Hintergrund

Hintergrund : Hunde als Polizeihelfer: Mantrailer (2/2)

Sendung vom 10. Januar 2010

Seit einigen Monaten werden auch in Sachsen Mantrailer ausgebildet. Diese speziellen Polizeihunde unterscheiden sich von den üblichen Spürhunden der Polizei. In Thüringen wurde bereits bei einem Fall klar, was sie leisten können.

Polizeihundeschule Naustadt bei Dresden. Hier werden seit einiger Zeit auch sogenannte Mantrailer ausgebildet – Personenspürhunde, die den Spuren von Menschen auch noch nach Monaten folgen können. Zu Sachsens ersten "Lehrlingen" gehört auch die viermonatige Blanka. Noch ist sie sehr verspielt. Aber selbst nach den zwei Ausbildungsjahren in Sachsen wird sie kein "Kommissar Rex" sein, der Verbrecher jagt, anspringt oder auch mal zubeißt. Blanka ist zum Suchen geboren und soll auch nur das machen.

Beißen nicht erwünscht

Normale Polizeispürhunde durchlaufen anfangs eine mehrwöchige Schutzhundausbildung. Dabei werden sie auf Täter trainiert und müssen auch zubeißen können. Bei Mantrailern ist das ganz anders. Ihnen wird beigebracht: Die Person, die du suchst, ist dir wohlgesonnen. Denn meist handelt es sich hierbei um Vermisste, um Rentner oder Kinder. "Der Mantrailer ist ein ganz umgänglicher und sozial freundlicher Hund. Er ist nicht darauf ausgebildet, Personen zu beißen. Wenn eine Abwehrreaktion des Opfers kommt, sie also nach dem Hund schlägt oder tritt, dann zieht sich der Mantrailer eher zurück", erklärt Hundeführerin Bianka Mauermann.

Mantrailer müssen dem Geruch eines gesuchten Menschen noch nach Tagen oder gar Wochen folgen können. Sie orientieren sich dabei an kleinsten Geruchspartikeln. Jagdhunde sind für solche Anforderungen aufgrund ihrer Ausdauer und ihrer feinen Nase besonders geeignet. "Jeder Mensch riecht anders. Ein Rauschgifthund z.B. muss fünf oder sechs verschiedene Stoffe lernen und differenzieren. Das passiert innerhalb von vier Wochen. Ein Mantrailer dagegen muss lernen, viele Millionen Menschen zu unterscheiden. Das ist aufwendig zu trainieren", erklärt Dieter Schmidt die lange Ausbildungszeit von zwei Jahren.

Erfolgreiche Übung, erfolgreicher Ernstfall

Was nach dieser Zeit für Erfolge möglich sind, zeigt eine Übung der Thüringer Polizei, die schon seit 2004 Mantrailer ausbildet: So endet die Suche nach einer Frau an einer Bushaltestelle. "Der Hund hat alle Kreuzungen abgecheckt und uns dann durch seinen Blick gesagt: Bitte helft mir! Daraufhin nehmen wir mit der Einsatzzentrale Verbindung auf und fragen, ob sich durch die Bushaltestelle vielleicht eine neue Spur ergibt", erläutert Polizeihauptkommissar Volker Brandt. Und tatsächlich wohnt im Nachbardorf eine Freundin der Vermissten. Personenspürhund Thyson nimmt dort noch einmal Witterung auf. Die Spur dort ist zwar einige Tage alt, doch er führt die Beamten zur gesuchten Person.

Bei der Suche nach Straftätern ist dieser unmittelbare Erfolg sehr selten. Hier liefern die Mantrailer eher Hinweise darauf, auf welchen Wegen sich Tatverdächtige bewegt haben. 2009 half das Ermittlern aus Gotha, einem Brandstifter insgesamt 19 Taten nachzuweisen. Vor allem in Mehrfamilienhäusern hatte es gebrannt - in Hauseingängen, Kellerverschlägen und Dachstühlen. Schließlich geriet ein Verdächtiger in den Blick der Ermittler. Die Frage war: Lässt sich der Mann mit allen Brandstiftungen in Verbindung bringen? Mantrailer Pluto, ein fünfjähriger Weimeraner, bekam ein Kleidungsstück des Verdächtigen vor die Nase und half den Beamten beim Sammeln von Indizien. Später war klar: Pluto zeigte tatsächlich die Wege, die der Brandstifter zu den Tatorten gegangen war.

Der Einsatz von Mantrailern mit ihren speziellen Fähigkeiten ist in Thüringen bereits Alltag. In Sachsen hat man die Hunde bislang aus anderen Bundesländern geliehen. Jetzt hat man auch in Sachsen damit begonnen eigene Mantrailer für die Polizei auszubilden.

Zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2010, 16:58 Uhr

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