MDR Konzerte

Nachtgesang | 25.05.2012 | 22:00 Uhr | Leipzig, Peterskirche : "Nachtgesang" über Vergänglichkeit und Auferstehung

Zum Auftakt des alljährlich stattfindenden "Wave-Gotik-Treffens" in Leipzig widmet sich der "Nachtgesang" im Mai den Themen Tod und Auferstehung. Zur Aufführung kommen das "Requiem" von Johannes Ockeghem und die Komposition "Lux aeterna" des gebürtigen Rumänen György Ligeti, der zur musikalischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts zählt.

MDR RUNDFUNKCHOR in der Leipziger Peterskirche.

Wenn am Freitag vor Pfingsten der letzte Nachtgesang in dieser Spielzeit unter der Überschrift "Totenmesse" steht, dann liegt eine inhaltliche Verbindung nahe zum "Wave-Gotik-Treffen", das seit Anfang der 1990er-Jahre Besucher aus der ganzen Welt nach Leipzig lockt. Mehr als 20.000 Anhänger der sogenannten "Schwarzen Szene" sollen es mittlerweile sein, die jährlich in fantasievollen, sinnlichen Roben nach Leipzig pilgern und die Stadt für ein Wochenende in betörenden Patchoulie-Duft hüllen. Die neoromantische Haltung der Gothics, Vergänglichkeit und Tod demonstrativ und radikal individuell ins Bewusstsein zu rücken, war ausschlaggebend für ein Programm, das den musikalischen Bogen von gregorianischen Gesängen zu modern vertonten Auferstehungsgedanken schlägt.

Faszinierende Klangwelt aus dem Mittelalter

Johannes Ockeghems "Requiem", entstanden Mitte des 15. Jahrhunderts, ist die älteste erhaltene mehrstimmige Totenmesse. Nur mit Männerstimmen besetzt, präsentiert das auf gregorianischen Chorälen basierende, mitunter archaisch wirkende Werk verschiedene kompositorische Techniken der Frührenaissance sowie vielfältige Verfahren der Stimmführung. Das in Ockeghems Musik eindrucksvoll verwirklichte Ideal eines nahezu ununterbrochenen Klangflusses und die sich ständig verändernden Motive werden oft auch mit der in den Niederlanden zu dieser Zeit aufblühenden Mystik in Verbindung gebracht und bieten ein heute zwar ungewohntes, aber äußerst faszinierendes Hörerlebnis.

Ewiges Licht für die Verstorbenen

György Ligeti
Der Komponist György Ligeti

Die polyphone Kunst Ockeghems inspirierte auch den bekennenden Atheisten György Ligeti, der mit seiner Komposition "Lux aeterna luceat eis, Domine" für 16-stimmigen gemischten Chor um ewiges Licht für die Toten bittet. Dieter Schnebel, Komponistenkollege und Theologe, schrieb zu dem Werk: "Die gleichsam endlosen Anrufungen des Beginns und das Absterben der Klänge gegen den Schluss verwischen die zeitlichen Grenzen der Musik: Das Stück endet nicht, sondern verschwindet in der Ferne, aus der es kam, also auch die Ewigkeit bedeutend, von der es singt." Dazu passt, dass Ligeti die einzelnen Stimmen zu fast befremdlich wirkenden Clustern überlagert und gänzlich auf Melodien oder Taktangaben verzichtet. Die dadurch entstehende intensive Klangwelt, erregend und verstörend zugleich, endet in einer transzendenten Stille.

Ligetis atonales Klangspiel faszinierte nicht zuletzt  auch Stanley Kubrick, der Auszüge aus den Kompositionen "Atmosphères", "Lux Aeterna" und dem "Requiem" als Filmmusik für sein Weltraum-Epos "2001 - Odyssee im Weltraum" auswählte und dem Komponisten damit zu Weltruhm verhalf.

Howard Arman über den "Nachtgesang"

Zum "Nachtgesang" singt der MDR RUNDFUNKCHOR u.a. das älteste überlieferte Requiem von Johannes Ockeghem. Chordirektor Howard Arman stellt das Programm vor.

22.05.2012, 10:32 Uhr | 01:44 min

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2012, 11:13 Uhr

Der Eintritt zum "Nachtgesang" ist frei!

Programm:

György Ligeti: Lux aeterna
Johannes Ockeghem: Requiem

Mitwirkende:

MDR RUNDFUNKCHOR
Howard Arman | Dirigent

Der Leipziger "Nachtgesang"

In jeweils drei Konzerten pro Spielzeit sind beim "Nachtgesang" A-capella-Werke aus beinahe einem Jahrtausend Musikgeschichte zu hören, gregorianische Gesänge ebenso wie zahlreiche Uraufführungen. Diese künstlerische Bandbreite auf höchstem Niveau macht die Veranstaltung zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Leipziger Musiklebens. Dem Veranstaltungsort - der Peterskirche in Leipzig - fühlt sich der MDR RUNDFUNKCHOR in besonderer Weise verpflichtet. Seit nunmehr sieben Jahren bietet die Kirche den atmosphärisch reizvollen Rahmen für die "Nachtgesänge".

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