Konzert | 16.12.2012 | 11:00 Uhr | Leipzig, Gewandhaus : Zum Geburtstag von Julius Rietz
Julius Rietz bewunderte den nur drei Jahre älteren Felix Mendelssohn Bartholdy sehr, nicht nur als Komponist, sondern auch als Mensch. Und auch Mendelssohn Bartholdy erkannte Rietz’ musikalisches Talent. Er verhalf ihm zu einem Job als Dirigent am Düsseldorfer Theater und holte ihn später nach Leipzig. In Andenken an den 200. Geburtstag von Rietz spielt das MDR Bläserquintett zusammen mit dem MDR SINFONIEORCHESTER am 16. Dezember sein "Konzertstück für Bläserquintett und Orchester".
Julius Rietz ist heute eher unbekannt. Viele seiner Noten schlummern in Archiven und privaten Sammlungen. Zu Unrecht, meinen viele Wissenschaftler und Musiker heute. Seinerzeit machte er sich vor allem als Dirigent und Herausgeber einen Namen, lehrte in Dresden und Leipzig an der Hochschule für Musik.
Die Musik seines Zeitgenossen Felix Mendelssohn Bartholdy schätzte Rietz sehr, kein Wunder, dass sein eigenes kompositorisches Schaffen dem Werk des berühmten Gewandhauskapellmeisters ähnelt. Carsten Sprenger, Solo-Flötist beim MDR SINFONIEORCHESTER und im MDR Bläserquintett, ist stolz darauf, ein lange Zeit als verschollen geglaubtes Werk von ihm spielen zu dürfen: "Zumal er ja auch viel mit Leipzig zu tun hatte." Julius Rietz war von 1847 bis 1854 Theaterkapellmeister und Leiter der Singakademie, später stand er wie Mendelssohn Bartholdy hinter dem Dirigentenpult des Gewandhauses.
Schmetternde Polonaise
Rietz' Konzertstück stehen im Matineekonzert zwei sehr bekannte Werke gegenüber: Carl Maria von Webers Ouvertüre zu "Der Freischütz" und Peter Tschaikowskis 3. Sinfonie. Letztere nimmt eine besondere Stellung im sinfonischen Schaffen des russischen Komponisten ein. Sie war der Ausgangspunkt auf der Suche nach neuen musikalischen Wegen. Mit der Anlehnung an westliche Vorbilder wie Schumann oder Schubert und dem Weglassen volkstümlicher Melodien machte Tschaikowski einen wichtigen Schritt in seinem Sinfonieschaffen. Die idyllische Romanze des dritten Satzes bildet das Zentrum und führt mit dichten Melodiebögen zum Höhepunkt. Das lebhafte Finale mit einer schmetternden Polonaise gab Tschaikowskis 3. Sinfonie den Beinamen "Polnische".
Musiker aus Leidenschaft
Die Leitung von MDR SINFONIEORCHESTER und MDR Bläserquintett übernimmt in diesem Konzert Michael Sanderling. Der 1967 geborene Dirigent und Cellist war Preisträger zahlreicher Wettbewerbe, u.a. gewann er den 1. Preis beim internationalen Maria Callas Wettbewerb in Barcelona. Als Solist stand er mit namhaften Orchestern wie den Wiener Symphonikern auf der Bühne, bis er schließlich selbst den Taktstock in die Hände nahm. 2000 debütierte er als Dirigent mit dem Kammerorchester Berlin und reist seitdem durch Deutschland. Heute ist er Chefdirigent der Dresdner Philharmonie.
Das Bläserquintett hat in Leipzig eine langjährige Tradition. Schon 1946 gründete sich das erste Ensemble aus Mitgliedern des damaligen Rundfunksinfonieorchesters. Seit 1995 gibt es das MDR Bläserquintett mit fünf Bläser-Solisten, die sich neben der Arbeit im MDR SINFONIEORCHESTER zur Kammermusik zusammenfinden. Zur aktuellen Besetzung gehören Christian Sprenger (Querflöte), Norbert Strobel (Oboe), Matthias Haller (Klarinette), Max Hilpert (Horn) und Axel Andrae (Fagott). Vor allem die Pflege zeitgenössischer Kompositionen haben sich die fünf Musiker zur Aufgabe gemacht, was die Aufführung eines Stückes aus dem 19. Jahrhundert aber nicht ausschließt.
Die MDR KLASSIK Matineekinder
Wie bei jedem Matineekonzert des MDR sind auch diesmal wieder Kinder zwischen sechs und zehn Jahren zu einer musikalischen Entdeckungsreise eingeladen - am 16. Dezember zu dem Thema "Am Anfang war das Horn". Da im ersten Konzertteil jede Menge Bläsermusik zu hören sein wird, gehen Musikvermittler Ekkehard Vogler und die Matineekinder auf eine Spurensuche. Wer hätte gedacht, dass der Ursprung dieser Instrumente auf Tierhörner zurückgeht?
Die Matineekinder treffen sich in der Konzertpause am Infostand des MDR im Gewandhaus-Foyer. Die Anmeldung dafür erfolgt unter clara@mdr.de.
Konzerteinführung:
Mehr über Künstler, Komponisten und Werke erfahren Interessierte in einer Konzerteinführung um 10:15 Uhr im Schumann-Eck.
Konzertprogramm:
Carl Maria von Weber: Ouvertüre zur Oper " Der Freischütz"
Julius Rietz: Konzertstück für Bläserquintett und Orchester op. 41
Peter Tschaikowski: Sinfonie Nr. 3 D-Dur op. 29
Mitwirkende:
MDR SINFONIEORCHESTER
MDR Bläserquintett
Michael Sanderling | Dirigent
