Konzert | 27.01.2013 | 19:30 Uhr | Leipzig, Gewandhaus : Junger Geigenstar und Erstaufführung
Klanglich schön, musikalisch beeindruckend aber auch technisch höchst anspruchsvoll sind die beiden Stücke, mit denen sich die vor allem in Großbritannien und den USA geschätzte Geigerin Nicola Benedetti dem Leipziger Publikum vorstellt: "Tzigane" von Maurice Ravel und Ernest Chaussons "Poème". Außerdem erleben die Besucher des "Zauber der Musik"-Konzerts eine deutsche Erstaufführung: "Mithra" des iranischen Komponisten Behzad Ranjbaran. Das MDR SINFONIEORCHESTER leitet Miguel Harth-Bedoya, der mit dem Klangkörper schon vor zwei Jahren erfolgreich zusammenarbeitete.
Wenn man Nicola Benedetti fragt, ob sie als Kind Geigerin werden wollte, sagt sie: "Ich wusste gar nicht, was ein Geiger ist." Aber: "Meine Schwester spielte dieses Instrument und ich wollte so sein wie sie", sagt die 25-Jährige, die dabei feststellte, wie schön der Geigenklang ist. Zum Glück. Denn so kann das Publikum heute die junge Virtuosin auf den Podien sehen und ihrem Spiel lauschen. In Großbritannien und Amerika ist Nicola Benedetti längst ein Star, in Deutschland allerdings auch kein Geheimtipp mehr. Neben ihren eigenen Konzerten machte sie ein Auftritt bei der jüngsten BBC Last Night of the Proms einem Millionenpublikum vor dem Fernseher bekannt.
Nicola Benedetti entlockt ihrer Geige - immerhin eine Stradivari, deren Wert auf 6,3 Millionen Britische Pfund geschätzt wird - die schönsten Töne. Das Besondere an dem Instrument: Ein Bankier aus London finanzierte es der jungen Solistin. Einzige Bedingung: Sie muss für den edlen und finanzkräftigen Klassik-Liebhaber und dessen Freunde einige Privatkonzerte im Jahr geben. Im Gewandhaus spielt die Schottin mit italienischen Wurzeln auf dieser Stradivari zwei anspruchsvolle Stücke: "Tzigane" von Maurice Ravel und Ernest Chaussons "Poème".
Jubilieren und lachen
In Maurice Ravels "Tzigane" kann die Geige seufzen, jubilieren, klagen und lachen. Viele Klangfarben weckt die Komposition, die stark an die romantischen Zigeunerklischees eines Brahms und Liszt erinnern. Hier ist die Solistin gefordert. Gilt doch das Stück nicht nur als populär, sondern auch als äußerst anspruchsvoll im Bereich der virtuosen Geigenliteratur. "Tzigane", ursprünglich für Geige und Luthéal - ein den Klang verändernder Aufbau eines Konzertflügels - geschrieben, wird im Gewandhaus in der Orchesterfassung vorgetragen. Das Solo-Instrument hat in der ersten Hälfte viel Raum zur Entfaltung, da das begleitende Orchester pausiert.
Mit einem bittersüß-klagenden Lied setzt die Geige in Ernest Chaussons "Poème" nach einer Orchestereinleitung ein. Wie bei Ravel hat auch Chausson dem Soloinstrument einen virtuosen Part in seinem Stück eingeschrieben, das unverkennbar romantisch klingt. Das "Poème" ist ausdrucksstark und ebenfalls technisch höchst anspruchsvoll. Es wird in Geiger-Kreisen hochverehrt, vom Publikum geschätzt, zählt zu einem der populärsten Stücke des 19. Jahrhunderts im Bereich der Geigen-Literatur und wird auch von Nicola Benedetti gern gespielt.
Vertreter der persischen Musik
Im zweiten Teil des Konzertes erwartet das Publikum eine deutsche Erstaufführung: Der persische Komponist Behzad Ranjbaran hat mit "Mithra" ein Stück für Orchester geschrieben, in dem er den gleichnamigen iranischen Sonnengott zum Thema macht. Mithra kämpft gegen das Böse und steht für Liebe und Zuneigung. Das alles findet sich in der Musik Behzad Ranjbarans wieder. Der Komponist zählt zu einem der wichtigsten Vertreter der persischen Musik. Seine Werke sind beeinflusst von der Neo-Romantik des beginnenden 20. Jahrhunderts sowie persischer und anderer nicht westlicher Volksmusik.
Ebenfalls freuen dürfen sich die Konzertbesucher auf ungarisch-temperamentvolle Klänge in Antonín Dvoráks Konzertouvertüre "Husitská" und die Fantasie "Francesca da Rimini" von Peter Tschaikowski, geleitet vom peruanischen Dirigenten Miguel Harth-Bedoya. Er begeisterte vor zwei Jahren mit dem MDR SINFONIEORCHESTER das Publikum in Leipzig. Seine musikalische Karriere begann in den USA unter anderem an der Juilliard School in New York. Konzerte führten ihn in die Carnegie Hall und die Oper Sydney. Auch in Europa stand Harth-Bedoya am Pult, unter anderem in Dresden, Valladolid und London.
Konzerteinführung:
18:45 Uhr | Schumann-Eck des Leipziger Gewandhauses
Konzertprogramm:
* Antonín Dvorák: Husitská (Hussitenlied) Konzertouvertüre C-Dur op. 67
* Ernest Chausson: Poème für Violine und Orchester op. 25
* Maurice Ravel: Tzigane für Violine und Orchester
* Behzad Ranjbaran: Mithra (für Orchester)
* Peter Tschaikowski: Francesca da Rimini Fantasie e-Moll op. 32 - nach dem 5. Gesang des "Inferno" aus Dantes "Göttlicher Komödie"
Mitwirkende
MDR SINFONIEORCHESTER
Nicola Benedetti | Violine
Miguel Harth-Bedoya | Dirigent
Konzertkarten:
Karten für das Konzert erhalten Sie in der Ticketgalerie, an der Tickethotline unter Telefon: 0341 141414 sowie im MDR Ticketshop.
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