MDR RUNDFUNKCHOR

20 Jahre MDR : Konzepte für heute – Visionen für morgen

Ein Beitrag von Rüdiger Koch (Bass)


Rüdiger Koch singt Bass im MDR RUNDFUNKCHOR

Umbrüche und Aufbrüche hat es in der 86-jährigen Geschichte des Leipziger Rundfunkchores einige gegeben. Doch kein Übergang verlief reibungsloser als der zum Chor des Mitteldeutschen Rundfunks am 1. Januar 1992. So waren die Chormitglieder, die sich am 31. Dezember 1991 nach der traditionellen Aufführung von Beethovens 9. Sinfonie unter Kurt Masur voneinander verabschiedeten, mit wenigen Ausnahmen die selben, die nur einen Tag später unter anderem mit dem "Wach auf! – Chor" aus den Meistersingern die Gründung des Mitteldeutschen Rundfunks bejubelten! Mehr noch: Die Zahl der besetzten Stellen wurde gar um drei erweitert!

In der Rückschau erweist sich die Entscheidung von Gründungsintendant Dr. Udo Reiter und Chordirektor Gert Frischmuth als absolut richtig, den Leipziger Rundfunkchor in den MDR zu überführen und – zusammen mit dem MDR SINFONIEORCHESTER – als eine tragende Säule der Leipziger Rundfunkmusik zu erhalten und zu nutzen.

Abschiede und neue Bekanntschaften

Freilich gab es auch Veränderungen in der musikalischen Arbeit. Die lange und fruchtbare Zusammenarbeit mit Peter Schreier als Dirigent ließ langsam nach und schlief ganz ein. Das "Traumpaar" auf dem Tonträgermarkt, der Rundfunkchor Leipzig und die Staatskapelle Dresden, fanden etwa 15 Jahre lang nicht mehr zusammen – und begegnen sich erst seit Kurzem wieder neu. Dafür gab es neue "Lieben", so zu Claudio Abbado, Enoch zu Guttenberg, Neeme Järvi, Roger Norrington, Marcello Viotti oder Fabio Luisi, um nur einige zu nennen. Auf Reisen in viele europäische Länder trug das Ensemble die drei Buchstaben M, D und R in die Welt und wirkte so als Botschafter Mitteldeutschlands und seines neuen Senders. Doch auch die Präsenz in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, also im Sendegebiet des Mitteldeutschen Rundfunks, nahm zu. Was wäre beispielsweise der MDR MUSIKSOMMER ohne den MDR RUNDFUNKCHOR?

Tradition und Vision im Einklang

Neu und bereichernd waren auch die Kontakte zu anderen ARD-Sendern. So gibt es wohl kaum ein Orchester und kaum einen Chor aus dem Bereich der ARD, bei dem der MDR RUNDFUNKCHOR nicht zu Gast war. Neu war mit Howard Arman auch ein Chordirektor, der das Repertoire erweiterte, nicht nur hin zu englischsprachigen Werken. Für eine Einspielung von Rachmaninows "Vespers" op. 37 erhielt das Ensemble einen Echo-Klassik-Preis. Neu und erfolgreich war ebenso die von Howard Arman ins Leben gerufene Konzertreihe "Nachtgesang". Und schließlich sei erwähnt, dass die bis 1985 regelmäßig vom Rundfunkchor Leipzig veranstalteten Schülerkonzerte mit dem CLARA-Projekt beim MDR ihre Auferstehung erleben konnten.

20 Jahre MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK und 20 Jahre MDR RUNDFUNKCHOR Leipzig machen deutlich, dass dauerhafter Erfolg dreierlei benötigt: solide, tragfähige Konzepte in der Gegenwart, mutige Visionen für die Zukunft und ein bodenständiges Verwurzeltsein in der Tradition.

Zuletzt aktualisiert: 31. Mai 2011, 15:47 Uhr

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