Hintergrund : Betrug in Singlebörsen im Internet
Betrüger haben das Internet längst für sich entdeckt, um Menschen hereinzulegen und sie um ihr Geld zu erleichtern. Die Ganoven sind in sozialen Netzwerken, Kontakt- und Singlebörsen unterwegs, um geeignete Opfer wie zum Beispiel Grit Bendtzko (Name geändert) zu finden.
Die allein erziehende 42-jährige Grit Bendtzko aus Leipzig hat zwischen ihrem Job als Verkäuferin und ihrer Mutterrolle wenig Platz, neue Menschen oder auch einen neuen Mann kennenzulernen. Doch sie schien Glück zu haben: Über Facebook lernte sie im August 2010 Georgio Valerio kennen.
Der Mann gab sich als in Großbritannien lebender Italiener aus. Er sei Mode-Designer und Geschäftsführer einer Firma. Nach dem Tod seiner Frau lebe er allein mit seiner Tochter. Mehr als zwei Monate lang schrieben sie sich Emails und telefonierten, wenngleich seine Nummer im Display nie angezeigt wurde. "Er hat ein paar Mal seine Tochter mit meinem Kind telefonieren lassen. Seine Tochter heißt Lisa und ist ungefähr so alt wie mein Kind. Ich hätte nie gedacht, dass das Betrug sein kann", berichtet später Grit Bendtzko.
Heute steht fest: Der Name "Georgio Valerio" ist gefälscht. Das entsprechende Foto zeigte einen ahnungslosen Unbekannten. Der vermeintliche Italiener sitzt vermutlich in Asien und erleichterte die Frau um über 10.000 Euro. Wie so oft bei dieser Art von Betrug ging der Mann geduldig und clever vor, schürte Hoffnung und setzte dann auf die auf die Mitleidsmasche. So erzählte er, möglichst schnell mit seiner Tochter nach Deutschland kommen zu wollen, um Grit Bendtzkos Familie kennenlernen zu können. Er schickte auch einen Flugplan. Demnach wollte Geschäftsmann Georgio Valerio zunächst über Dubai nach Malaysia fliegen, um eine Fertigungsmaschine zu kaufen. Der Rückweg sollte über Leipzig gehen.
Hilferufe nach Geld
Für Grit Bentzko gab es keinen Grund, an der Geschichte zu zweifeln. Auch nicht, als sie der erste Hilferuf des Unbekannten erreichte. Angeblich müsse er die gekaufte Maschine unerwartet per Schiff wegschicken, aber vor Ort wolle man Bargeld haben. Er selbst könne nur zu Hause auf sein Konto zurückgreifen, aber nicht in Malaysia bzw. Asien. Deswegen solle sie ihm mit 3.000 Euro aushelfen. Als Sicherheit schickte er ihr einen Kontoauszug, der beweisen soll, dass er viel Geld besitzt und die Schulden zurückzahlen kann. Grit Bendtzko sollte ihm das Geld per "Western Union" überweisen – was Grit Bendtzko tat.
Am nächsten Tag klingelte wieder das Telefon. "Georgio Valerio" erklärte, er müsse für die Maschine vor Ort noch Steuern und Zoll zahlen. Wieder schickte die Frau ihm 3.000 Euro. Auch diesmal bemühte sich der Betrüger, sein Opfer in Sicherheit zu wiegen, und schickte eine gefälschte Bestätigung seiner Bank in England. Darin stand, dass 8.000 Euro auf das Konto von Grit Bendzko überwiesen wurden. Grit Bendtzko war beruhigt und schöpfte keinen Verdacht. Auch nicht, als ein weiterer Anruf kam. Diesmal erzählte der Mann von einem Unfall auf der Autobahn in Kuala Lumpur. Er und seine Tochter seien verletzt. Das Kind benötige dringend eine OP.
Geschockt schickte Grit Bendzko noch einmal mehrere Tausend Euro. Als er schließlich noch ein viertes Mal Geld fordert, um Blutkonserven kaufen zu können, bricht sie den Kontakt endlich ab. Eine fünfstellige Summe hatte der Betrüger inzwischen ergaunert. Solche Summen sind nicht selten. Immer wieder werden in Kontaktbörsen Gefühle trickreich ausgenutzt. Auf belebten Märkten treiben sich halt immer auch ein paar schwarze Schafe herum. Nur Vorsicht und der gesunde Menschenverstand können vor diesen gewieften Betrügern schützen. So sollte man, sobald eine Geldforderung kommt, die Finger davon lassen und sofort den Kontakt beenden. Man kann auch sagen: Ich habe kein Geld, ich kann es auch nicht beschaffen. Das ist der beste Schutz.
In dem beschriebenen Fall wurde der Name des Opfers geändert, denn die Geschädigte will auf keinen Fall erkannt werden. Sie will nicht, dass Freunde und Bekannte mitbekommen, auf was für einen Betrug sie hereingefallen ist – dabei ist niemand vor einer solchen Masche gefeit.
