Hintergrund : Kontrollen auf der Autobahn
Zahlreiches Diebesgut wird unmittelbar nach der Tat ins Ausland gebracht. Das weiß auch die Polizei, die deshalb auch auf Autobahnen Jagd nach Tätern und gestohlenen Sachen macht. "Kripo live" war mit Fahndern aus Bautzen unterwegs.
Das Revier von Uwe Seeger und Sven Dynio ist die Autobahn A4. Die beiden Polizisten gehören zur sogenannten GFG, der gemeinsamen Fahndungsgruppe "Autobahn" der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien. Hier gehen Beamte der Landes- und der Bundespolizei gemeinsam auf Streife. Ihr Revier, das sind die knapp 100 Kilometer zwischen Ottendorf-Okrilla, östlich von Dresden, und der polnischen Grenze. Sie sind auf der Jagd nach gestohlenen Fahrzeugen, Diebesgut und Schmuggelware, fahnden aber auch nach illegalen Einwanderern und Schleußerbanden.
Mit der Grenzöffnung 2007 war die Einrichtung einer solchen Ermittlungseinheit notwendig geworden. "Das erste, was bei der europäischen Zusammenlegung geklappt hat, war die Verständigung zwischen den Tätern", erzählt Polizeihauptkommissar Seeger. Mit dem Wegfall der Grenzkontrollen gen Osten seien nicht nur die Diebstähle im grenznahen Bereich gestiegen, sondern auch der europaweite Transport von Diebesgut auf der A4.
Ein verdächtiger BMW
Im Laufe der Zeit haben die Beamten der Fahndungsgruppe einen Blick für Ungereimtheiten entwickelt – und sie wissen, welche Fahrzeuge aktuell im Osten Europas begehrt sind. So fällt ihnen auch ein BMW X6 mit französischem Kennzeichen auf. Sie wollen ihn kontrollieren und versuchen, ihn von der Autobahn zu lotsen. Doch plötzlich gibt der Fahrer des BMW Gas. Seeger und Dynio bleiben dran. Etwa 30 Kilometer sind es noch bis zur Grenze. Weil die Beamten mit einem Zivilfahrzeug nicht nach Polen dürfen, fordern sie Unterstützung von der regulären Autobahnpolizei an.
Der Fahrer des französischen Wagens reagiert dann doch auf die Manöver der Polizei und hält auf dem Standstreifen. Die Beamten geleiten den BMW auf den Parkplatz Wiesa. Dort wird das komplett mit schwarzen Folien ausgekleidete Fahrzeug genau kontrolliert. Schon oft sind Seeger und Dynio in vergleichbaren Situationen auf die Machenschaften organisierter Banden gestoßen. Doch diesmal ist alles in Ordnung. Der französische Fahrer ist mit seiner polnischen Freundin auf dem Weg zu einem Familienbesuch. Der Grund für seine Flucht, sagt er, sei einfach nur Angst vor einem Überfall gewesen.
Über 1.000 Fahrzeuge werden jeden Monat von den 19 Landes- und Bundespolizisten der GFG "Autobahn" kontrolliert. Uwe Seeger: "Wir sind zu einer schlagkräftigen Einheit zusammengewachsen." Bestätigt wird das vom nachweisbaren Erfolg: Seit Gründung der GFG wurde Diebesgut im Wert von knapp zwei Millionen Euro sichergestellt bzw. Diebstahl- und Steuerschäden verhindert. Die Anzahl der festgenommenen Täter liegt im hohen dreistelligen Bereich. Uwe Seeger dazu: "Das sind für uns die Erfolge, die zählen."
Hilfe für die Kollegen
Zurück auf die Autobahn. Es ist kurz vor 23 Uhr, als die beiden Beamten von den Kollegen der Autobahnpolizei zu einer undurchsichtigen Situation auf dem Rasthof Oberlausitz gerufen werden. Wie immer wissen sie nicht wirklich, was sie erwartet. Deshalb müssen sie auch eine schusssichere Weste tragen. Vor Ort geht es um den Auflieger eines französischen Sattelzugs. Der Bautzener Autobahn-Streife waren die verkratzten Typenschilder aufgefallen. Das ist verdächtig. Vielleicht wurde der Auflieger irgendwo gestohlen?
Noch während Seeger und Dynio den Laster kontrollieren, taucht der Fahrer auf. Er spricht weder deutsch noch englisch. Klar wird jedoch, dass er sich keiner Schuld bewusst ist. Er will den LKW von einer Firma in Frankreich übernommen haben. Doch dass die Typenschilder manipuliert wurden, ist eindeutig. Deswegen wird der Sattelschlepper zur Autobahnpolizei gebracht. Dort müssen Seeger und Dynio nun schnell recherchieren, ob irgendwo nach einem gestohlenen Auflieger gefahndet wird. Die Zeit drängt, denn ohne Beweise können sie den LKW nicht lange festhalten.
Obwohl mit dem Auflieger einiges nicht stimmt, muss Hauptkommissar Seeger das Fahrzeug am nächsten Mittag ziehen lassen. Die Zeit hat für eine intensive Recherche nicht gereicht. Hinzu kommt: Für jede Stunde am Schreibtisch fehlen die Beamten eine Stunde auf der Autobahn. Und dort werden sie rund um die Uhr gebraucht.
