Kripo live | 08.01.2012 | 19:50 Uhr : Babymord in Potsdam
Seit kurz vor Weihnachten beschäftigt die Ermittler in Potsdam und Brandenburg ein ganz besonders trauriger Fall: Ein neugeborenes Baby wurde tot aufgefunden. Die Staatsanwaltschaft hat nun Ermittlungen wegen Mordes gegen Unbekannt eingeleitet.
Als am 23. Dezember 2011 ein Anwohner der Kantstraße in Potsdam-West sein Auto aus dem angrenzenden Garagenkomplex holen wollte, machte er einen grausigen Fund: Das helle Bündel, das ganz in der Nähe des Bahndamms lag und das er sich näher anschauen wollte, entpuppte sich als ein in ein Handtuch eingewickelter toter Säugling.
Schockiert alarmierte der Anwohner die Polizei. Die Obduktion ergab, dass das Kind sehr wahrscheinlich in der Nacht vom 22. zum 23. Dezember 2011 geboren wurde. Zum Zeitpunkt der Geburt war es definitiv lebensfähig. Als Todesursache wurde äußere Gewalteinwirkung festgestellt.
Die Bahnstrecke an der Kantstraße führt von Potsdam in Richtung Michendorf und weiter nach Beelitz. Hier verkehren hauptsächlich Regionalzüge. Der Fundort zwischen Garagen und Bahndamm und das Verletzungsbild lassen die Frage aufkommen, ob das kleine Mädchen aus dem Zug geworfen wurde. Dagegen spricht allerdings, dass es nur sehr wenige Züge gibt, bei denen das Fenster soweit geöffnet werden kann, dass man ein Bündel dieser Größe hinauswerfen kann. Noch konnte der Verdacht nicht vollständig ausgeräumt werden; er hat sich aber durch die Ermittlungen vorerst nicht erhärtet.
Um keine Spur zu verlieren, wurden am Fundort des toten Babys Personensuchhunde, sogenannte Mantrailer, eingesetzt. Die Tiere konnten keine unmittelbare Spur in das angrenzende Wohngebiet feststellen. Die Ermittler gehen deshalb im Moment davon aus, dass das Baby gezielt abgelegt wurde. Auch dafür sind gewisse Ortskenntnisse notwendig – der Garagenkomplex am Ende der Kantstraße ist eine Sackgasse. Danach folgt nur noch eine kleine Grünanlage, die jedoch ebenfalls unmittelbar hinter einem Tunnel endet.
Die Ermittlungen in der Polizeidirektion West in Potsdam laufen auf Hochtouren. Jedem Hinweis wird sorgfältig nachgegangen. Der bislang wichtigste führt zu einem dunklen Pkw, der sich in der Nacht vom 22. zum 23. Dezember 2011 kurz vor Mitternacht direkt im Garagenkomplex aufgehalten hat. Bislang ist von dem Auto nur ein Detail bekannt: Das Kennzeichen beginnt mit PM für Potsdam-Mittelmark.
Hauptfahndungsansatz ist jedoch das Handtuch der Marke Facotti, in das das Baby eingewickelt war. Es ist 130 x 65 Zentimeter groß und aus weißem Frottee. Aufgestickt ist der Schriftzug "Fitness". An beiden Seiten des Tuchs befinden sich drei schmale Streifen in den Farben lila, dunkelblau und hellblau. Handtücher dieser Marke werden in der Türkei hergestellt.
- Wo wurden solche Handtücher verkauft oder ausgegeben, zum Beispiel in Fitness-Studios oder Thermen?
- Wer hat den dunklen Pkw gesehen und kann sich an das vollständige Kennzeichen erinnern?
- Wer kann Angaben zum Fahrer oder zu anderen Insassen des Autos machen?
- Wem ist eine zuvor schwangere Frau bekannt, die jetzt ohne Kind erscheint?
