere Besetzung geschrieben hatte, obwohl wir uns gar nicht kannten. Das blieb aber das einzige Stück, das ohne unser Zutun entstanden ist, denn auf unsere Besetzung kommt man einfach nicht so leicht.

Wie oft und wo konzertieren Sie?

Matthias Sannemüller: Wir treten relativ wenig auf, denn es gibt keine sehr große Nachfrage nach unserer Besetzung und nach Neuer Musik. Leute, die in unsere Konzerte kommen, haben sich bewusst für diese Musik entschieden. Aber durch die Bekanntschaft mit dem Schweizer Komponisten Jean-Luc Darbellay haben wir in der Schweiz immer mal wieder kleinere Konzertreisen. Auch eine CD-Produktion ist dort geplant. Für das Programm hatten sich Komponisten Bilder von Paul Klee zur Vorlage genommen. Mittlerweile sind über 20 Kompositionen entstanden. Letztes Jahr waren wir in Hongkong bei einem Festival für zeitgenössische Musik. Dort haben wir auch ein Paul-Klee-Programm gespielt.

Axel Andrae: Eigentlich sind wir eine Art Projektensemble. Oft ist nach einer CD-Produktion oder Konzertreise erst einmal ein paar Monate Pause. Mit dem Paul-Klee-Programm haben wir eine interessante Konzertform gefunden, bei der neben der Musik die Bilder eine große Rolle spielen. Sie werden bei diesen Konzerten als Reproduktion gezeigt. Ich glaube, diese Art Konzert verhilft zum besseren Verständnis und zum Abbau von Berührungsängsten vor Neuer Musik.

Matthias Sannemüller: Dabei sind die gar nicht nötig. Man muss einfach Spaß daran haben, Musik zu hören. Den Komponisten Friedrich Goldmann habe ich mal gefragt, was man tun kann, wenn man gar keinen Zugang findet und da sagte er: 'Hör doch einfach erstmal zu.' Und das stimmt. Auch bei Mozart muss man erst mal zuhören. Natürlich muss man gutwillig sein und nicht gleich die Tür zuschmeißen, wenn es einem mal nicht gefällt. Sicher hilft es, sich damit zu beschäftigen, aber das gilt schließlich für alle Künste.

Was waren die bisherigen Höhepunkte Ihrer musikalischen Zusammenarbeit?

Matthias Sannemüller: Natürlich ist jedes Konzert ein Höhepunkt. Gerade wenn man nicht so oft spielt.

Axel Andrae: Für mich waren die beiden Paul-Klee-Projekte unsere Höhepunkte. Einmal haben wir in Bern sogar vor Originalen von Paul Klee gespielt – ein unvergessliches Konzert. Auch an ein erfolgreiches Konzert beim MDR MUSIKSOMMER erinnere ich mich gern. Außerdem haben wir zwei CDs aufgenommen und die dritte ist bereits in Planung.

Matthias Sannemüller: Das Konzert in Hongkong 2009 war für mich sehr spannend, weil wir vorher mit den Komponisten nicht sprechen konnten. Erst dort hatten wir am Vorabend des Konzertes Zeit, uns mit ihnen auszutauschen. Und obwohl wir unterschiedliche Sprachen gesprochen haben, auch musikalisch, lief das alles sehr harmonisch ab und es war ein tolles Ereignis.

Zuletzt aktualisiert: 03. Juni 2010, 13:34 Uhr

Ensemble Sortisatio - Die Mitglieder:

Axel Andrae, Fagott
Thomas Blumenthal, Gitarre
Walter Klingner, Oboe
Matthias Sannemüller, Bratsche

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