MDR KINDERCHOR

Ulrich Kaiser im Gespräch : Der MDR KINDERCHOR hat einen Neuen

Sympathisch kommt er daher, der frisch gebackene Kinderchorchef Ulrich Kaiser. Er betritt seinen Lieblingscoffeeshop in Hamburg Rotherbaum, bestellt sich einen Latte Macchiato Caramel, extra heiß. Sehr oft sei er hier gewesen, in den letzten neun Jahren. Gleichzeitig fragt er, ob es auch in Leipzig gute Coffeeshops gäbe. Natürlich! Statt einen Keks gab es zum Kaffee diesmal ein paar Fragen. Anja Rieger hat den neuen MDR-Kinderchorchef in Hamburg getroffen.

Herr Kaiser, warum haben Sie sich für einen Kinderchor und keinen Erwachsenenchor entschieden?

Ulrich Kaiser
Ulrich Kaiser

Am Kinderchor finde ich die direkte und unverblümte Ansprache toll. Kinder und Jugendliche sagen direkt, was sie denken. Umgekehrt sage auch ich dem Chor direkt, was ich denke. Ich genieße es, dass Kinder und Jugendliche mich spüren lassen, ob etwas passt oder nicht, ob sie etwas langweilt oder fordert. Auf dieser ehrlichen Ebene zu kommunizieren, ist großartig. Das macht mir richtig Spaß.

Welches Ziel verfolgen Sie mit dem MDR KINDERCHOR?

Ich möchte ein Chorleiter sein, der einer Chorschule vorsteht, die erstklassige Arbeit leistet. Ich möchte eine professionelle und fundierte Ausbildung für die Kinder und Jugendlichen anbieten, sowohl im künstlerischen als auch im pädagogischen Bereich.

Der MDR KINDERCHOR spielt die CD zum Felix-Liederbuch ein.
Der MDR KINDERCHOR bei einer CD-Aufnahme im MDR-Klangkörper-Domizil am Leipziger Augustusplatz.

Ich bin jemand, der versucht, den Chor weiterzuentwickeln. Es wäre toll, wenn es mir gelingt, alle mitzunehmen, die mit und an dem Chor arbeiten: Das sind Stimmbildner, Choristen, Eltern und Mitarbeiter. Es würde mich sehr freuen, wenn da eine Atmosphäre entsteht, dass wir alle jeden Tag den Chor ein Stück voranbringen. Ich bin niemand, der stehen bleibt. Ich gehe ungern ein Stück zurück. Ich möchte immer vorwärts gehen. Genau diese Atmosphäre möchte ich gerne schaffen. Ich möchte das Gefühl vermitteln: Wir können noch mehr. Ich möchte eine Chorschule schaffen, die eine Adresse ist – in erster Linie im Sendegebiet und vielleicht sogar in ganz Deutschland.

Und was heißt, ein professioneller Chorleiter zu sein?

Vielfältig sein. Erstklassige sängerische Ausbildung anbieten. Bescheid zu wissen: Was passiert in der Chorprobe? Was passiert in der Stimmbildung? Was passiert in der Musiklehre? Ein Ziel von mir ist, dass alle, die die Chorschule durchlaufen haben, in der Lage sind, mit dem Gelernten - wie zum Beispiel Notenlehre, Rhythmus, Harmonielehre - Aufnahmeprüfungen an den Musikhochschulen zu bestehen. Ein weiteres Ziel für mich ist eine gute innere Harmonie des Chors zu schaffen. Die menschliche Atmosphäre während und zwischen den Proben: Wie gehen ältere mit jüngeren Choristen um, wie gehen stärkere mit schwächeren um. Darüber hinaus heißt es für mich, mit Erfolgen und auch Misserfolgen gut umzugehen.

Wie wollen Sie den Chor motivieren?

Ich bin neben meiner Dirigententätigkeit auch Dozent für Chorleiter. Es gibt keinen Trick, den ich verraten könnte. Ich glaube, Chorleiter zu sein, ist in erster Linie eine Einstellungssache.

Wenn man die Arbeit wirklich gerne macht und nicht nur als Job versteht, sondern als Berufung; wenn man früh aufwacht und denkt "Super, heute kann ich wieder vor meinen Chor gehen und dieses tolle Stück üben", dann muss man sich schon blöd anstellen, damit dieser Funke nicht überspringt. Man muss es selbst so empfinden, für sich selbst das Gefühl entdeckt haben und dann mit dem Chor teilen.

* 1973 in Dresden geboren
* Musikalische Ausbildung beim Dresdner Kreuzchor
* Mit 14 Jahren Assistent des Kreuzkantors
* Studium Schulmusik, Chor- und Orchesterleitung
* Ausbildung als Kirchenmusiker
* Mitglied des Windsbacher Knabenchors
* Gründung des Amadeus-Kammerorchesters Berlin
* Gründung des Amadeus-Chors Berlin
* Ab 2003 Künstlerischer Leiter des Neuen Knabenchors Hamburg

Ausgewählte Lebensstationen Ulrich Kaisers

Und wie sind Sie so als Chorleiter?

Meine gesamte Kindheit und meine frühe Erwachsenenzeit habe ich als Chorist verbracht, die Hälfte meines Lebens habe ich gesungen – das habe ich nicht vergessen. Daher kann ich bei vielen Fragen, die ich als Chorleiter entscheide, nachvollziehen, wie ich als Sänger empfinden würde. Ich versuche so zu sein, wie ich mir meinen Chorleiter selbst gewünscht habe.

Welche Verbindung haben Sie zu Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen?

Ich bin in Dresden geboren und dort auch aufgewachsen. 18 Jahre habe ich in Dresden gelebt. Ich bin im Internat des Dresdner Kreuzchors groß geworden. Insofern habe ich seit Kindertagen eine sehr intensive musikalische Ausbildung hinter mir. Dann war ich ein paar Jahre außerhalb Sachsens tätig. Jetzt komme ich wieder zurück und das ist ein schönes Gefühl.

Eine Probe hatten Sie bereits: Wie war Ihre erste Begegnung mit den Kindern?

Ich habe einen ganz lebendigen Chor vorgefunden. Einige haben sich ganz mutig an mich herangetraut und mir den ein oder anderen Tipp gegeben. Jetzt weiß ich: Ein Haustier zu haben, wäre gut und einen Schnurbart sollte ich mir lieber nicht wachsen lassen.

Wie stellen Sie sich Ihren ersten Arbeitstag vor?

Ehrlich gesagt: Ich kann kaum erwarten, bis es losgeht. Ich bin schon jetzt nervös und aufgeregt. Wir fahren an meinem ersten Arbeitstag nach Schmannewitz ins Probenlager. Am Tag selbst reise ich aus Hamburg an, der Bus startet in Leipzig. Ich werde einfach auf den Bus zugehen und dann mal gucken, was passiert. 

Gibt's schon Pläne für die nächsten Konzerte?

Das erste Ziel ist die 3. Sinfonie von Gustav Mahler zum Saisonstart. Im Herbst beginnen wir mit den Vorbereitungen für die Weihnachtskonzerte. In den nächsten Tagen werde ich diese Konzerte angehen. Ich werde versuchen, programmatisch auch eigene Akzente zu setzen. Doch lieben die Kinder einige Stücke und die dürfen und sollen sie auch weiter singen. Ich werde nicht den Fehler machen, weder an meinem ersten, zweiten oder irgendeinem anderen Arbeitstag, aus Prinzip alles anders zu machen.

Was ist Ihr künstlerischer Anspruch?

Eine breite chorische Ausbildung anbieten. Soll heißen: Kinder und Jugendliche wollen motiviert und künstlerisch gefördert werden. Sie wollen nicht nur abhängen oder chillen, sie wollen unbedingt etwas schaffen. Sie wollen besser werden. Wenn wir das gemeinsam angehen, dann haben wir eine tolle Chance, den Chor künstlerisch nach vorn zu bringen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zuletzt aktualisiert: 04. August 2011, 10:32 Uhr

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