Diebstahl, Betrug

Kripo live | 29.01.2012 | 19:50 Uhr : Kreditbetrug in Leipzig

Die Kripo Leipzig fahndet nach einer Bande von Gaunern, die sich mithilfe eines Netzwerkes an Bankkonten, E-Mail-Kontakten und Briefkastenadressen Bankkredite in enormer Höhe ergaunerten. Vermutlich schon seit 2007 gehen die Betrüger immer auf die gleiche Weise vor.

Betrüger - Überwachungskamera des Automaten
Die Überwachungskamera eines Geldautomaten lieferte ein Bild dieses Mannes.

Es beginnt immer mit der Anmietung einer Wohnung – oft schon Monate vor der eigentlichen Tat. In Leipzig wurde beispielsweise in der Meusdorfer Straße im Juli 2010 ein Mietvertrag unterschrieben. Der Vertrag wurde schriftlich oder per E-Mail abgeschlossen; kein Nachbar hat die Mieter je gesehen.

Die Betrüger arbeiten im Hintergrund mit gefälschten Personalien. Online beantragen sie Bankkredite. Die Summe liegt immer bei 25.000 Euro - bis zu diesem Betrag greift bei vielen Banken ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren.

Dabei scheinen die Betrüger sich mit den Prüfungsrichtlinien der einzelnen Banken sehr gut auszukennen – sie betreiben erheblichen Aufwand, um möglichen Fehlern oder Nachfragen der kreditgebenden Bank vorzubeugen. So werden beispielsweise die Kosten der Wohnungen immer pünktlich bezahlt, falls die Bank beim Vermieter nachfragt.

Des Weiteren geben sich die Betrüger in ihren Anträgen meist als Beamte aus. Auch das ist Kalkül: Aufgrund ihrer Anstellung und ihres geregelten monatlichen Einkommens haben Beamte eine sehr hohe Bonität. Wenn man sich als Beamter im höheren oder gehobenen Dienst mit 3.000 Euro Nettoeinkommen ausgibt, sagt kaum eine Bank den Kredit ab.

Betrüger - 2 Kameraperspektive
Eine Aufnahme von einem weiteren Täter.

Alle angeforderten Verdienstnachweise und Kontoauszüge, auf denen Gehaltseingänge ersichtlich sind, werden von den Betrügern gefälscht. Im nächsten Schritt fordern die Online-Banken den Antragsteller auf, die von ihm angegebenen persönlichen Daten bei einer Postfiliale überprüfen zu lassen. Bei diesem Post-Ident-Verfahren muss ein Personalausweis vorgelegt werden. Auch der ist bei den Gaunern immer gefälscht – so gut, dass er kaum von einem echten zu unterscheiden ist.

Eine erfundene Person kann auch keinen Negativeintrag bei der Schufa haben, bei der die Banken die Kreditwürdigkeit prüfen. Somit wird das Geld schließlich freigegeben. Erhält einer der Betrüger das Geld, wird es innerhalb des Netzwerkes auf die jeweiligen Konten verteilt. Diese sind ebenfalls mit einer gefälschten Identität erstellt worden.

Von den Konten werden dann kleinere Beträge abgehoben, denn größere Beträge erhalten die Betrüger nur am Bankschalter. Der direkte Kontakt mit Angestellten ist ihnen jedoch in der Regel zu riskant. Nur ein einziges Mal tauchte einer der Täter direkt an einem Schalter auf. Er nannte sich Uwe Marten – eine erfundene Identität, wie Ermittlungen später zeigten – und hob am 21. März 2011 bei der Landeshypothekenbank in Salzburg 35.000 Euro ab.

Uwe Marten
Dieser Mann wird unter dem falschen Namen Uwe Marten gesucht.

Auch in Nordrhein-Westfalen und Bayern wurde Geld abgehoben; dort waren es jedoch nur kleinere Summen an EC-Automaten. Dabei wurden zwei Männer fotografiert: Ein Mann mit Glatze, etwa 50 bis 60 Jahre alt, hob im Dezember 2010 und im Januar 2011 an einem Sparkassen-Automaten in Freilassing bei München jeweils 1.000 Euro ab. Ein anderer Betrüger tauchte im bayerischen Bad Reichenhall und in Varel bei Oldenburg auf.

Ist der Kreditbetrag komplett abgehoben, finden auf dem jeweiligen Konto keine weiteren Ein- und Ausgänge mehr statt. Das fiel in einem Fall der Deutschen Bank auf. Nachdem auf dem Konto eines vermeintlichen Beamten ein Kredit über 25.000 Euro von der ING-DiBa eingegangen war, blieben weitere Gehaltszahlungen aus. Die Bank überprüfte den Kontoinhaber und stieß auf die Adresse in der Meusdorfer Straße in Leipzig. Inzwischen wurde eine Verdachtsanzeige bei der Staatsanwaltschaft Leipzig erstellt.

Auto von Uwe Marten
Mit diesem Auto (Vergleichsmodell) war Uwe Marten unterwegs.

14 ähnliche Fälle sind derzeit bekannt. Der Schaden liegt bislang bei etwa 350.000 Euro. Die Fahnder gehen jedoch davon aus, dass es bundesweit noch weitere unentdeckte Taten gibt.

Es gibt einen Anhaltspunkt, dass die Tätergruppierung möglicherweise aus dem Norden Deutschlands kommt: Die Vermieterin einer Wohnung in Baunatal bei Kassel hat den Betrüger, der sich Uwe Marten nennt, gesehen und gibt an, er sei einen silberfarbenen Mercedes Benz Kombi der C-Klasse gefahren. Sie erinnert sich daran, dass das Kennzeichen mit FRI… für Friesland begonnen habe. Die Betrüger sind bundesweit unterwegs.

  • Wer kennt die Männer?
  • Wo sind sie aufgetaucht?

Hinweise bitte an die Kripo Leipzig, Tel.: 0341 96646666.

Zuletzt aktualisiert: 27. Januar 2012, 20:11 Uhr

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